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	<title>Blogmouse &#187; Kultur</title>
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	<description>Unabhängig. Parteiisch. So frech wie nötig</description>
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		<title>Kotze und Erlöser</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 18:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Falls Sie mal so richtig kotzen wollen, sehen Sie sich den Film »The Road« (2009; Regie: John Hillcoat) an. &#8212; Selten war es in einem Kino so still. &#8212; Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Cormac McCarthy. McCarthy veröffentlichte das Buch 2006 (deutsch 2007). Es ist ein hochmoralisches Buch. Nicht etwa: Du sollst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Falls Sie mal so richtig kotzen wollen, sehen Sie sich den Film »The Road« (2009; Regie: John Hillcoat) an. &#8212; Selten war es in einem Kino so still. &#8212; Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Cormac McCarthy. McCarthy veröffentlichte das Buch 2006 (deutsch 2007). Es ist ein hochmoralisches Buch. Nicht etwa: Du sollst nicht töten. Sondern: Du sollst nicht Deinesgleichen auffressen. Und: Der Mensch ist gut.</p>
<p><span id="more-613"></span></p>
<p>Der Inhalt des Buches: Erdweite Katastrophe, vollkommener Zusammenbruch der Zivilisation, ein ehedem gutbürgerlicher nordamerikanischer Vater bricht mit seinem kleinen Sohn auf, um an die Küste zu kommen. Von der er sich irgendwas erhofft – was, das bleibt unklar. Denn Erfüllung irgendeiner Hoffnung gibt es in diesem Buch nicht (doch, ein wenig: Am Schluss erzählt der Junge, dass er eine Forelle gefangen hat), gibt es in diesem Film also auch nicht (hier gibt es keine Forelle).<br />
Vermutlich entstand das Buch aus der Erkenntnis, dass man Kinder zu Soldaten – dann natürlich »Kindersoldaten« &#8211; abrichten kann, jeden beliebigen Menschen umzubringen, Grund ist nicht nötig. Das Kind in McCarthys Buch ist aber gut. Es steht moralisch selbst über seinem Vater – im Grunde aber nur, weil sein Vater es beschützt und es darauf baut.<br />
Der Vater bricht Tabus:<br />
Er ist bereit, Menschen umzubringen, wenn sie ihm, vor allem aber seinem Sohn, nach dem Leben trachten.<br />
Er bringt einen Menschen um.<br />
Er bringt später einen zweiten um.<br />
Notwehr.<br />
Er überlässt zwei weitere Menschen ihrem Schicksal – sie werden sterben.<br />
Er zeigt seinem Sohn, wie man sich mit einem Revolver umbringt.<br />
Es gibt nur ein Tabu: Man frisst einander nicht auf.<br />
Dieses Tabu haben andere längst gebrochen. Wenn Sie also kotzen wollen – jetzt wäre der richtige Zeitpunkt. Das Buch lässt nichts aus, der Film lässt nichts aus. Vergessen Sie Splatter-Filme – Kinderkram. Etwas Vorstellungsvermögen natürlich vorausgesetzt.</p>
<p>Dazu mal ein Wort an unsere Filmkritik: Der Film halte sich zu sehr an das Buch und pi und pa und po. Macht er tatsächlich zu 90 %, bis hin zu den Dialogen. Aber was hätten Sie denn gern? Dass der Film Vater und Sohn ein intaktes Ritz-Hotel samt weicher Daunenbetten, klaren Trinkwassers, zuvorkommender Kellner, funktionierender Heizung, mit Champagner und Kaviar gefüllten Kühlschranks usw. usf. finden lässt, in dem sie bis ans Ende aller Tage glücklich sind? Soll ein Regisseur dem Buch etwas hinzuerfinden, damit man als Kritiker (bruhaha) zufrieden ist?</p>
<p>Als Leser und Zuschauer frag man sich: Was hält diesen Vater und diesen Sohn eigentlich am Leben? Dem Vater ist der kleine Sohn Gott. Das ist richtig. Denn dieser Sohn hat Maßstäbe, die dem Vater allmählich abhanden kommen. Aber nur, weil er seinen Gott schützen will und muss – um selbst nicht zu verzweifeln. Der Sohn braucht den Vater, ohne ihn wäre er verloren. Gott braucht den Gläubigen wie der Gläubige Gott braucht.<br />
Das hört sich schwer nach Bibel, Altem Testament an. »The Road« ist aber eine Parabel auf das Neue Testament. Es gibt Hoffnung.<br />
McCarthy lässt Vater und Sohn eine vierköpfige Familie folgen, und der Vater dieser Familie gibt sich dem Jungen, kurz bevor der sich nach dem Tod seines Vaters mit der letzten Kugel des Revolvers umbringen will, zu erkennen – wie ein Erlöser. </p>
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		<title>Alles geklaut? Ausgezeichnet!</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 18:08:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesen bildet. Der aktuellste Beweis: Seit ein paar Wochen weiß jeder Feuilleton-Leser, was ein Axolotl ist. Und nicht nur das: Wen so was interessiert, der kann sich von einer mediengerecht kaputten 17-Jährigen erklären lassen, wie das so ist mit Sex and Drugs and weiß der Geier. Die meisten interessiert&#8217;s wohl eher nicht, weshalb &#8212; fast [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lesen bildet. Der aktuellste Beweis: Seit ein paar Wochen weiß jeder Feuilleton-Leser, was ein Axolotl ist. Und nicht nur das: Wen so was interessiert, der kann sich von einer mediengerecht kaputten 17-Jährigen erklären lassen, wie das so ist mit Sex and Drugs and weiß der Geier. Die meisten interessiert&#8217;s wohl eher nicht, weshalb &#8212; fast scheint&#8217;s wie eine abgekartete Marketingaktion &#8212; jetzt rauskam: Sie hat hie und da geklaut. Collagiert, gecuttet and gepastet, zweitverwertet &#8212; in jedem Fall aber aufgewertet, all das Zeug von namenlosen Losern. Nennen Sie es, wie Sie wollen &#8212; der berühmte Literaturexperte Daniel Haas (Spon) nennt es <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,676570,00.html" target="_blank">»Na und?«</a></p>
<p><span id="more-497"></span></p>
<p>Blogmouse findet diesen Titel für das Buch durchaus passend, doch nun ist das Na-und-Buch für den <a href="http://www.preis-der-leipziger-buchmesse.de/" target="_blank">Preis der Leipziger Buchmesse</a> nominiert worden. Da können wir nicht länger schweigen, denn Spiegel online meint, auf den peinlichen Einwurf von Haas noch eins draufsetzen zu müssen und meldet:</p>
<blockquote><p>Ach, der Literaturbetrieb wäre doch langweilig, wenn es keine Plagiatsvorwürfe gäbe &#8211; und so wäre die Leipziger Buchmesse dumm, ließe sie die Chance ungenutzt, ihren mitunter betulich ostprovinzlerisch wirkenden &#8220;Preis der Leipziger Buchmesse&#8221;, wie man heute sagt, <em>aufzupimpen.</em></p></blockquote>
<p>Denn<em><br />
</em></p>
<blockquote><p>Hegemanns Verlag habe der Jury bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit &#8220;alles einen ordentlichen Weg geht&#8221;. Doch welcher Weg ist der Kunst fremder als der &#8220;ordentliche&#8221;?</p></blockquote>
<p>Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Doch noch interessanter als der Sponsche Kunstbegriff ist der linke Haken mit den »Ostprovinzen«. Da hat man in Hamburg gut beobachtet, und Blogmouse fasst die Preisträger zusammen:</p>
<ul>
<li><strong>2009 &#8212; Sybille Lewitscharoff</strong> für <em>Apostoloff. </em>Hat irgendwas mit Bulgarien zu tun, das ist ja sowas von Osten, dass es fast schon wieder im Westen ist. Provinziell bestimmt auch, hab&#8217;s bis jetzt nicht zuende gelesen, bisschen anstrengend und eher nicht betulich. Hat sich gegen Kehlmann durchgesetzt, der es wegen zu großer Erfolge wohl nicht werden durfte &#8230; aber, he? .. ist der nicht irgendwie auch aus dem Osten? Lebt in Berlin (Längengrad zwischen Leipzig und Dresden) und Wien (Osmanisches Reich).</li>
<li><strong>2008 &#8212; Clemens Meyer</strong> für <em>Die Nacht, Die Lichter.</em> Das is ja nun Osten ins Quadrat. Meyer kommt nicht nur aus Leipzig (Osten!!!), sondern aus dem <em>Osten</em> von Leipzig! Muss man gar nicht erst reinschaun in das Buch, um zu wissen, dass das »provinzlerisch« ist. Sagt ja schon der Name: <em>Meyer, </em>meine Güte.</li>
<li><strong>2007 &#8212; Ingo Schulze</strong> für <em>Handy.</em> Provinz, sagt ja schon der Name: <em>Schulze, </em>meine Güte. (Fehlt nur noch Müller, ach ja, die Herta, auch ganz aus dem Osten, hat aber den anderen Preis gekriegt, den aus Schweden, also auch irgend so ein Ost-Preis.) Schulze ist aus Dresden. Noch weiter östlich als der Osten von Leipzig, dass kann ich Ihnen aber sagen &#8230; Seit die Ostprovinzen verloren gingen, ist das wirklich die alleröstlichste Provinz und provinziellster Osten sowieso. Handys haben sie da aber schon.</li>
<li><strong>2006 &#8212; Ilja Trojanow</strong> für <em>Der Weltensammler</em>. Osten, das sagt ja schon der Name. Provinz: bestimmt auch &#8230; obwohl &#8230; <em>Welten</em>sammler?</li>
<li> <strong>2005 &#8212; Terezia Mora.</strong> Nie gehört. Bestimmt auch aus einer Ostprovinz, ach ja, Ungarn.</li>
</ul>
<p>Wirklich besorgniserregend, wie der Osten den Westen infiltriert. Hamburg scheint noch immun, aber nehmen wir Frankfurt am Main: Den Preis der dortigen Buchmesse (tja, da gibt&#8217;s auch eine) hat letztens eine gewisse Kathrin Schmidt bekommen. Der Name &#8230; Sie ahnen schon. Davor Uwe Tellkamp. Das klingt jetzt erst mal nicht so, aber die Wahrheit ist: Der Mann kommt aus Dresden und schrieb einen dicken Wälzer über Dresden. Davor Julia Franck, die zumindest ein bisschen aus dem Osten ist. Und davor Katharina Hacker für <em>Die Habenichtse</em>, was zwar sehr nach Osten klingt, aber ausnahmsweise doch nichts damit zu tun hat.</p>
<p>Der Leipziger Buchpreis in der Kategorie Sachbuch ging letztes Jahr übrigens an Herfried Münkler für <em>Die Deutschen und ihre Mythen.</em></p>
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		<title>One world one flame – und die Beatles werden einfach nicht kalt</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/kultur/one-world-one-flame-%e2%80%93-und-die-beatles-werden-einfach-nicht-kalt/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 19:07:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[One world one flame – und die Beatles werden einfach nicht kalt.
Lieber Herr Adams,
Sie werden das vermutlich anders sehen – aber: Sie sind einfach kein guter Musiker. Nein, nein – Sie singen gut, keine Frage; ihre Stimme – erkennt man sofort; Produktion, Musiker, Toningenieur – alles bestens, da gibt es nichts zu meckern. Aber: Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">One world one flame – und die Beatles werden einfach nicht kalt.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Lieber Herr Adams,</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Sie werden das vermutlich anders sehen – aber: Sie sind einfach kein guter Musiker. Nein, nein – Sie singen gut, keine Frage; ihre Stimme – erkennt man sofort; Produktion, Musiker, Toningenieur – alles bestens, da gibt es nichts zu meckern. Aber: Sie haben keinen Mut. Braucht eigentlich jeder Schüler der Musikschule von Klein-Kleckersdorf. Die müssen sich trauen, wenn sei – sagen wir: ein kleines Stück von J.S. Bach, J. Haydn oder W.A. Mozart vorspielen sollen. Damit die Eltern sich freuen. Vier Fehler – egal.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Sie aber haben keinen Mut. Warum? Erklären wir Ihnen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Sie sind Rockmusiker. Oder? Na sehen Sei, wenigstens darin könnten wir uns einig sein. Könnten. Gleich werden Sie sehen, warum Sie keiner sind.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Seit den seligen Tagen der Beatles schreiben Rockmusiker ihre Songs selbst. Machen Sie nur in Ausnahmenfällen. Was? Schon vergessen? Michael Kamen…? Also gut, Sie schreiben selten selbst. Macht nichts.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Aber nun liefern Sie die mehr oder weniger offizielle Hymne zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver. Das muss gut werden, ganz klar. Sollen viele, nach Möglichkeit alle kaufen. Sie nehmen also den Lennon der Weinerlichkeit – fallend Intervalle, kleine Sekunde, große Sekunde -, geben den Lennon der großen Idee &#8211; »Give Peace a Chance«,  tschuldigung: »One World one Flame« &#8211; und kippen dann die ganze McCartney/Martin-Soße darüber – akustische Gitarren am Anfang, dann schrummelnde Celli, Hammond-Orgel im Hintergrund, Bridge a la McCartney und so weiter und so fort.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Nur: bei den Beatles, bei Lennon, McCartney und Martin, da war das echt, das war das deren Idee, da war das neu, da war das einfallsreich. Und selbst bei Electric Light Orchestra war das wenigstens noch ironisch.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Bei Ihnen, Herr Adams, ist das noch nicht als Talmi, noch nicht mal Kitsch. Es ist einfach nur berechnend und blöd. Vielleicht bekommen Sie 2011 einen Grammy dafür.</div>
<p>Lieber Bryan Adams,</p>
<p>Sie werden das vermutlich anders sehen – aber: Sie sind einfach kein guter Musiker. Nein, nein – Sie singen gut, keine Frage; ihre Stimme – erkennt man sofort; Produktion, Musiker, Toningenieur – alles bestens, da gibt es nichts zu meckern. Aber: Sie haben keinen Mut. Braucht eigentlich jeder Schüler der Musikschule von Klein-Kleckersdorf. Die müssen sich trauen, wenn sie – sagen wir: ein kleines Stück von J.S. Bach, J. Haydn oder W.A. Mozart vorspielen sollen. Damit die Eltern sich freuen. Vier Fehler – egal.</p>
<p>Sie aber haben keinen Mut. Warum? Erklären wir Ihnen.</p>
<p><span id="more-491"></span></p>
<p>Sie sind Rockmusiker. Oder? Na sehen Sie, wenigstens darin könnten wir uns einig sein. Könnten. Gleich werden Sie sehen, warum Sie keiner sind.</p>
<p>Seit den seligen Tagen der Beatles schreiben Rockmusiker ihre Songs selbst. Machen Sie, Herr Adams, nur in Ausnahmenfällen. Was? Schon vergessen? <a href="http://www.roxikon.de/rock/rock-formationen/michael-kamen/" target="_blank">Michael Kamen</a>…? Also gut, Sie schreiben selten selbst. Macht nichts.</p>
<p>Aber nun liefern Sie die mehr oder weniger offizielle Hymne zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver. Das muss gut werden, ganz klar. Sollen viele, nach Möglichkeit alle kaufen. Sie nehmen also den Lennon der Weinerlichkeit – fallend Intervalle, kleine Sekunde, große Sekunde -, geben den Lennon der großen Idee &#8211; »Give Peace a Chance«,  tschuldigung: »One World one Flame« &#8211; und kippen dann die ganze McCartney/<a href="http://www.roxikon.de/produzenten-label-eigner/george-martin/" target="_blank">Martin</a>-Soße darüber – akustische Gitarren am Anfang, dann Celli &#8211; schrummel, schrummel, schrumm -, Hammond-Orgel im Hintergrund, Bridge a la McCartney und so weiter und so fort.</p>
<p>Nur: bei den Beatles, bei Lennon, McCartney und Martin, da war das echt, da war das deren Idee, da war das neu, da war das einfallsreich. Und selbst bei <a href="http://www.roxikon.de/rock/rock-formationen/electric-light-orchestra/" target="_blank">Electric Light Orchestra</a> war das wenigstens noch ironisch.</p>
<p>Bei Ihnen, Herr Adams, ist das noch nicht mal Talmi, noch nicht mal Kitsch. Es ist einfach nur berechnend und blöd. Hat nichts mit Rock zu tun. Hat nur mit Geld zu tun. Fehlt einfach der Mut, etwas Eigenes  auf die Beine zu stellen. Schätze, dass Sie 2011 einen Grammy dafür bekommen</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Diesmal schenken wir uns nichts</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/kultur/diesmal-schenken-wir-uns-nichts/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 10:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Bücher verschwinden, verschwindet nicht nur ein Stück Kultur. Auch eine alte Kulturtechnik wird ärmer: das Schenken. Zumindest kann man E-Books nicht hübsch einpacken. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_166" class="wp-caption image left" style="width: 200px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-166" style="border: 1px solid black;" title="P-Book" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/book.jpg" alt="Liberte " width="190" height="310" /></dt>
<h5>Search inside. It&#8217;s not a Sony</h5>
</dl>
</div>
<p>In diesem Frühjahr habe ich endlich meine liebsten Kinderbücher aus der Wohnung meiner Mutter zu mir nach Hause geholt. Ich hatte schon befürchtet, sie könnte sie weggeworfen haben, als sie vor 15 Jahren in eine viel kleinere Wohnung gezogen ist. Doch Bücher wegwerfen &#8212; das macht sie nicht, meine Mutter.</p>
<p>Ich komme aus einer bibliophilen Familie, einer Welt, wie sie Uwe Tellkamp in »Der Turm« beschrieben hat. Ich bin etwa so alt wie Tellkamp und ein paar Kilometer flussabwärts am Fuße eines Weinbergs aufgewachsen. Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich meiner Mutter den dicken Tellkamp geschenkt, es war naheliegend. <span id="more-150"></span>Immer haben wir uns Bücher geschenkt, und die schönsten bekam ich als Kind von meiner Tante. Mein älterer Sohn, inzwischen 21, wurde von seinem Opa von klein auf in einem Maße mit Büchern beschenkt, das selbst mir fast unheimlich war. Er ist heute ein Leser &#8212; und damit in seiner Altersgruppe ein Exot. Er hat keine Brille aber selbstverständlich ein Profil auf Facebook. Er fotografiert digital und analog.</p>
<p>Er könnte der Typ sein, der sich in ein paar Jahren sein Lesefutter per E-Book zuführt. Ich bin es nicht, denn ich mag mich nicht mehr umgewöhnen. Die vielen jungen Leute, die laut ernstzunehmenden Studien gar keine längeren Texte mehr lesen, sind es auch nicht. Prophezeiungen und Polemiken zum Thema Buch vs. E-Book sind inzwischen reichlich zwischen den Lagern hin- und hergeschossen worden. Wir werden sehen. Ein wichtiger Punkt (jedenfalls für mich), kam aber bisher noch nicht zu Sprache:</p>
<p><strong>Was werden wir uns schenken, wenn wir uns keine Bücher mehr schenken?</strong></p>
<p>Ich frage mich, ob schon mal jemand ernsthaft bedacht hat, welch große Bedeutung das Buch als Geschenkartikel hat, wirtschaftlich und individuell. Das klingt jetzt nicht sehr bibliophil, ich weiß, aber so ist es nun mal. Ich weiß nicht, ob es eine Statistik gibt, wie groß der Anteil an Büchern ist, die nicht für den Eigenbedarf gekauft werden. Nach meinen Beobachtungen ist er jedenfalls sehr groß, und ich weiß zumindest von einem Verlag, bei dem ich angestellt war, dass ganze Programmreihen im Hinblick auf&#8217;s Verschenken geplant werden. Das Buch soll etwas hermachen, nicht zu teuer sein, aber auch nicht zu billig, irgendwie »wertig« erscheinen (ja, dieses Wort habe ich mit eigenen Ohren gehört!). Inhaltlich seriös, aber nicht zu speziell, denn was weiß man schon über den Beschenkten &#8230; </p>
<p>Aber, ob ein Buch nun wertvoll ist oder nur wertig oder nichts von beidem: Man kann es sich immerhin schenken. Dateien kann man nicht mal hübsch einpacken. Nicht nur das Verschwinden des Buches selbst ist ein (subjektiv empfundener) Kulturverlust. Unsere Beziehungen werden ärmer, wenn wir uns gegenseitig keine Bücher mehr schenken. Im Idealfall setzt sich der Schenkende nicht nur im Bücherregal des Beschenkten fest, sondern auch in dessen Kopf, sogar wenn sich beide im richtigen Leben aus den Augen verlieren. Im Realfall steht der Schenkende wenigstens nicht mit leeren Händen da und hat Anlass, über sich, den Beschenkten und die Beziehung zu ihm nachzudenken.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schuld und Sühne</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/politik/schuld-und-suhne/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 20:08:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[


Leider noch nicht fertig: das Paulinum in Leipzig


Wer als Nicht-Leipziger und unbelastet von Vorwissen die viel gerühmte und tatsächlich schöne Leipziger Innenstadt vom Augustusplatz her betreten will, wird sich irritiert fragen: Was ist das denn? Was will das sein? Wuchtig und raumgreifend steht er da, der am heftigsten umstrittene Neubau Leipzigs seit der Wiedervereinigung. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_67" class="wp-caption image left" style="width: 234px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-67" style="border: 1px solid black;" title="Paulinum7" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/Paulinum7-224x300.jpg" alt="Leider noch nicht fertig: das Paulinum " width="224" height="300" /></dt>
<h5>Leider noch nicht fertig: das Paulinum in Leipzig</h5>
</dl>
</div>
<p>Wer als Nicht-Leipziger und unbelastet von Vorwissen die viel gerühmte und tatsächlich schöne Leipziger Innenstadt vom Augustusplatz her betreten will, wird sich irritiert fragen: Was ist <em>das</em> denn? Was will das sein? Wuchtig und raumgreifend steht er da, der am heftigsten umstrittene Neubau Leipzigs seit der Wiedervereinigung. Das »Paulinum« ist ein Mehrzweckbau der besonderen Art: Kirche, Aula, Konzerthalle &#8212; all in one. Leider nicht ganz fertig geworden bis zum Festakt, mit dem die Universität Leipzig in diesem Herbst ihr 600-jähriges Bestehen begeht. Schuld ist (mal wieder) die Krise, die den beauftragten Architekten in die Pleite gestürzt hat.</p>
<p>Apropos Schuld. <span id="more-3"></span>Dass das Gebäude überhaupt errichtet wurde, hat mit Schuld zu tun. Um nicht zu sagen mit Sühne. An eben dieser Stelle &#8212; zwischen Augustusplatz und Innenstadt &#8212; wurde am 30. Mai 1968 die Paulinerkirche in die Luft gesprengt, ebenso das daran angrenzende Augusteum, das ehemalige Hauptgebäude der Universität. Man brauchte Platz für neue Universitätsbauten, in denen junge Menschen zu nützlichen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft herangebildet werden sollten. »Das Ding muss weg«, soll Walter Ulbricht gesagt haben, als er von der benachbarten Oper aus Studenten aus der Paulinerkirche strömen sah.</p>
<p>Das Ding kam weg. Die Forderung nach dem Wiederaufbau folgte auf dem Fuß. Lange Zeit dürfte die Empörung weit größer gewesen sein als die Hoffnung. Und ja: öffentliche Empörung erforderte anfangs Mut; Hoffnung zu haben, grenzte an ein Wunder. Auch nach der Wende war es keine ausgemachte Sache, den Akt der Barbarei durch einen Neubau zu sühnen. Von Januar 1990 bis Juli 1998 hatte ich als junge Wissenschaftlerin mein Büro in jenem hässlichen Flachbau, der an der Stelle des Augusteums errichtet worden war und der im neuen Jahrtausend &#8212; Auge um Auge, Stein um Stein &#8212; abgerissen wurde, um seinerseits Platz zu machen für etwas Neues.</p>
<p>Und jetzt steht sie da, die Paulinerkirche &#8230; Universitätskirche? Oder wie? Nein, eine Kirche ist es nicht, was da nach so viel Streit am Augustusplatz entstanden ist. Dass das neue Ding nach außen hin so tut, macht die Sache erst schlimm. Die »gotische« Betonhülle beherbergt einen Andachtsraum und die Aula, beides sauber getrennt durch eine Glaswand. Ein Kompromiss also, der trennt anstatt zu verbinden. Ein Gottesdienst wird hier nie stattfinden, trotzdem &#8212; oder gerade deshalb &#8212; steht die Frage im Raum, was das neue Ding in einer Stadt mit mehrheitlich nichtchristlicher Bevölkerung eigentlich soll. Von einem »Erinnerungsort« sprechen die einen, von einem »Sühnebau« die anderen. Beide Gruppen werden nie zueinander finden, und das liegt nicht an der Glaswand.</p>
<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_97" class="wp-caption image left" style="width: 234px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-97" style="border: 1px solid black;" title="Trümmerberg" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/pauli.jpg" alt="Holzstele am Stadtrand " width="224" height="300" /></dt>
<h5>Holzstele am Stadrand. Letztes Jahr gab es noch eine Messingtafel, hinzugekommen ist seitdem das »Graffitti«. In Höhe des I&#8217;s ist noch die Jahreszahl 1968 zu erkennen.</h5>
</dl>
</div>
<p>Wie erinnert man an vergangenes Unrecht auf angemessene, das heißt respektvolle und zugleich eindringliche Weise? Auch ich weiß nicht, wie das geht, im Allgemeinen. Aber im Falle der Paulinerkirche weiß ich, wo der wahre Erinnerungsort liegt. Es ist ein unscheinbares Hügelchen am Stadtrand von Leipzig, ganz in der Nähe eines anderen, kolossal missglückten Erinnerungsbaus. Das Hügelchen war nicht immer da, erst seit 1968. Inzwischen üppig bewachsen ist es das, was nach der Sprengung von der Paulinerkirche übrig blieb. Über die Sache wächst kein Gras, aber auf dem Hügelchen wachsen Brombeeren.</p>
<p>51° 18.505&#8242; N<br />
12° 25.512&#8242; E</p>
<p><strong>Zur Geschichte der Paulinerkirche<br />
</strong></p>
<p><strong>Um 1230</strong> siedelten sich in Leipzig Dominikanermönche an. Die Dominikaner gehörten zu den Bettelorden; sie fühlten sich einem Leben in Armut verpflichtet und bestritten ihren Lebensunterhalt durch Arbeit, Schenkungen und eben Betteln. Für die Klosterkirche St. Pauli (»Paulinerkirche«) wurde ihnen von der Stadt ein Bauplatz dicht an der Stadtmauer, nahe des Grimmaschen Tors, zur Verfügung gestellt. Die Kirchweihe erfolgte 1240.</p>
<p><strong>Im Jahr 1409</strong> wurde die Universität Leipzig gegründet, deren Geschichte seither eng mit der der Paulinerkirche verknüpft ist. Über mehrere Jahrhunderte hinweg fanden dort bedeutende Universitätsangehörige ihre letzte Ruhestätte.</p>
<p><strong>1539</strong> wurde im Zuge der Reformation der Dominikanerkonvent aufgelöst. Gegen den Einspruch der Stadt Leipzig übereignete Herzog Moritz von Sachsen der Universität die gesamte Klosteranlage.</p>
<p><strong>1545</strong> wurde die Paulinerkirche von Martin Luther als evangelische Universitätskirche geweiht. Seitdem wurde die Kirche sowohl für  Gottesdienste als auch für akademische Festakte genutzt.</p>
<p><strong>1710</strong> erhielt die Paulinerkirche die Erlaubnisse öffentliche Gottesdienste abzuhalten.</p>
<p><strong>1813, </strong>während der Völkerschlacht, diente die Kirche als Lazarett und Gefangenenlager.</p>
<p><strong>1836</strong> wurde das Augusteum fertiggestellt, das Hauptgebäude der Universität, das sich links an die Paulinerkirche anschloss und mit dieser bis zur Sprengung beider Gebäude ein harmonisches Ensemble bildete.</p>
<p>Am <strong>4. Dezember 1943</strong> erlebte Leipzig den schwersten Bombenangriff. Die Paulinerkirche wurde im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden am Augustusplatz nur leicht beschädigt.</p>
<p>Seit <strong>Mitte der 1950er-Jahre</strong> existierten Pläne einer sozialistischen Umgestaltung des Platzes vor der Paulinerkirche. Kirche und Augusteum passten nicht in diese Pläne.</p>
<p>Am <strong>20. Mai 1968</strong> wurden Kirche und Augusteum gesprengt.</p>
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