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	<title>Blogmouse &#187; Medien</title>
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		<title>Internet Journalismus 2. Lektion – Material für die Kulisse</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Dec 2010 09:07:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Heutzutage in einer Redaktion zu arbeiten, ist purer Stress: Meetings, Video-Konferenzen, Team-Sitzungen, Projektbesprechungen, Lenkungsausschuss und vieles Weiter mehr nagen am Zeitbudget, so dass für die eigentliche Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Geliefert werden muss trotzdem. Wohl dem, der in seiner Trickkiste genug Material für die Kulisse hat. Deshalb lernen Sie heute in unserem kleinen Kurs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heutzutage in einer Redaktion zu arbeiten, ist purer Stress: Meetings, Video-Konferenzen, Team-Sitzungen, Projektbesprechungen, Lenkungsausschuss und vieles Weiter mehr nagen am Zeitbudget, so dass für die eigentliche Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Geliefert werden muss trotzdem. Wohl dem, der in seiner Trickkiste genug Material für die Kulisse hat. Deshalb lernen Sie heute in unserem kleinen Kurs in Internet-Journalismus, wie man diese Kiste füllt. Auch Politiker, Chefs und alle anderen, die glauben, etwas zu sagen zu haben, können hier noch was lernen.</p>
<p><span id="more-627"></span></p>
<p>Kulissen nennt man die großen, auf Pappe gemalten Bilder, die im Theater bald hier, bald da hin gestellt werden. Benötigt ein Regisseur einen Wald, wird der eben auf Pappe gemalt und auf die Bühne verfrachtet. Diese Waldbilder kann man immer gebrauchen, egal, ob bei »Wilhelm Tell« oder beim »Freischütz«. Der versierte Internet-Journalist sollte mehrere Kulissen-Sätze und –Satzteile in seinem Besitz haben, auf jeden Fall sollte er sie erkennen können.<br />
»…Geld wurde in die Kassen gespült« &#8211; diese Kulisse sollten Sie kennen, sie wird jeden Tag mehrfach aufgestellt. Sie wird immer dann benutzt, wenn Sie nicht genau wissen, um welche Beträge es sich wirklich handelt, dem Leser oder Hörer aber unterschwellig verdeutlichen wollen, dass es sich in jedem Fall um unglaublich viel Geld handelt. Das Bild ist eindeutig: Geld ist etwas Flüssiges. Flüssiges – sagen wir: Wasser – läuft immer bergab, es sammelt sich immer da, wo sowieso schon viel Wasser ist – und da bleibt es. Wenn also Geld in die Kassen von – sagen wir: den vier Stromkonzernen – gespült wird, bedeutet dies, dass sie wieder etwas gemacht haben, dem Geld den Weg in ihren Geldsee zu bahnen. Bedeutet: Es wird aus Ihrer Kasse in die Kasse der Stromkonzerne umgeleitet. Das geht schnell. Wird ja auch gespült. Damit da auch ja kein Rest irgendwo hängen bleibt und nicht in den Geldsee will. Klar auch, dass in Ihre Kassen niemals Geld gespült wird. Ihre Kasse liegt einfach zu hoch. Im Grunde brauchen Sie keine Kasse: Falls da nämlich mal was reingespült werden würde, würde es sich schnurstracks weiter spülen lassen.<br />
»Aus meiner Sicht« &#8211; wenn Sie das hören, wissen Sie: Was dann folgt, stimmt, wird gemacht, ist Gottes Wort, keine Widerrede, Sie haben keine Ahnung. Auf den Blick scheint das nicht so zu sein, denn diese Satz-Einleitungs-Kulisse deutet ja erstmal an: </p>
<p>1. Ich bin bescheiden und weiß um meine Subjektivität.<br />
2. Der Tellerrand ist zu hoch, ich kann da nicht drüber hinweg sehen.<br />
3. Der Kirchturm ist zu niedrig.<br />
4. Ich habe keinen Überblick.<br />
5. Ich habe keinen Durchblick.<br />
6. Ich habe etwas Hartes vor dem Kopf, das nach Holz riecht und mir die Sicht versperrt.<br />
7. Ich bin blind.<br />
8. Können Sie mir helfen?</p>
<p>Aber Vorsicht: Die Satz-Einleitungs-Kulisse ist Stückwerk und muss von Ihnen, dem mit allen Wasser gewaschenen Internet-Journalisten als Halbsatz verstanden werden. Der unausgesprochene Teil des Satzes lautet nämlich: »…aber da ich hier das Sagen habe, wird alles so gemacht, wie ich es für richtig halte. Da können <strong>Sie</strong> noch so andere Sichten haben.«<br />
»Beste … aller Zeiten« &#8211; sehr praktisches Kulissen-Kleinteil, passt nämlich immer dann, wenn Sie im Kulturteil schreiben müssen, und nicht wissen, wie Sie ihr Wohlgefallen an einer CD, an einem Buch usw. kundtun können. Es suggeriert nämlich:</p>
<p>1. Ich kenne alle, aber wirklich alle CD (Bücher, Konzerte, Autos usw., setzen Sie ein, was immer Sie wollen).<br />
2. Ich habe schon immer gelebt und werde immer leben.<br />
3. Ich bin klug und weise, mir erzählt man nichts.<br />
4. Ich weiß alles, Du nix.</p>
<p>Der Satz, richtig gehandhabt, bringt ohne weiteres Nachdenken Honorar für mindestens eine Zeile. Ihre Aussage können Sie auch unangreifbar machen, wenn Sie ihn beispielsweise für eine CD anwenden, die man nicht irgendwo herunterladen kann, die es im nächsten CD-Laden schon gar nicht gibt, und nur bei Amazon über einen obskuren Händler angefordert werden kann, der die aber erst in den USA bestellen muss, was mindestens vier Wochen dauert.<br />
»Das war ein guter Tag für die Demokratie« &#8211; wird von Politkern in jüngerer Zeit beinahe regelmäßig angewendet, kann aber von Ihnen als Kommentator des Weltgeschehens natürlich auch eingesetzt werden. Dieser Kulissensatz ist allerdings mehrdeutig, denn er sagt nichts über Ihre wirkliche Meinung aus. Er wird beispielsweise von Politikern immer dann angewendet, wenn diese in einer parlamentarischen Demokratie, oft – aber nicht immer – demokratisch gewählten Politiker gerade von den Teilnehmern eines Runden Tischs, einer Schlichtung, eines Parteitags, einer Bundesvollversammlung oder eines germanischen Things abgewatscht wurden. Als Journalist können Sie ihn gebrauchen, falls das Votum Ihnen insgeheim gefällt, der Linie Ihres Mediums aber widerspricht. Falls das Votum der rund-geschlichteten Things aber die ohnehin vorherrschende Meinung bestätigt, stimmt er ja auch irgendwie. Er stimmt eigentlich immer. Komisch. Aber praktisch.</p>
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		<title>Internet-Journalismus 1. Lektion &#8211; Die Doch-Form</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Nov 2010 09:23:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor Jahren war der Ausbildungsweg eines Journalisten klar vorgezeichnet: Abitur machen oder auch nicht, Studium abbrechen – zu langweilig, das bringt mir nichts – und beim lokalen Blättchen ab und an einen selbst verfassten Text einreichen. Irgendwann platzte der Knoten und der eingereichte Text wurde auch gedruckt – fertig war der Journalist. Denn Journalist kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor Jahren war der Ausbildungsweg eines Journalisten klar vorgezeichnet: Abitur machen oder auch nicht, Studium abbrechen – zu langweilig, das bringt mir nichts – und beim lokalen Blättchen ab und an einen selbst verfassten Text einreichen. Irgendwann platzte der Knoten und der eingereichte Text wurde auch gedruckt – fertig war der Journalist. Denn Journalist kann sich jeder nennen. Nun haben die auf diese Weise erzeugten Journalisten einen schweren Nachteil – da sie »frei« sind, lassen sie sich kaum auf eine Sache verpflichten, schon gar nicht auf die politische Ausrichtung eines Verlegers. Was tun? Schule gründen, wo der journalistische Nachwuchs sein Handwerk lernt. Doch sehen Sie selbst.</p>
<p><span id="more-623"></span></p>
<p>Mittlerweile gibt es einige Journalistenschulen, fast durchweg von großen Verlagshäuser wie Springer und Gruner + Jahr gegründet. Für die Aufnahme in diese Schulen ist ein vorher absolviertes Studium, eventuell sogar noch mit Abschluss, hinderlich, denn diese Leute sind zu teuer, wissen zu viel, reden dauernd dagegen und überhaupt: Wer will das wissen? Denn Stellen gibt es vor allem bei den Online-Portalen der großen Zeitungen und Magazine, und da muss es anders zugehen, nämlich, genau: Schnell und einfach. Egal um was es sich handelt. Dort wird ruckzuck analysiert, dann erklärt, vielleicht noch ein »Forum« eröffnet und fertig.<br />
Natürlich müssen die Texte den Maßstäben des »internetgerechten Schreibens« gehorchen. Für den angehenden Online-Journalisten heißt das: Wortschatz reduzieren, kurze Sätze, am besten nur Hauptsätze, wenn Nebensätze erforderlich, weil, wenn doch, die dann falsch angeschlossen werden müssen. Und auf jeden Fall: Den Leser an die Seite binden.<br />
Für letzteres haben sich verschiedene Formen herausgebildet, deren virtuose Handhabung der hoffnungsfrohe Nachwuchs an den Journalisten-Schulen bimst, bis er nicht mehr darüber nachdenken muss. Und es folglich auch lässt.<br />
In der ersten Lektion der Blogmouse-Schule für Internet-Journalismus lernen Sie: Der Teaser</p>
<p>Wenn Sie nicht wissen, was ein Teaser ist, so besuchen Sie einfach die Web-Präsenz eines der großen Magazine Spiegel, Focus oder Stern. Was Sie dort sehen, ist eine Art Übersichtsseite, die ähnlich organisiert ist wie eine Tageszeitung, also nach Ressorts: Oben – weil wichtig – Politik – unten, für manch einen natürlich noch wichtiger – Auto und Reisen. In jedem der Ressorts gibt es ein, zwei oder drei kurze Texte zu Themen, von denen der zuständige Redakteur meint, dass Sie sich dafür interessieren sollen.<br />
Nun geht es in der Online-Ausgabe eines Magazins nicht darum, dass Sie dies oder jenes lesen sollen, damit es Ihnen etwas nützt, sondern es geht darum, Sie als Leser möglichst lange auf der Website zu halten und zu veranlassen, weitere Seiten »anzuklicken«.<br />
Für diesen Zweck muss der Teaser eine bestimmte Form haben. Die wichtigste Form eines Teasers ist die »Doch-Form«. Es gibt noch weitere Formen des Teasers, etwa die »Jedoch-Form«, die »Aber-Form« und die »Nur-Bindestrich-Form«, doch sind diese weniger bedeutsam und ihre geniale Handhabung erschließt sich Ihnen leicht, wenn Sie endlich die »Doch-Form« verstanden haben.<br />
Für die Handhabung der »Doch-Form« eines Teasers merken Sie sich folgende Merksätze:</p>
<blockquote><p>1. Nachricht bzw. Subjekt Ihres Darstellungswillens in zwei bis drei kurzen Sätzen beschreiben. Hier zählen Zuversicht und Optimismus.<br />
2. Dritten bzw. vierten Satz mit »Doch« einleiten.<br />
3. Mit drittem bzw. Vierten und mit »Doch« eingeleitetem Satz Sinn und Inhalt der vorangestellten Sätze in das Gegenteil verkehren. Hier zählen Bedenken-Tragen und Pessimismus.<br />
4. »Mehr«- oder »Weiter lesen«-Tag anbringen.</p></blockquote>
<p>Auf diese Weise machen Sie den Leser neugierig, erst recht, wenn er durch den letzten Satz des Teasers stark verunsichert wird, was er denn nun glauben soll.<br />
Nun kommt ihre große Stunde als Internet-Journalist: Sie sind durch die Konstruktion eines Teasers in der »Doch-Form« keineswegs daran gebunden, diese Erwartungen des Lesers zu erfüllen. Wäre ja noch schöner. Vielmehr haben Sie Ihre Pflicht erfüllt: Der Leser liest den ganzen Text, um nun doch noch zu erfahren, was denn mit dem »Doch« gemeint sein könnte, klickt also mindestens eine weitere Seite an und bleibt minutenlang. Google-Analytics wird Ihnen die Genialität Ihres Vorgehens zeigen.<br />
Für praktische Übungen empfehlen wir daher das exakte Lesen von Teasern, nur so können sie sich diese unverzichtbare Technik der Formulierungskunst aneignen und in Zukunft selbst im Vollrausch souverän anwenden. Als Material wählten wir einige Teaser in der »Doch«-Form, die bei Spiegel Online veröffentlicht wurden; es handelt sich um allerneuste Beispiele, keines älter als eine Woche.<br />
Wir lesen: </p>
<blockquote><p>Amerikas einflussreichste TV-Talkerin Oprah Winfrey machte einen Hausbesuch beim Jackson-Clan. Ihr Interview mit Mutter und Kindern des &#8220;King of Pop&#8221; soll demnächst ausgestrahlt werden. Doch ein Familienmitglied protestiert. </p></blockquote>
<p>Das ist die einfachste Variante der »Doch-Form« &#8211; einfach und wirkungsvoll, geradezu klassisch. Doch ist auch diesem Teaser eine gewisse Rafinesse zueigen: Der Jackson-Clan heißt deswegen Clan, weil Joe Jackson, Vater von Michael, zusammen mit seiner Frau nicht weniger als zehn Kinder aufzog; eines starb bei der Geburt. Sie als Leser könne sich nun der Zusatzaufgabe stellen, welches<br />
der Jackson-Kinder da protestierte.</p>
<p>Derartige klassische Beispiele der »Doch-Form« gibt es jeden Tag mehrere, ausreichend Material zum Lernen. Etwa: </p>
<blockquote><p>Der Andrang auf der Eicma in Mailand ist ungebrochen, und die Hersteller blicken wieder zuversichtlicher nach vorn. Sie zeigen Einsteiger-Maschinen, kraftvolle Powercruiser und futuristische Scooter. Doch die neuen Modelle werfen auch kritische Fragen und seltsame Kommentare von höchster Stelle auf.</p></blockquote>
<p>Kann ja nur der Liebe Gott sein, der da etwas gegen Ihre Ducati hat.</p>
<p>Oder: </p>
<blockquote><p>Eigentlich hatte Wolfgang Schäuble gute Nachrichten zu verkünden: Bei einer Pressekonferenz wollte der Finanzminister sein Milliardensteuerplus erläutern. Doch erst mal zoffte er sich mit seinem Sprecher und wies ihn vor laufenden Kameras mehrfach rüde zurecht. </p></blockquote>
<p>Hat sich nun zwar ausgezofft, obwohl sich auch Schäuble hier wie der Liebe Gott vorgekommen sein muss.</p>
<p>Ebenfalls ein sehr gutes Beispiel, zur Nachahmung empfohlen, weil das Klassische zugunsten einer gewissen, raffiniert erzeugten Vorahnungsmöglichkeit des Artikelinhalts partiell aufgegeben wurde:</p>
<blockquote><p>Die Anti-Atom-Demonstration mit Zehntausenden Teilnehmern im Wendland verlief bisher friedlich &#8211; doch die Kanzlerin fürchtet Blockade-Aktionen einiger Castor-Gegner. Schottersteine aus dem Gleisbett zu entfernen, sei ein Straftatbestand, warnte Angela Merkel.</p></blockquote>
<p>Klingt ein wenig wie »Ich hol’ meinen großen Bruder«, womit auf subtile Weise der Frau Bundeskanzler auch noch etwas gegen das Schienbein getreten sein soll. Diesen Kunstgriff wird natürlich längst nicht jeder Leser auf Anhieb kapieren.<br />
Manchmal gelingt die einwandfreie Umsetzung der »Doch-Form« nicht, wie dieses Beispiel zeigt:</p>
<blockquote><p>Die Wirtschaft boomt, doch nun erleidet die Industrie einen Dämpfer: Die Unternehmen mussten im September einen Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt aber immer noch ein dickes Plus.</p></blockquote>
<p>Was denn nun? Dämpfer oder dickes Plus? Völlig verkehrt konstruiert. Nach den obigen klassischen Regeln hätte dieser Teaser so formuliert werden müssen:</p>
<blockquote><p>In diesem Jahr spült die boomende Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr ein dickes Plus in die Kassen. Doch nun muss die Industrie einen dämpfenden Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen.
</p></blockquote>
<p>Hier sind Optimismus und Pessimismus in ausgewogenem Maße verteilt und der Autor dieses Teasers hat auch noch den »Kassen-Spül-Satz« einbringen können; die universale Nützlichkeit dieses Satzes bei Formulierungshemmungen werden wir in einer der nächsten Lektionen analysieren.</p>
<p>Die »Doch-Form« ist ebenfalls von universaler Nützlichkeit, wie Beispiele aus den Online-Ausgaben anderer Presseerzeugnisse beweisen.<br />
Hier ein Beispiel aus der ZEIT:</p>
<blockquote><p>Viele hatten den Cygnet nur für eine schräge Marketingidee von Aston Martin gehalten. Doch der Kleinwagen kommt – und zwar nicht nur als Dreingabe zum teuren One-77.</p></blockquote>
<p>Und hier eines von Focus-Online umwerfend gestaltetes Beispiel:</p>
<blockquote><p>Gut gemeint, muss nicht gut gemacht sein: Anti-Mobbing-Programme sollen eigentlich helfen den Teufelskreis zu durchbrechen – doch nicht immer sind sie sinnvoll.</p></blockquote>
<p> </p>
<p>Dachten wir uns schon.<br />
Auch kann die »Doch-Form« für jedes beliebige Thema völlig verschleißfrei angewendet werden, auch mehrmals am Tag, wie die folgenden Beispiele vom 9. November 2010 zeigen:</p>
<blockquote><p>Sie ist jung, feminin, erfolgreich. Familienministerin Kristina Schröder steht für eine Generation von Frauen, die in Männerdomänen Karriere machen. Doch statt souverän auf Kompetenz zu verweisen, verheddert sich die CDU-Politikerin in einer Feminismus-Debatte mit Alice Schwarzer &#8211; ausgerechnet.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ohrfeige für den britischen Promi-Koch Jamie Oliver. Für die zweite Staffel seiner Doku-Serie &#8220;Food Revolution&#8221;, mit der er bei Jugendlichen für gesunde Ernährung wirbt, wollte er unbedingt mit Schulen in Los Angeles kooperieren. Doch die Schulbehörde sagte Nein.</p></blockquote>
<p>Für die Blogmouse-Internet-Schreibschule gibt es glücklicherweise keine Behörde. Die hätte uns möglicherweise verboten, Ihnen hier die Geheimnisse erfolgreichen Internet-Schreibens nahezubringen, von wegen Herrschaftswissen.<br />
Deshalb geben wir Ihnen vier Wochen Zeit, um sich die Merksätze zu merken. In dieser Zeit werden wir Lektion Nr. 2 vorbereiten. Sie wird sich mit häufig gebrauchten, aber sinnfreien Kulissensätzen beschäftigen.</p>
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		<title>Die Griechen und die Kruzifixe</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/politik/die-griechen-und-die-kruzifixe/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 06:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. Allerdings hat Herr Kleber bei seiner Zuhörerschaft sehr auf gründliche Kenntnisse in der Prozentrechnung vertraut. Da haben wir hier bei Blogmouse einige Zweifel (PISA!) und werden Herrn Klebers Rede noch einmal kurz erklärend nachvollziehen. Und da wir gerade beim heutigen Journalismus sind, werden wir den auch nicht nur im Großen, sondern auch gleich im Kleinen bewerten. Rating muss sein.</p>
<p><span id="more-573"></span></p>
<p>Das mit dem vielen Geld für Griechenland geht so: Griechenland ist klamm. Geschwindelt haben sie auch und allen arglosen Mit-EU-Staaten griechischen Wein eingeschenkt. Bis zum Abwinken. Nun ist alles rausgekommen und keine Bank der Welt will denen noch Geld geben. Die fixen Mädchen und Jungs in den britischen Rating-Agenturen haben die Griechen erst einmal in den Keller geratet, woraufhin die international agierenden Großbanken die Zinsen für Kredite in für jeden Staat unerreichbare Höhen geschraubt haben. Wohl gemerkt: Rating-Agenturen sind nicht unabhängig.<br />
Kredite mit derartigen Zinsen kann also kein Land verkraften. Griechenland bekäme auf dem so genannten internationalen Geldmarkt Geld nur noch für 13 Prozent. 100 Euro bekommen, 113 zurückzahlen, innerhalb eines Jahres. Da wandten sich die Griechen nun an die EU. Zu der gehört auch Deutschland. Deutschland will helfen.<br />
Das geht so: Da Deutschland nicht in Grund und Boden geratet wurde, bekommt Deutschland auf demselben internationalen Geldmarkt Kredite für 3 % Zinsen. 100 Euro bekommen, nur 103 Euro zurückzahlen. Das Geld zu leihen, dazu wird die KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, ermächtig, auf dem internationalen Geldmarkt. Die KfW ist eine Bank, die nach 1945 eingerichtet wurde, damit die Gelder des Marshal-Planes ordentlich verwaltet werden konnten. Damals gab es nämlich Staaten, allen voran die USA, die den Deutschen Geld leihen wollten, damit diese aus dem selbst angerichteten Desaster wieder herauskommen. Hat ja auch geklappt. Obwohl es damals weit weniger Grund gab, den Deutschen zu helfen, als heute den Griechen.<br />
Aber wir schweifen ab.<br />
Nun leiht sich also die KfW Geld. Insgesamt 22, 4 Milliarden Euro. Das ist eine große Zahl, die wir hier wegen Platzmangel nicht aufschreiben können. Dieses Geld wird nun in drei große Teile geschnitten und in diesem Jahr bekommen die Griechen davon etwas über 8 Milliarden, im nächsten noch mal, im übernächsten den Rest. Das leihen wir großzügigen Deutschen den Griechen. Nicht für 13 %. Aber auch nicht für 3 %. Sondern für 5 %.  Die Griechen müssen der KfW also statt 100 Euro 105 zurückgeben. Das ist viel weniger als 113 Euro. Das sollte zu schaffen sein. Gut, wahre Freundschaft sieht anders aus, aber so lange kennen wir die Griechen ja nun auch wieder nicht. Außerdem heißen da zu viele Leute Odysseus.<br />
In diesem Jahr also rund gerechnet 8 Milliarden. Zu 5 %. Das sind allein in diesem Jahr 400 000 000 Euro, die wir von den Griechen bekommen. 240 Millionen davon gehen an den internationalen Geldmarkt zurück, Sie erinnern sich, die 3 %, den Rest sacken wir, die Deutschen, ein. Und die Griechen zahlen in diesem Jahr für 8 Milliarden Euro Kredit Zinsen, im nächsten für 16 und im dritten Jahr für eben diese 22,4 Milliarden. Hübsches Geschäft für uns. Sollte der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Griechen nicht zahlen, so wird man sich was Neues überlegen müssen. Aber niemand kann in die Zukunft sehen.<br />
Außer denen, die bei BILD und SPON und einigen anderen Medien schreiben dürfen. Dafür können die offensichtlich nicht rechnen. Bei Prozentrechnung gefehlt.<br />
Oder hingen da etwa zu viele Kruzifixe in den Klassenzimmern? Da hat die neue Sozialministerin von Niedersachsen, Frau Aygül Özkan, ja furchtlos drauf hingewiesen. Worauf die Großbuchstaben-Schreiber gleich über sie hergefallen sind, Frau Özkans Chef gleich mit. Wir von Blogmouse erst einmal nicht. Denn wir fragten uns: Hängen denn so viele Kruzifixe in niedersächsischen Klassenzimmern, dass das Lernen der Prozentrechnung verhindert wird? Glücklicherweise haben wir einen Niedersachsen in unserer Redaktion. In vier niedersächsischen Schulen gestählt.<br />
Er berichtet aus den 1960er- und 1970er-Jahren (also noch ein wenig finsterste Adenauer-Zeit!): Zuerst eine katholische Volksschule besucht. In jedem Klassenzimmer ein (1) Kruzifix. Gut, wenn nicht in einer katholischen Grundschule, wo dann. Danach hat unser niedersächsischer Gewährsmann trotzdem die Aufnahmeprüfung eines staatlichen Gymnasiums geschafft. Dort gab es keine Kruzifixe. Auch an den Wänden der anderen beiden  staatlichen Gymnasien, die unser Niedersachse besuchte – und er tat das über viele Jahre gründlich, musterte die nackten Wände zahlloser Klassenzimmer über einen ungebührlich langen Zeitraum -, fanden sich keine Kruzifixe. Offenbar waren Sinn und Zweck von Kruzifixen – von wegen Werte des christlichen Abendlandes &#8211; unbekannt, sonst hätten sie ja eins aufgehängt. Eins in jedem Klassenzimmer.<br />
Unser Niedersachse war schon lange nicht mehr in einem niedersächsischen Schulgebäude. Und keine zehn Pferde werden ihn dahin je zurückbringen.<br />
Aber könnte nicht mal Frau Özkan, vielleicht mit Herrn Wulff gemeinsam, die eine oder andere Schule in Niedersachsen besuchen, um nach den Kruzifixen zu schauen? Sie könnten ja auch ein paar Journalisten mitnehmen. Die müssten dann nicht von selbst darauf kommen, Gerede von der Realität unterscheiden zu lernen.</p>
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		<title>Gut zu wissen: Es ist Deutschlandradio hier!</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 18:22:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir hatten schon befürchtet, uns mangels Alternativen auf das im Grunde langweilige Hypermedium Spiegel online einschießen zu müssen. Doch siehe da, in der crossmedialen Einheitssoße materialisierte sich ein putziger Organismus, der sich räuberisch ernährt (Stichwort GEZ) und dessen Ausscheidungen teils aufreizend harmlos, teils aber giftig und/oder hirnschädigend sind.

Gemeint ist das am 18. Januar auf Sendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir hatten schon befürchtet, uns mangels Alternativen auf das im Grunde langweilige Hypermedium Spiegel online einschießen zu müssen. Doch siehe da, in der crossmedialen Einheitssoße materialisierte sich ein putziger Organismus, der sich räuberisch ernährt (Stichwort GEZ) und dessen Ausscheidungen teils aufreizend harmlos, teils aber giftig und/oder hirnschädigend sind.</p>
<p><span id="more-471"></span></p>
<p>Gemeint ist das am 18. Januar auf Sendung gegangene Internetradio »Deutschlandradio Wissen«. Was das Wissen anbelangt &#8212; darauf kommen wir noch. Richtig liegen Sie aber mit der Vermutung, dass Deutschlandradio Kultur der große Bruder von »Wissen« (so die Selbstbetitelung) ist. War auch nicht zu überhören, denn der große Bruder hat in den letzten Wochen für den kleinen ordentlich Werbung gemacht. Werbung ist an sich pfui (<a href="http://wissen.dradio.de/index.36.de.html?dram:article_id=162" target="_blank">Drückerkolonne 2.0</a>), aber nur, wenn man&#8217;s für Geld macht. Deutschlandradio macht&#8217;s nicht für Geld, sondern aus Nächstenliebe, zur Rettung der Bildung und als Nachweis für den ordnungsgemäßen Einsatz der eingezogenen Gebühren (GEZ). Ein bisschen natürlich auch, um die für die Werbung (Pfui! Igitt!) so interessante Zielgruppe der jungen, gebildeten Erwachsenen da abzuholen, wo sie nun mal ist, nämlich im Internet. Also, grob gesagt für Leute unter 60 mit DSL und einem IQ über 60.</p>
<p>Wie es sich gehört, hat das neue Internetangebot auch einen Slogan. Hat Blogmouse ja auch, siehe oben. Der Slogan von DRadio Wissen lautet: »Hirn will Arbeit«. »Arbeit braucht Hirn« hätte mir persönlich ja besser gefallen, aber <em>mir</em> muss es schließlich nicht gefallen und den Redakteuren von DRadio Wissen scheint&#8217;s zu passen. Es sind eben oft nur kleine Nuancen, die für pingelige Leute wie mich einen Riesenunterschied machen. (Astronomie vs. Astrologie und solche Sachen.) DRadio Wissen ist nicht pingelig. Im Gegenteil, selbst ein Thema wie Astrologie, das nicht mal XXXXXX XXXXXXX XXXXX. mit spitzen Fingern angefasst hätte, passt ganz selbstverständlich in diese neue Welt des Wissens. Denn schließlich möchte auch diese Redaktion wissen: <a href="http://wissen.dradio.de/index.8.39.de.html?dram:article_id=138" target="_blank">Was hält die Zukunft für uns bereit?</a> &#8212; und befragt, ganz ohne Berührungsängste, einen Astrologen. Klar, dass die Astro-Nummer für ein paar Irritationen gesorgt hat. Wissen und Astrologie, wie geht das zusammen? Ironie scheidet als Begründung leider aus, davon können Sie sich leicht selbst überzeugen. Provokation, um Hörer (User) anzulocken, eigentlich auch, denn sowas machen (Pfui! Igitt!) nur die Privaten. Wenn man sich auf der Suche nach dem Warum ein bisschen auf der dazugehörigen Website umsieht, drängt sich folgende Hypothese auf: Das Wort Wissen wird gar nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung gebraucht, sondern als eine Art Eigen- oder Markenname. Wie Blogmouse, ein Wort, das ja auch weiter nichts zu bedeuten hat. Nun könnte es aber vielleicht irgendwann passieren, dass man das Wort Wissen gar nicht mehr so ohne weiteres benutzen darf, dass man vielleicht gar eine Abmahnung für einen Artikel wie diesen bekommt?</p>
<p>Na ja, so unpfiffig wie das Angebot daherkommt, wird DRadio Wissen nicht so schnell die Herzen der User und damit das Wissens-Monopol erringen. Obwohl &#8230; im DRadio-Wissen-Blog ist zu lesen: »Bereits jetzt folgen uns über 140 150 400 Leute – wir sind begeistert.« Und Blogmouse ist ein bisschen neidisch: Über 140 Millionen bei nur 80 Millionen Einwohnern! Vielleicht stimmt das auch gar nicht, die Zahl stammt vom Astrologen, aus dem Kaffeesatz oder der Webstatistik des Providers? Wir Wissen es nicht. Dank Wissen wissen wir jetzt aber Folgendes:</p>
<blockquote><p>Britische Mütter  haben noch vor der Arbeit den meisten Stress</p></blockquote>
<p>so der Titel meiner Lieblingsmeldung (bislang). Genauer gesagt, erreicht der Stresspegel der britischen Mütter um 8:25 sein Maximum, auf dem Weg zur Schule. Wieder so ein feiner, kleiner Unterschied, denn bei mir (einer deutschen Mutter) erreicht der Stresspegel sein Maximum bereits 7:25. Es ist eben Deutschland hier.</p>
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		<title>Glaubt an die Göttin!!!</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 23:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann beißt Hund]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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Prominente 2010 &#8211; noch ohne klare Sicht


Spiegel Online, das Medium für die, die die BILD-Zeitung aufgrund Sozialisation aus Prinzip nicht kaufen, aber trotzdem jeden Scheiß (sorry!) lesen wollen, das Leib- und Magen-Medium von Blogmouse, hat eine Umfrage gemacht. Unter »Prominenten« &#8211; was auch immer das sein soll. SPON hat immerhin 30 Prominente gefunden. Ein paar [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="image left size-full wp-image-450" style="border: 1px solid black;" title="Bekannte" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2010/01/Bekannte.jpg" alt="Bekannte" width="285" height="332" /></dt>
<h5>Prominente 2010 &#8211; noch ohne klare Sicht</h5>
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<p>Spiegel Online, das Medium für die, die die BILD-Zeitung aufgrund Sozialisation aus Prinzip nicht kaufen, aber trotzdem jeden Scheiß (sorry!) lesen wollen, das Leib- und Magen-Medium von Blogmouse, hat eine Umfrage gemacht. Unter »Prominenten« &#8211; was auch immer das sein soll. SPON hat immerhin 30 Prominente gefunden. Ein paar von meinen Lieblingsprominenten sind zwar nicht dabei (Heh! Josef! Keine Lust gehabt? Oder musste in der Schweizer – ach nein, Deutschen Bank, endlich mal gefegt werden? Käpt’n Nuss! Ähhh…Herr Sinn! Erstmals nichts eingefallen? Frau Will! Noch immer Urlaub? Oder vielleicht auch ausgebrannt? Annette! Etwa Weihnachts-Exercitien in Nowodettelssibirsk?)</p>
<p><span id="more-446"></span></p>
<p>Egal. Gehen wir mal die 30 Prominenten durch – oder besser: Deren Antworten auf die Frage: »Was sich 2010 ändern muss«.</p>
<p>1. Peter Gauweiler (CSU-Mitglied …ja, gut, wenn man sonst gesund ist) wünscht sich Liebe zu Bayern. Sollen die Bayern selbst machen. Oder können Sie sich vorstellen, dass Herr Wowereit sagt: Liebe zu Berlin, 6500 Tonnen Hundescheiße jährlich inbegriffen?</p>
<p>2. Uschi Glas (Schauspielerin. Hmm). Ich muss mich immer prügeln, wenn ich daran denke, dass sie mal in May Spils Film mitgemacht hat. Aber: Frau Schätzchen Glas glaubt an den Klapperstorch…ähh, an Frau Merkel. Damit befindet sie sich in interessanter Gesellschaft, wie wir noch sehen werden.</p>
<p>3. Jürgen Tautz (Professor am Biozentrum der Universität Würzburg; keine Ahnung, was das heißt – Bio kommt von Bios, altgriechisch für LEBEN – sind sie woanders schon tot?) hat die Gehirne in Deutschland gewogen und kommt auf 100 000 Tonnen. Keine Ahnung, welche er da gewogen hat. Herr Westerwelle! Waren Sie beim Wiegetermin von Herrn Professor Tautz? Lese, lese … Altersklassen, Bildungsherkünfte (na ja, ist eben kein Germanist), Bürokratie, Ressourcen, Bildungs- und Forschungsfront … ja, Herr Professor, haben Sie da etwa abgeschrieben? Das steht doch heute in jedem Anzeigenblatt. Ah, ich verstehe, die Zeit-Ressource im Biozentrum ist knapp. Da muss man die Schablonen bemühen.</p>
<p>4. Frau Süssmuth (ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin, als die Frauen noch Schw…Ministerinnen hatten). Ah, ja Frau Merkel – nennen wir sie ab jetzt Göttin, soll die alte Form wieder bekommen – wäre nichts gegen einzuwenden -, aber soll man deswegen an Geister glauben? Glauben Sie, Frau Süssmuth, an Geister? Falls ja: Gut, dass Sie schon in Pension sind.</p>
<p>5. Miodrag Stojkovic (Stammzellenforscher), wünscht sich, dass »kinderlose Patienten in Deutschland die gleichen Chancen bekommen, schwanger zu werden wie selbige aus Belgien, Holland, Dänemark oder England.« Lassen wir mal das eigentümliche Deutsch beiseite – das geht allemal auf das Konto der Redakteure bei SPON – dann muss ich doch mal feststellen: Schwanger werden nicht Patienten, sondern  Frauen. Oder nicht. Daran sind sie oft – sagen wir: zu 50% &#8211; nicht verantwortlich. Sondern im gleichen Maß der Mann. Aber warum machen Sie, Herr Stojkovic, diesen sentimentalen Schlenker, wenn es Ihnen eigentlich um die Forschung an embryonalen Stammzellen geht, die in der Bundesrepublik Deutschland eben per Gesetz verboten ist. Schmeißen Sie Ihre Reagenzgläser weg und gehen Sie in eine Partei.</p>
<p>6. Lothar Späth (ehemaliger Ministerpräsident von Baden Württemberg und Geschäftsführer der Jenoptik GmbH; Jena … jaja, der Wilde Osten – von Berlin aus aber eigentlich mehr westlich). Sehr sympathisch – wünscht sich nichts. Glaubt aber trotzdem an die Göttin. Und, mal wieder Traumschiff gefahren? Nein? Ist eh’ nicht mehr modern, lesen Sie Wallace. Neulich habe ich ein ganz neues gesehen, sah aus wie ein Plattenbau mit Schiff unten dran. Hätten Sie sich wie zuhause fühlen können.</p>
<p>7. Cem Özdemir (Parteichef von Bündnis90/Die Grünen). Im ersten Moment dachte ich, ich hätte Ihre Frau Großmutter vor mir – aber die hätte nie solche Koteletten getragen; ja, doch, doch, sieht fast aus wie bei Herrn Hegel… Spaß beiseite. Noch ein Göttin-Gläubiger. Ansonsten gute, haltbare Schablonen: Klimaschutz, ökologische Modernisierung (natürlich mit der Möglichkeit, 11 % davon je Jahr auf die Miete umlegen zu können, nur so als Beispiel), sehr gutes Bildungs- und Kinderbetreuungssystem – hat etwa die Gattin gedroht, Ihnen ein Kinderbetreuungsjahr abzuverlangen?</p>
<p>8. Michael Gehrmann (Bundesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland e.V.). Glaubt an die Göttin. Schablonen (Klima, CO2 usw.) lassen wir mal beiseite. Aber interessant, dass er für einen klimafreundlichen Radverkehr eintritt. Mir als Radfahrer (vier Fahrräder) würde schon das gesicherte Überleben im Radverkehr genügen. Also, Herr Gehrmann, schaffen Sie Ihre Karre ab und kaufen sich ein Fahrrad. Hat Herr Röttgen auch gemacht – ob es das erste in seinem Leben war, wissen wir hier nicht. Beim Radfahren denken Sie bitte nicht zuviel an das Klima und an CO2 – der Tod kommt von links (chinesische Fahrlehrer-Weisheit).</p>
<p>9. Axel Meyer (Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Uni Konstanz). Ach, Herr Professor, wir wussten gar nicht, dass Sie Ihr Gehalt als zu gering empfinden. Aber was kriegen Sie denn? Nur C4? Oder wie das heute heißt. Sollte man eigentlich, zumal als Beamter auf Lebenszeit, mit hinkommen. Aber ganz klar: Die Unis bilden viel zu viele aus, die eben nie, nie, nie C4-Prof werden – und die bekommen wenig oder werden rausgeekelt. Dass Sie dann noch etwas Persönliches rauslassen – was soll der Kram mit dem Vaterschaftstest? – egal, Wünsche sind ja frei. Insgesamt: Sie finden, dass Sie zu wenig Geld kriegen, um selbst gut leben zu können und ihre Ex-Familie adäquat unterstützen zu können, die Waldorf-Schule kostet. Sagen Sie es doch gleich.</p>
<p>10. Thomas Metzinger (Professor am Philosophischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität). Es gibt doch recht viele prominente Professoren in Deutschland. Von dem hier habe ich zwar noch nie etwas gehört, aber das liegt wohl mehr an mir.  Dieser hier jedenfalls weiß, was eine Regierung machen sollte. Vor allem: Uns, das Volk (FDP-Anhänger? Herr Professor?), nicht anlügen. Hat ja noch keine Regierung je gemacht. Oder? Elfenbeinturm zu hoch? Zu abgelegen? Naja, reicht ja vielleicht, im dicken Kaffeesatz zu lesen – Klimawandel kommt mit Sicherheit mit mehr als zwei Grad, es wird weitere Krisen geben, traditionelles Menschenbild nicht mehr haltbar, Psycho, Neuro. Mörder einfach nicht mehr einsperren, können nichts dafür, sind Opfer ihrer Eiweißverbindungen, werden ja nicht gerade Philosophie-Professoren als nächstes Objekt suchen. Hat schon seinen Sinn, dass der Elfenbeinturm so weit weg ist.</p>
<p>11. Mario Adorf (Schauspieler und Autor, also Beruf und Hobby). Erwartet von Politikern – auch von der Göttin? – Mut!. Sagen Sie mal, Herr Adorf: Kennen Sie eigentlich die Worte »Sachzwänge«, »systemisch« und »ohne Alternative«? Wozu brauchen Sie da noch Mut?</p>
<p>12. Kurt Beck (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz). Glaubt an die Göttin. Seit neuerdings. Früher nicht.</p>
<p>13. Renate Künast (Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen). Glaubt an die Göttin. Kennt sich seit neuerdings mit »Zeit« aus. Hätten Sie seinerzeit mal Herrn Schröder zubrüllen sollen.</p>
<p>14.  Karl Born (Tourismusexperte). Glaubt an die Regierung, also den Olymp. Ansonsten: Zu lange am Ballermann in der Sonne gebraten? Soll das weiterhin so billig bleiben? Und das CO2 von den Billigfliegern? Und sollten hier eigentlich nicht nur Prominente gefragt werden?</p>
<p>15. Hans-Peter Keitel (BDI-Präsident). Hat drei Fragen, auf die er eine Antwort erwartet; sagt aber nicht, von wem. Jedenfalls nicht von der Göttin. Wie ich allerdings seine Forderung verstehen soll, dass Deutschland Industrieland bleiben soll, ist mir nicht so ganz klar: Sonst wird doch immer gesagt, dass Deutschland keine Rohstoffe hat, außer den 100 000 Tonnen Gehirn (siehe 3.) Kann man daraus schönere Opels bauen?</p>
<p>16. Alfred Grosser (Politologe und Publizist). Glaubt an die Göttin – obwohl er es aufgrund seiner Lebenserfahrung eigentlich besser wissen müsste. Zu welchem Zeitpunkt WAR die Göttin denn gegen FDP, Herrn Schäuble, Frau Steinbach oder die israelische Regierung jemals HART? Na, sehen Sie, Herr Grosser: Wie soll die Göttin es denn dann BLEIBEN. Ich bekomme da immer ungebeten ganz klare E-Mails…</p>
<p>17. Katrin Göring-Eckhardt (grüne Vizepräsidentin des Bundestags [SPON]; aha, deshalb die komische Gesichtsfarbe). Glaubt an die Göttin. Schablonen frisch geputzt (CO2, Ökonomie des Genug). Ansonsten wirklich gut: Ich wüsste auch gern, was die Göttin eigentlich vorhat. Und was die CDU, die FDP, die SPD, die Bündnis90/die Grünen, die Linken, die ARD, das ZDF, die DB, der ADAC, der BDI … eigentlich vorhaben.</p>
<p>18. Arved Fuchs (Abenteurer; sind wir das ein wenig nicht alle? Nein? Na, dann fahren Sie mal in Berlin 60 Minuten Fahrrad, Herr Gehrmann [Punkt 8] fährt vor.) Schon wieder Front; ja, wir sind halt Deutsche. Wenige Schablonen (Klimawandel, Risiken als Chancen begreifen), dafür gut geputzt. Pioniergeist ist gut – war doch im Wilden Westen auch so. Noch was, Herr Fuchs, setzen Sie sich doch mal mit Herrn Kuranyi in Verbindung, der hat einen guten Barbier.</p>
<p>19. Gernot Erler (Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und ehemaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt; kennt Herrn Kuranyi, aber wohl nicht dessen Barbier). Glaubt an die Göttin. Versucht, sich den Gang der Evolution zu erklären. Das scheint nicht gut zu gehen: Er verbindet »aufrechten Gang« mit »Regieren«. Herr Professor Metzinger, könnten Sie Herrn Erler nicht mal aufklären? Von wegen Psycho und Neuro?</p>
<p>20. Claudia Roth (Schulsprecherin … ähh, Grünen-Chefin). Glaubt an die Göttin. Schablonen (Klimaschutz, Nachhaltigkeit) frisch geputzt. Das da an der Nase … ach so, Sie wollen nicht zum Barbier von Herrn Kuranyi.</p>
<p>21. Frank Bsirske (Vorsitzender der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di). Scheint nicht an die Göttin zu glauben. Hat aber vom jüngsten Volontär der ver.di-Presseabteilung die Schablonen (Bildung, Klimaschutz, Infrastruktur, Inlandsnachfrage, Wirtschaftswachstum) heraussuchen und gut putzen lassen. Was in aller Welt aber ist »Dienstleistungsforschung«? Und warum muss die ausgebaut werden? Vielleicht im Rahmen eines Dienstleistungsforschungsausbauungsbeschleunigungsgesetzes? Sollte man nicht lieber dem Volontär die Ohren lang ziehen? Dass er nicht gemerkt hat, dass es Worte wie Dienstleistungsforschung eigentlich nicht gibt? Ja, sicher, Sie können nicht alles lesen, was Sie veröffentlichen&#8230;</p>
<p>22. Klaus Bölling (ehemaliger Regierungssprecher). Glaubt an die Göttin. Man fragt sich nur, wie er auf die Idee kommt, dass ausgerechnet im Dekolletee .. Tschuldigung, in der Brust der Göttin »so etwas wie sozialdemokratischer Instinkt« steckt. War doch weiß Gott genug zu sehen. Instinkt, ganz gleich welcher, jedenfalls nicht.</p>
<p>23. Thilo Bode (Chef der [selbst ernannten] Verbraucherschutzorganisation Foodwatch). Glaubt an die Göttin. Hellseher, der jetzt schon weiß, dass die Demokratie Schaden genommen haben wird, wenn … fragen Sie Herrn Bode. Mich würde eher interessieren, warum es Instant-Gemüsebrühe gibt, deren Fettanteil sich erst ab ca. 45 Grad Celsius – da stecken Sie Ihre Finger nicht rein, Herr Bode, das dachte ich mir schon  – langsam dazu bequemt, sich aufzulösen. Herr Bode, könnten Sie da mal watchen??? Die Geschmacksverstärker in dem Zeug habe ich schon selbst gefunden.</p>
<p>24. Josef Schlarmann (Bundesvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung; sagen Sie mal, SPON: Gibt es hier so wenig Prominente? Warum fragen Sie eigentlich nicht Herrn Kreisfahrer Michael Schumacher? Oder wenigstens Paris Hilton? Lukas Podolski?). Glaubt nur indirekt an die Göttin, aber immerhin an den Olymp. Wünscht sich eine Wundertüte. Greifen wir mal heraus: Beseitigung des Mindestlohns bei Postdienstleistern. Ich wäre ja eher dafür, dass Verfechter von Geschäftsmodellen, die nur dann funktionieren, wenn andere Unternehmer via Steuern und Versicherungsbeiträgen diese quer &#8211; also direkt &#8211; subventionieren müssen, beseitigt, in diesem Fall also zu Postboten umgeschult werden. Und, Herr Schlarmann: Ist man mit 70 nicht eigentlich schon seit fünf Jahren auf Rente? Nie eingezahlt? Immer unter Mindestlohn bekommen? Noch ein bisschen Post austragen?</p>
<p>25. Thea Dorn (Schriftstellerin und Epidemische). Gut geklaut. Lincolns Idee mit dem Bier ist mir sympathisch. Aber warum sind Sie, Frau Dorn, eigentlich nicht für die Gratis-Abgabe von Haarfärbemitteln? Müsste Ihnen doch irgendwie näher liegen? Außerdem: Das mit dem Volk ist so eine Sache. Sehen Sie mal in Ihren Plötz. Braucht unglaublich Raum. Konnte Lincoln nicht ahnen.</p>
<p>26. Ralf Husman (Drehbuchautor und Producer von Brainpool). In der Wikipedia lese ich außerdem, dass Sie »Headwriter« von irgendwas Wichtigem sind. Daraus schließe ich, dass Sie zum Schreiben Ihren Kopf gebrauchen; stimmt doch, oder? Wir machen das hier auch so. Uns fällt aber mehr ein als Ihnen. Mir zum Beispiel: Haben Sie eigentlich bei der Gehirn-Wiegeaktion von Herrn Tautz mitgemacht? Und dann hier bei dieser Promi-Aktion bei SPON? Ach, so, ich verstehe… Halt, halt, noch was: Brainpool &#8211; ist das die Gehirnwiegefirma von Herrn Tautz? Haben Sie da eigentlich viel zu tun?</p>
<p>27. Sven Regener (Musiker und Schriftsteller; so rum wird ein Schuh draus). Scheint weder an Göttin noch Olymp zu glauben. Wünscht sich, dass sich das Wetter ändert (wir setzen hier einfach mal voraus: Natürlich zum Besseren). Damit befindet er sich in guter Gesellschaft (Napoleon Bonaparte, Jörg Kachelmann, Otto Normalverbraucher).  Und da ist ja endlich auch mal eine Antwort, die jeder versteht. Vielleicht nicht gerade die 26 Vorgänger. Man könnte allerdings auf die Idee kommen, dass Regener sich in Schöneberg Palmen vor seinem Fenster wünscht. Und deshalb nichts gegen die Ärrderrrwärrrmunng hat. Ja, Herr Regener: Gut Ding will Weile haben.</p>
<p>28. Felix Sturm (Boxweltmeister). Scheint weder an Göttin noch Olymp zu glauben. Hat aber ein »persönliches Gefühl«, was für einen Boxweltmeister natürlich misslich ist. Ansonsten ist er mit seiner »bosnischen Herkunft« noch nie auf Fremdenfeindlichkeit gestoßen. Danach hatte ihn zwar niemand gefragt. Aber vielleicht verkehrt er ja einfach in den falschen Kreisen? Blogmouse könnte ihm ein paar Orte nennen, wo er gratis hochmotivierte Sparringspartner bekommt.</p>
<p>29. Bernd Hoffmann (Vorstandvorsitzender des Hamburger Sportvereins). Scheint weder an Göttin noch Olymp zu glauben. Herr Hoffmann weiß, dass wir »mehr Rücksicht und Respekt« brauchen. Das sagt er jedes Wochenende den Balltretern seines Vereins, aber die wollen einfach nicht hören. Apropos, Herr Hoffmann, von wegen »jeder hat die Möglichkeit, in seinem direkten Umfeld etwas zu verändern«: Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal den Mülleimer zur Tonne getragen?</p>
<p>30. Marcel Wüst (ehemaliger Radprofi). Ja klar, anpacken, nicht quasseln. Hätten Sie ja eigentlich Gewichtheber werden müssen und nicht Radprofi mit anschließender Laber-Karriere im Sportfernsehen. Und dass Sie uns hier zuhören – das glauben wir schon gleich gar nicht. Trotzdem bleiben wir gelassen.</p>
<p>Das Vorstehende ist natürlich alles Satire. Alles nur Spaß. Nichts für ungut. Nicht böse sein. Wir machen es auch garantiert wieder.</p>
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		<title>Liebes Schnitzel!</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 14:12:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.


Die Medienlandschaft ist in Bewegung. Das ist sie eigentlich immer, aber viele Jahre ging es nur darum, noch eine Computerzeitschrift auf den Markt zu werfen, noch eine Tageszeitung umzugestalten – Mehr Farbe! Mehr Rat geben! – und noch ein Magazin für Frauen zu lancieren, bis jede noch so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp">
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-369 " style="border: 1px solid black;" title="PrintShow" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/12/PrintShow-300x224.jpg" alt="Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen." width="300" height="224" /></dt>
<h5>Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.</h5>
</dl>
</div>
<p>Die Medienlandschaft ist in Bewegung. Das ist sie eigentlich immer, aber viele Jahre ging es nur darum, noch eine Computerzeitschrift auf den Markt zu werfen, noch eine Tageszeitung umzugestalten – Mehr Farbe! Mehr Rat geben! – und noch ein Magazin für Frauen zu lancieren, bis jede noch so kleine Zielgruppe bedacht ist – 14jährige Mädchen mit Zahnspange und Pferdeallergie bekommen ja schließlich auch Taschengeld. Aber das ist hier nicht gemeint. Es sind auch nicht die Zeitungsverleger vom Schlage Alfred Neven DuMonts gemeint, die irgendwie den Staat mit »ins Boot holen« wollen – das ist hier kein Zitat, denn so sagt das DuMont natürlich nicht.</p>
<p><span id="more-362"></span></p>
<p>Er möchte viel mehr sein Zeitungsimperium behalten, obwohl das längst nicht mehr das einbringt, was es jahrelang einbrachte. Das »unten« sparen, also bei Redakteuren und freien Mitarbeitern, bringt nicht genug, Zentralredaktionen und »Schreiber-Pools« hin oder her, kaufen und lesen will das Zeug wohl auch niemand mehr, und Anzeigen schalten lohnt sich ohnehin nicht. Da soll gefälligst der Staat einspringen. Etwa: Mehrwertsteuer für Zeitungen runter. Schon seltsam, wenn hier ein Unternehmer, dessen »Geschäftsmodell« nicht mehr in seinen Ansprüchen genügender Weise funktioniert, nun weniger Umsatzsteuer zahlen will, der Staat also verzichten soll, was dann andere Unternehmer, die weiterhin für ihre Produkte den vollen Mehrwertsteuersatz nehmen müssen, ausgleichen dürfen. Dass die Verbraucher wegen der hohen Mehrwertsteuer schreien, ist klar, da hört kein Finanzminister hin. Aber warum schreien eigentlich die Unternehmer, deren Produkte weiterhin mit 19 % Umsatzsteuer belegt werden, nicht laut, wenn andere Unternehmer sich bevorzugt behandelt wissen wollen? Wer sitzt hier eigentlich mit wem »im Boot«? Die Unternehmer offensichtlich in zwei Booten.</p>
<p>Aber auch das ist hier nicht mit Bewegung in den Medien gemeint.</p>
<p>Eines Tages bekam man in der Leitung des Montagsmagazins DER SPIEGEL mit, dass es da so eine neue Sache namens Internet gibt. Nach einigen Schreckjahren machte DER SPIEGEL mit SPIEGEL Online – kurz SPON – auch  mit. Man nahm ein paar junge Leute, die man für »Internet-affin« hielt und ließ diese ein an das gedruckte Magazin angelehntes Online-Portal basteln. Geld verdiente man damit zwar nicht, aber irgendwie war das wichtig, so etwas zu haben. Und während die Print-Ausgabe in den Zeitschriftenläden von den wenigen Käufern wegen des auf den Heften liegenden Staubes immer erst kräftig abgepustet werden musste, wurde SPON bekannter und beliebter, bis die Site endlich zu den meist-besuchten deutschen Sites im Netz gehörte und sogar Geld einbrachte. SPON sah nun aber ganz anders aus, als wohl mal beabsichtigt: Während das Print-Magazin nichts mehr darstellt – man erinnere sich: da fand mal richtiger Journalismus statt, Neue Heimat oder HS30 -, versucht SPON, die noch BILD-mäßigere BILD-Zeitung zu sein. Die Zutaten kennt man, sie lassen sich mit ein paar Worten beschreiben: Klamauk, Halbwahres, Nicht-Verstandenes und ein bisschen Sextaner-Erotik. Dazwischen natürlich wichtige Leute wie Boris Becker und Megan Fox.</p>
<p>Und wie lautet die Antwort der BILD Zeitung? Neín, falsch. Nicht dasselbe, bloß noch abgeflachter. Sondern – wie der SPIEGEL in alten Tagen – Aufdeckung von Skandalen auf höchster Ebene. Eine Sache wie die Bomberei in Kundus hätte früher der SPIEGEL aufgedeckt, vielleicht auch der STERN (Wo ist der eigentlich? Liest man da etwa gerade wieder Tagebücher?). Aber das macht heute die BILD Zeitung, dort findet der investigative Journalismus der Neuzeit statt. Vielleicht – Blogmouse weiß das nicht &#8211; wird die Redaktion aus dem Bundesverteidigungsministerium ein bisschen mit »Geschichten« versorgt. Und die kommen jetzt scheibchenweise ans Licht, BILD will ja jeden Tag verkauft werden.</p>
<p>Und was treiben die bürgerlichen Medien? Etwa die ZEIT? Die bringt für Sachsen nunmehr einen ständigen Teil. Hat nur Sachsen. Weil die Sachsen so schlau sind? Weil die Sachsen so blöd sind? Oder warum? Natürlich kann man dahin heikle Themen aus dem Fokus der Bundesausgabe der ZEIT wegschieben. Wie beispielsweise einen Artikel über das neue <a href="http://www.blogmouse.de/politik/schuld-und-suhne/" target="_self">Man-könnte-es-Kitsch-nennen-Paulinum</a> in Leipzig. Ist eine lange Geschichte. Aber die will die ZEIT nicht allen Bürgern der Republik zumuten. Da schickt sie lieber zwei Mitarbeiter zu Tom Waits, Interview. Das liest sich wie ein Satire, die Waits sich selbst ausgedacht hat. Etwa so:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;">Frage: Ihre Songs sind ja dicht bevölkert mit den seltsamsten Figuren, wie man sie im Alltag nicht oft trifft. Ziehen sie auch mal hinaus in die Welt der Geschundenen, um Songs mit Ihren Beobachtungen zu füllen?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Waits: Jemand, der tatsächlich unter einer Brücke lebt, ist nicht unbedingt imstande, einen Song darüber zu schreiben.</p>
</blockquote>
<p>Okay, wir Leser haben kapiert. Die beiden Interviewer nicht, fragen dann nämlich:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;">Aber Sie können sich in die Leute unter der Brücke hineinversetzen?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Waits: Ich verstehe sogar, was Mord ist. Dafür muss ich niemanden umbringen.</p>
</blockquote>
<p>In diesem Moment war er wohl nahe dran. Eigentlich hätten die beiden nun gesenkten Hauptes davonschleichen müssen. Aber sie quatschen weiterhin dummes Zeug (»Eine Ihrer wichtigsten Entscheidungen betraf den Alkohol.«) .</p>
<p>Ja, der Journalismus hat sich auch verändert. Gut, dass Herr DuMont demnächst einen Schreiber-Pool aufmachen will.</p>
<p>Ach so: Falls Sie demnächst wissen wollen, wie man ein Schnitzel brät – fragen Sie nicht das Schnitzel.</p>
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		<item>
		<title>Höher, weiter, schneller &#8211; pardauzer!</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/wirtschaft/hoherweiter-schneller-pardauzer/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 15:38:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Sport scheint es derzeit nur noch um Tod und Betrug zu gehen. Möglich, dass sich seit den Zeiten des Circus Maximus’ tatsächlich nichts geändert hat. Heutzutage sind es vier Gruppen, die am Sport interessiert sind, und jede hat Interesse daran, dass der Sport genau so bleibt, wie er ist. Und alle Beteiligten versuchen, ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Sport scheint es derzeit nur noch um Tod und Betrug zu gehen. Möglich, dass sich seit den Zeiten des Circus Maximus’ tatsächlich nichts geändert hat. Heutzutage sind es vier Gruppen, die am Sport interessiert sind, und jede hat Interesse daran, dass der Sport genau so bleibt, wie er ist. Und alle Beteiligten versuchen, ihre Hände in Unschuld zu waschen.</p>
<p><span id="more-286"></span></p>
<p>Da sind zunächst die Sportler: Da macht einem jungen Menschen Laufen oder Springen, Rad fahren oder Schwimmen Spaß, sein Talent wird entdeckt, es gibt Training, Wettkämpfe, Auszeichnungen und dann auch Geld. Damit ist der Sportler in ein System integriert, das ihn braucht. Denn das Geld kommt nicht von wohltätigen Mäzenen, sondern von Medien – allen voran dem Fernsehen – und Sponsoren; Vater Staat gibt natürlich auch einiges dazu. Zwischen Sportler und Geld aber steht die Verwaltung des Sports, zu der neben den Funktionären der Verbände – so etwas wie die Zünfte des Mittelalters – natürlich auch die Manager der Sportler gehört. Diese drei Gruppen sind gleichzeitig Wirt und Parasit des jeweils anderen, jeder weiß vom anderen, dass der ihn braucht: Gibt es in einer Sportart ungewohnt hohe Leistungen &#8211; im Sport sehr einfach festzustellen: höher, weiter, schneller -, interessiert sich bald das Fernsehen, das öffentlich-rechtliche wie das private, dafür, die Sportfunktionäre legen den Preis fest und wenn die Wettkämpfe jener Sportart dann häufig genug im Fernsehen zu sehen sind, gehen auch die Protagonisten dieser Sportart nicht leer aus. Ein wunderbares System, das jedem zum Vorteil geraten könnte, gäbe es nicht den kleinen Haken, dass es immer um Wettkampf geht und nur einer der Sieger sein kann: Der bekommt das größte Stück, die anderen kleinere, die letzten nicht mal mehr Krümel. Also möchte jeder erster sein, und das eben – leicht einzusehen – kann nicht sein. Also wird nachgeholfen.</p>
<p>Selbst dann könnte das alles noch wunderbar funktionieren, ist doch das Objekt der Begierde die vierte Gruppe in diesem Spiel, die der Zuschauer. Denn letzten Endes, man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Zuschauer bezahlen das alles, gleichgültig ob im Stadion oder vor dem Fernseher, als Staatsbürger, selbst als Konsument von Geflügelwurst, Reisen oder Autos – fast immer steht da ein freundlich lächelnder, höchst erfolgreicher Sportstar, der uns den Kauf empfiehlt.</p>
<p>Der sportbegeisterte Zuschauer nun ist der Blödmann in diesem Spiel. Dass er alles bezahlen muss, juckt ihn nicht sonderlich. Dass ihn alle möglichen Sportler, die auch gern Erster sein möchten, es aber eigentlich nicht aus eigener Kraft zustande bringen können, ihm vorgaukeln, es doch zu können – stört ihn auch nicht. Seine eigene Lebenserfahrung – dass manche Leistungen eben schlichtweg nicht »normal« sind  - stört ihn auch nicht: Angeblich können manche Leute nur aufgrund von Talent, Training und passender Ernährung tagelang bei größter Hitze in aberwitzigem Tempo mit einem Fahrrad höchste Berge rauf fahren, was die meisten Zeitgenossen noch nicht einmal bergab schaffen würden, geschweige denn, in der Ebene. Aber stundenlang sitzt er, der Zuschauer, schaut Tour de France und glaubt, oder tut so, als ob er glaubt. Es ist derselbe Glaube, der ihn im Kino befällt, wenn er sieht, wie gerade die Welt untergeht, oder Batman durch die Lüfte segelt. Will sagen: Der Zuschauer weiß, dass das alles nur gespielt ist, Trick. Beim Sport wird bloß so getan, als sei es kein Trick.</p>
<p>Die, die das sagen könnten, halten den Mund, würde ja eh nichts ändern. Eine besonders seltsame Rolle spielen hier die Medien, oder besser gesagt: das Fernsehen. Wo das Fernsehen im Sport seine Kameras aufbaut, ändern sich die Maßstäbe und manchmal allein deshalb auch die Regeln. Ein Basketball-Spiel von heute verhält sich zu einem von vor 30 Jahren wie Pogo zum Ballett des 19. Jahrhunderts. Beispielsweise will ja die Werbung eingebaut werden. Natürlich zahlt das Fernsehen einen gewaltigen Batzen Geld für die jeweiligen »Übertragungsrechte«</p>
<p>Kommt es dann zu Unregelmäßigkeiten in dem geölten Ablauf – Doping, Wettbetrug, und nun auch Selbsttötung -, dann geriert sich eben das Medium, das das Karussell maßgeblich mit in Gang setzt, als Aufklärer, als Kritiker. Warum soll der Zuschauer das glauben? So sind all die Äußerungen von Sportfunktionären wohlfeil – sie sind am System beteiligt, machen es aber nicht. Die Entrüstung der Sportjournalisten im TV – wohlfeil; auch sie sind indirekt am System beteiligt, mehr, als gut ist. So wird es Betrug im Sport – sei es Doping aller Art, seien es Wetten – im Sport geben, so lange es dieses System der Finanzierung gibt – ein anderes ist aber auch nicht in Sicht.</p>
<p>Deshalb ist Häme etwa über Claudia Pechstein, die sich mit allen Mitteln gegen den Vorwurf des Dopings wehrt, fehl am Platz, erst recht von denen, die ihr gestern noch ob ihrer Fabel-Siege medial zujubelten. Für die Medien gibt es neue Sportler, neue Wettkämpfe, neue Dopingfälle – für Pechstein geht es um ihre Glaubwürdigkeit und um ihre Existenz.</p>
<p>Bleibt eigentlich nur: Weg vom Fernseher. Selbst Sport machen. Vielleicht – pardauz – bricht dann das System zusammen.</p>
<div></div>
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		<title>Thiel, Flemming &#8211; und nun noch die Dänen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 23:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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Sonntag für Sonntag: Der Tatort


Vor vielen Jahren, in der Bronzezeit des Fernsehens, liefen Krimis etwa so ab: Am Anfang passierte ein Mord. Da gab es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Der Zuschauer sah den Täter nicht. Oder der Zuschauer sah den Täter, wusste also schon mal Bescheid. Dann kam der Kommissar mit seiner Mordkommission. Nun wurde [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-274" style="border: 1px solid black;" title="TVTatort" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/TVTatort-300x248.jpg" alt="Sonntag für Sonntag: Der Tatort" width="300" height="248" /></dt>
<h5>Sonntag für Sonntag: Der Tatort</h5>
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<p>Vor vielen Jahren, in der Bronzezeit des Fernsehens, liefen Krimis etwa so ab: Am Anfang passierte ein Mord. Da gab es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Der Zuschauer sah den Täter nicht. Oder der Zuschauer sah den Täter, wusste also schon mal Bescheid. Dann kam der Kommissar mit seiner Mordkommission. Nun wurde es spannend: Der Zuschauer konnte mit dem Kommissar – Der Alte oder Der Kommissar – rätseln, wer denn nun der Täter war. Oder – da er ja wusste, wer der Täter war – der Zuschauer schüttelte den Kopf, wie lange der Alte oder der Kommissar wieder brauchte, um herauszubekommen, wer der Täter war – dabei war es ja eigentlich ganz klar. Zum Schluss wurden alle Beteiligten in einen Raum eingepfercht, und der Kommissar überführte den Täter.</p>
<p><span id="more-267"></span></p>
<p>Überflüssig zu sagen, dass es zu dieser Zeit lediglich um den »Fall« ging. Um Nebensächlichkeiten wie Bürokratie oder gar Familie ging es nicht. Das ist heute anders. Egal, wie es anfing, ob mit Felmy oder mit George, also mit Kommissar Haferkamp oder mit Schimanski; Haferkamp war zwar geschieden, aber immer noch mit seiner Ex verbunden. Schimanski war unstet, hatte aber wenigstens eine halbwegs feste Freundin. Seitdem hat sich noch mehr geändert. Inzwischen ist es selbst bei Krimis interessanter, was im Privatleben der Polizisten passiert, als im »Fall« &#8211; der wird ohnehin gelöst, das ist sicher. Absolut. Im Privatleben ist gar nichts sicher. Das wissen auch die Zuschauer. Dem werden die Krimis inzwischen gerecht. Bis zur Satire. Bis zur Blödheit.</p>
<p>Drei Beispiele.</p>
<p>Frank Thiel ist Kommissar in Münster, Professor Boerne – zum Dr. hat er es wohl irgendwie nicht gebracht, komisch bei seinem Dünkel &#8211; Gerichtsmediziner ebenda, Nadeshda Krusenstern Gehilfin des Kommissars, Wihelmine Klemm – gespielt von Mechthild Großmann, im wirklichen Leben eine beeindruckende Tänzerin -, Staatsanwältin und »Alberich«, also eigentlich Silke Heller, die Gehilfin von Boerne; eine gewisse Rolle spielt noch der Vater von Thiel, Herbert Thiel, der sein Dasein als Taxifahrer fristet, wie es nun mal Althippies in Deutschland tun. Wie in jedem richtigen Comic haben diese Figuren allesamt eine Macke:</p>
<p>Thiel, angeblich mal verheiratet, nähert sich Frauen mit dem Gespür, das ein Brontosaurus gegenüber Meißener Porzellan aufbringen könnte.</p>
<p>Boerne ist nicht wirklich gut erzogen oder gebildet, sondern ein Feuilletonist: Er tut als ob und kommt häufig, aber keineswegs immer, damit durch. Als Forensiker scheint er gar nicht so schlecht zu sein, aber, um das beurteilen zu können, fehlt dem Zuschauer eben die Sachkenntnis.</p>
<p>Frau Großmanns zentrales Problem ist, eine Raucherin sein zu müssen, aber es nicht wollen zu dürfen; bleibt zu hoffen, dass sie lange heimlich unheimlich raucht, damit man ihre interessante Stimme hören kann. In der Sache sagt sie zu allem Ja und Amen, wenn sie auch alle außer sich selbst für kindlich bis kindisch hält.</p>
<p>Frau Krusenstern kommt aus Polen. Oder eher Russland. Ansonsten ist sie normal. Jedenfalls der fleißigste Menschen in diesem Zirkus.</p>
<p>Frau Heller ist kleinwüchsig. Ansonsten ist sie normal. Jedenfalls die Geduldigste in diesem Zirkus.</p>
<p>Herbert Thiel hat diesen Sohn. Das ist nicht normal. Wie kommt ein Alt-Hippie, der sich für einen Outlaw hält, zu einem Sohn, der dringend Polizist sein will? (Eventuell erzieherische Über-Kompensation? Wir werden später Herrn Flemming fragen.)</p>
<p>Das jedenfalls ist das Personal. Emotional passiert hier nichts außer der Liebesbeziehung zwischen Thiel und Boerne. Sie sind nicht schwul, können aber sämtlichen Frauen des Ensembles – Krusenstern, Heller, Großmann – nichts abgewinnen. Finden sich aber gegenseitig interessant.</p>
<p>Hier wird nie etwas passieren. Der Zuschauer kennt das Privatleben der beiden einigermaßen, kennt sogar deren Wohnungen &#8211; Thiel und Boerne leben unter einem Dach. Aber das Gefühlsleben ist monolithisch. Behende wie ein Hochhaus. Eine Frau – für Boerne oder für Thiel – würde das ganze System zum Einsturz bringen. Es würde langweilig werden.</p>
<p>Deshalb werden Thiel und Boerne einsam altern. Aber nicht ohne Partner, sie haben ja sich.</p>
<p>- Übrigens: Wenn man bei Google »Tatort« eingibt, bekommt man gleich eine Liste, bei der Tatort Münster ganz oben steht. –</p>
<p>So eine Disney-Truppe kann man eine haben, aber nicht mehrere. Also kamen die Redaktionen auf neue Partnerschaftsmodelle. Besonders modern sind jetzt geschiedene Paare, die im Beruf aufeinander gehetzt werden. Simone Thomalla und Martin Wuttke spielen Kommissarin Eva Saalfeld und ihren Gehilfen Andreas Keppler; waren mal verheiratet. Das kann nicht gut gehen, zumal Frau Thomalla immer zu enge Kleidung trägt. So giften die beiden sich genau so an, wie man es erwartet. Nach zwei Folgen war das eigentlich schon langweilig. Kam wahrscheinlich zu vielen Zuschauern zu bekannt vor.</p>
<p>Hat das ZDF nicht verstanden und setzte mit »Flemming« noch eins drauf: Flemming (Samuel Finzi) – Polizeipsychologe – und seine Ex, Kommissarin Ann Gittel (Claudia Michelsen), müssen blöderweise auch zusammenarbeiten. Flemming sieht zwar aus wie ein netter Dackel, der eigentlich bloß gestreichelt und in Ruhe gelassen werden will, aber da ist er bei Gittel falsch – hätte er eigentlich bei all seinem Seelendurchblick längst mitbekommen müssen. Außerdem ist er nicht halb so nett, wie er dreinschaut. Für ihn ist die Welt eine Versuchsanordnung für Psychologen. Für ihn.</p>
<p>Privatleben haben beide nicht – wozu auch, gibt ja die Büros im Polizeipräsidium. Spart man Kulisse.</p>
<p>Und dann kamen die Dänen, vereint mit dem ZDF: »Protectors« nennt sich das Ganze und es gab vorerst fünf Folgen. Es ist eine Truppe von Personenschützern, denen allerlei heikle Aufgaben übertragen werden. Eigentlich sind es zwei Gruppen von Protectors: Ein Truppe von alten Brummbären und –frauen, und drei Novizen, die man per Casting von der Polizeischule geholt hat, zwei junge Männer und eine junge Frau mit Kohlenblick. Die junge Frau ist eigentlich Ägypterin und daher Muslima, versucht aber, sich das nicht anmerken zu lassen – sie hat kein Kopftuch! In der vorerst letzten Folge musste sie sozusagen in die eiskalte Schwefelsäure springen und wurde von ihren Dienstherren veranlasst oder genötigt oder befohlen – keine Ahnung, wie das in Dänemark geht – mit einem der jungen Kollegen gemeinsam in einem Hotel-Doppelzimmer zu übernachten, weil nebenan die zu beschützende Person nächtigte (ja, auch der dänische Staat muss sparen und kann seinen Leuten nicht ohne triftigen Grund Einzelzimmer finanzieren). Das war nun die britische Umweltministerin, die aufgrund eines ihr übergebenen und diverse Geheimnisse beinhaltenden USB-Sticks Entführungsopfer einer Gruppe von radikalen Umweltschützern wurde. Deren Anführer wiederum war ein alter, nun wieder auf freien Fuß gesetzter RAF-Terrorrist –schauder, ein Deutscher -, der die idealistischen jungen Leute aber nur im Auftrag der Ölindustrie um vier Ecken instrumentalisierte. Ihm ging es nur darum, den USB-Stick zu bekommen und verschwinden zu lassen. Das war nicht so einfach.</p>
<p>Deshalb noch ein paar dicke Klötze: Der RAF-Terrorist – ebenso distinguiert wie widerlich: Wolf Roth – hatte im wilden West-Berlin der wilden Sechziger-Jahre eine Beziehung mit der damals noch jungen Umweltministerin. Zwar war sie da noch nicht Ministerin, hatte aber fest vor, eine zu werden und konnte daher das Kind aus dieser Beziehung nicht recht gebrauchen – also Adoption. Der Erzeuger dieses Kindes aber behielt über RAF und Knast und vorgebliche Läuterung zum Umweltaktivisten hinweg das Kind im Auge &#8211; wie? Na, Sie können Fragen stellen &#8211; und erpresste seine ehemalige Freundin nun mit der Sprengung eben dieses Kindes samt inzwischen eingetroffener Kindeskinder. Das ist nur möglich mit den richtigen Genen: Sein Vater war bei der SS.</p>
<p>Aber das war alles gar nicht so wichtig: Wichtig war, dass der eine Polizist mit seiner Frau haderte, dass diese nun –auch wegen seiner vielen Seitensprünge &#8211; sich beruflich nach Berlin verändert und damit die gemeinsame Tochter zur Scheidungsnomadin gemacht hatte – zu seinem Leidwesen, waren doch nun manches Wochenende futsch und die berufliche Karriere geschmälert. Die Muslima hatte Probleme mit ihrer Schwester, die darauf brannte, Papa und Mama einzuweihen, dass da vielleicht, vielleicht was mit dem Kollegen lief &#8211; ja, das Wort »Satansbraten« wurde für jüngere Geschwister erfunden. Der Polizeipsychologe der Truppe hatte größte andere Probleme damit, die Sekretärin der Truppe zu einer medizinischen Untersuchung zu drängen; in Wirklichkeit hatte sie bloß Angst vor ihrem 50. Geburtstag und der deshalb nötigen folgenden Feierei mit ihren Kollegen, was man als Zuschauer im Nachhinein verstehen kann. Angeblich gibt es noch mehr Folgen, der Zuschauer wird eventuell noch erfahren, was die unterkühlte Polizeipräsidentin für noch viel größere Probleme hat, vielleicht gibt es auch noch ein paar StaSi-Agenten, und möglicherweise kann der Psychologe seinen Job nur mit Absynth und dem Abhören alter Caruso-Schellacks auf einem Braun-Schneewittchensarg ertragen, den er von seinem Cousin, der bei der Berliner Stadtreinigung auf dem Recyclinghof Ruhleben arbeitete, erhalten hat, und den jener dort illegalerweise aus dem Schrott gezogen hat, deshalb entlassen wurde und nun am Stutti als Rausschmeißer dahinlebt, während der ehemalige Besitzer der Stereoanlage froh war, das Möbel endlich los geworden zu sein, sogar umweltverträglich, war es doch letzter Beweis seines Verhältnisses mit eben der Freundin der Schwester jenes Polizeipsychologen, die ihm das Ding&#8230;</p>
<p>Lassen wir das. Sind ja nur Krimis. Die gehen immer gut aus.</p>
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		<title>Beste CD aller Zeiten gespült</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:51:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann beißt Hund]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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Ins Regal gespült: Beste CDs aller Zeiten


Wer sein Metier beherrscht, hat eigentlich nur einen Feind: die Routine. Man kennt jeden Handgriff, weiß, was man zu tun hat und lässt die Gedanken schweifen. Das ist bei Arbeiten wie Rasen mähen, Wände anstreichen, Bügeln oder Abwaschen hilfreich. Bei Ärzten, Lehrern oder Autofahrern kann Routine gefährlich werden, schadet [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-223" style="border 1px solid black;" title="CDAllZeit" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/CDAllZeit-225x300.jpg" alt="Ins Regal gespült: Beste CDs aller Zeiten" width="225" height="300" /></dt>
<h5>Ins Regal gespült: Beste CDs aller Zeiten</h5>
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<p>Wer sein Metier beherrscht, hat eigentlich nur einen Feind: die Routine. Man kennt jeden Handgriff, weiß, was man zu tun hat und lässt die Gedanken schweifen. Das ist bei Arbeiten wie Rasen mähen, Wände anstreichen, Bügeln oder Abwaschen hilfreich. Bei Ärzten, Lehrern oder Autofahrern kann Routine gefährlich werden, schadet aber meist nur in Einzelfällen. Auffallend wird Routine bei nur wenigen Berufen, schadet dann aber meistens nicht: Etwa bei Journalisten. Da bekommt es allerdings jeder mit.<span id="more-222"></span><br />
So etwa das gedankenlose Abschreiben und Nachplappern von Agenturmeldungen: Einer schreibt es einmal hin – übernommen wird es von zwei Dutzend. Dann liest und hört man immer wieder, unter Umständen wochenlang, von »stehenden Ovationen«, Ulrich Wickert wies vor Tagen darauf hin. Klar, weiß jeder, dass Ovationen nicht stehen können. Trotzdem, kaum hatte Wickert es geschrieben, konnte man wenige Stunden später hören: »Stehender Beifall« &#8211; manche Journalisten lesen noch nicht einmal die zwei einzig wichtigen überregionalen Zeitungen des Landes.<br />
Es gibt auf diesem Gebiet ein paar Dauerbrenner. Einer ist: Viel Geld, Millionen, Milliarden, große Beträge, wurden »in die Kassen gespült«. Einen derartigen Ausdruck kann ein Journalist eigentlich nur einmal in seinem Leben benutzen – falls er nicht schon vorher bemerkt, was für ein Blödsinn das ist. Aber dieses Halbsätzchen ist beinahe jeden Tag zu lesen oder zu hören. Fast, als sei es eine Verabredung: Wenn es um viel Geld geht, dann wird es in die Kassen gespült. Basta! Regt sich sofort die Assoziation »Waschen und Spülen, bitte«, aber dazu fehlen jetzt die Beweise.<br />
Sehr in Mode ist derzeit etwas, besonders unter »Kultur-Journalisten«, was jeder menschlichen Erfahrung widerspricht. Da behaupten einige Vertreter dieses Berufszweiges beispielsweise, dass diese oder jene CD »die beste aller Zeiten« sei. Früher genügte, schon im Januar zu behaupten, die »wichtigste« CD des Jahres rezensiert zu haben. Das ist nun zu wenig. Zwar gibt es Tonträger erst seit etwa – seien wir großzügig – 120 Jahren, doch haben diese Könner ihres Faches nicht nur die Produktionen dieser 120 Jahre vollkommen im Blick, sondern auch die kommenden Jahre, Jahrzehnte, Jahrhundert, Jahrtausende…<br />
Das alles ist natürlich nicht neu. Vor Jahren war in den Feuilletons der Zeitungen und in den Kulturmagazinen des Fernsehens das Wort »hermetisch« besonders beliebt. Eigentlich gedacht für die Beschreibung der Qualität von Fahrradschläuchen, wurde das Wort auf alles angewendet, was sich nicht gleich wehrte. Auf einer Seite im Feuilleton der »ZEIT« war es eines Tages sieben Mal zu finden. Dann schien der Vorrat aufgebraucht, oder die Redakteure waren endlich aufgewacht, jedenfalls kam das Wort bald darauf aus der Mode. Heute ist nichts mehr hermetisch.<br />
Eher »luzide«.</p>
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		<title>Drei und eine halbe Säule</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/medien/drei-und-eine-halbe-saule/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 23:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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Eine der Säulen, hier der Fuß


Die drei  diese Gesellschaft tragenden Säulen sind bekannt: Legislative, Exekutive und Judikative – die Legislative beschließt per Mehrheit Gesetze, deren Einhaltung die Exekutive überwacht und die Legislative sieht dann zu, wie diejenigen zu behandeln sind, die sich nicht an die Gesetze halten wollen.
Und dann gibt es noch eine Säule,  die [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-194" style="border: 1px solid black;" title="Saeule" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/Saeule-300x185.jpg" alt="Eine der Säulen, hier der Fuß" width="300" height="185" /></dt>
<h5>Eine der Säulen, hier der Fuß</h5>
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<p>Die drei  diese Gesellschaft tragenden Säulen sind bekannt: Legislative, Exekutive und Judikative – die Legislative beschließt per Mehrheit Gesetze, deren Einhaltung die Exekutive überwacht und die Legislative sieht dann zu, wie diejenigen zu behandeln sind, die sich nicht an die Gesetze halten wollen.<br />
Und dann gibt es noch eine Säule,  die »vierte Gewalt« &#8211; die Zeitungen und die Zeitschriften, der Rundfunk, das Fernsehen und auch das Internet -, die Journalisten. Sie beobachten, was Legislative, Exekutive und Judikative so treiben. Und kritisieren dies dann auch mal. Es ist also ein verantwortungsvoller Beruf, der Beruf des Journalisten.</p>
<p><span id="more-185"></span></p>
<p>Aber ist das eigentlich ein Beruf? In der Bundesrepublik Deutschland kann sich jeder Journalist nennen. Das machen Studienabbrecher wie Professoren. Während ein Auto nicht repariert werden kann, ohne dass ein Meister für das Ergebnis die Verantwortung übernimmt, kann ein Journalist sich zu jedem Thema äußern, ohne irgendwelche Sachkenntnisse vorweisen zu müssen. Natürlich gibt es Journalistenschulen – sie »produzieren« Journalisten direkt für den Markt. Sie sind deshalb meist direkt an Medienkonzerne angebunden. Viele der Absolventen können nicht schreiben, nicht richtig sprechen und können sich auch nicht vor der Kamera bewegen – aber das wollen sie oft auch gar nicht. Sie wollen und sollen in die Führungsetagen. Dort sind sie inzwischen angekommen und schreiben denen, die die eigentliche journalistische Arbeit machen vor, wie sie diese zu machen haben.<br />
Dann gibt es an staatlichen Universitäten einschlägige Studiengänge, Journalistik, Publizistik, Zeitungswissenschaften und weitere mehr. Da kann es dem angehenden Journalisten passieren, dass vor ihm ein Dozent – bis hin zum Professor &#8211; steht, der selbst vielleicht nie in dem Beruf gearbeitet hat, aber wenigstens ein sechswöchiges Praktikum z. B. bei der »Süddeutschen Zeitung« vorweisen kann.<br />
Mit Einführung des Privat-Fernsehens in den 1980er-Jahren wurde eine Heerschar von Journalisten gebraucht. Allerdings nicht solche, die etwa bei Zeitungen ein Volontariat gemacht hatten und in der jeweiligen Redaktion eine bestimmte Aufgabe übernommen hatten. Junge Leute mit schnellem Mundwerk wurden gebraucht. Bald zogen die öffentlich rechtlichen Sender nach und spätestens nach 2000 war klar, dass es den Journalismus alter Prägung nicht mehr gab: Es gab jetzt die Medienmanager einerseits und ein Fußvolk von »liefernden« Mitarbeitern, inzwischen wenige feste und viele freie, andererseits. Während die einen zu Stars werden, sich zwar immer noch »Journalist« nennen, aber überhaupt nicht journalistisch arbeiten, arbeiten die anderen journalistisch, können davon aber nicht leben.<br />
Also nehmen sie was kommt. Schreiben, was immer gewünscht wird. Für jeden. Das war schon immer so: Wer über Bücher schreibt, macht notgedrungen Reklame dafür. Wer über Musik schreibt, tut das auch schon mal für eine Plattenfirma oder einen Konzertveranstalter. Das ist nicht weiter schlimm. Man kann ja Bücher, die verrissen wurden, erst recht kaufen und lesen. Und CDs, die sehr gelobt wurden, einfach nicht kaufen und nicht hören.<br />
Vielleicht ist es auch nicht schlimm, wenn der Journalismus als Ganzes verschwindet. Einfach komplett die Seiten wechseln würde. Das hieße also nicht, dass Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen verschwinden würden. Aber es würde vor jedem Artikel, vor jeder Sendung, vor jeder Regierungserklärung klar gestellt werden: »Der folgende Beitrag stammt in wesentliche Teilen aus den Public-Relation-Abteilungen von Daimler Benz®, der Bertelsmann-Stiftung®, Aldi Nord® und Playmobil®«.<br />
Wäre nicht schön. Aber ehrlich.</p>
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