Archiv für die Kategorie 'Politik'

29 Sep 2010

Die Demokratie schafft sich ab

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eine Polemik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung

Als die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen, ihren »Arbeiter- und Bauernstaat« abzuschaffen, gründeten sie eine Vielzahl von politischen Gruppierungen, deren kleinster gemeinsamer Nenner so klein gar nicht war: nicht »die Mauer muss weg« stand im Zentrum all der Diskussionen, sondern »Demokratie muss her«. Das mit der Mauer ergab sich daraus ganz von selbst.

Heute sind kaum noch die Namen dieser Gruppierungen bekannt (am ehesten vielleicht noch das Neue Forum), und  nur in wenigen Fällen die der Protagonisten. Die Revolution frisst ihre Kinder. Auf Angela Merkel hatte die Revolution wohl keinen Appetit, oder aber sie hatte den Verdacht, dass man ihr da ein Kuckucksei untergeschoben hat.

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08 Sep 2010

Sie haben fertig, Frau Merkel

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Bundeskanzlerin Merkel feiert eine „Revolution“. Am vergangenen Wochenende hat man sich in der Koalition auf einen Energieplan geeinigt. Zu dem gäbe es eine Menge zu sagen. Wichtiger aber ist, dass sich die äußerst clevere Taktikerin Angela Merkel mit dem Energie-Dingsbums nun endgültig vertan hat.

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01 Jul 2010

Demokratie ohne Demos

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Nun ist sie vorbei, die Wahl, die keine war (Der Spiegel). Im Nachhinein war es natürlich ein »guter Tag für die Demokratie«, so Claudia Rohth von den Grünen, Schulsprecherin der Nation, wenn auch »nicht besonders elegant«, wie Volker Kauder Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag, einräumte. Und leider ist ja nun nicht Herr Gauck »richtiger« Bundespräsident geworden, sondern nur »Bundespräsident der Herzen«. Und es erheben sich die Stimmen, die da fordern, man möge den Bundespräsidenten doch direkt »vom Volk« wählen lassen. Aber – warum gerade den? Gäbe es da nicht Wichtigeres zu wählen?

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03 Jun 2010

Danaer-Geschenke von Frau Angela

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Wie erledigt man Gegner? In dem man sie wahrnimmt, dies aber nicht zeigt. Indem man sie beschenkt. Dass sie dann ein hohles Holzpferd in die Mauern ihrer Burgen ziehen, merken sie erst dann, wenn es zu spät ist.

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04 Mai 2010

Die Griechen und die Kruzifixe

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Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. Allerdings hat Herr Kleber bei seiner Zuhörerschaft sehr auf gründliche Kenntnisse in der Prozentrechnung vertraut. Da haben wir hier bei Blogmouse einige Zweifel (PISA!) und werden Herrn Klebers Rede noch einmal kurz erklärend nachvollziehen. Und da wir gerade beim heutigen Journalismus sind, werden wir den auch nicht nur im Großen, sondern auch gleich im Kleinen bewerten. Rating muss sein.

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14 Dez 2009

Liebes Schnitzel!

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Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.
Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.

Die Medienlandschaft ist in Bewegung. Das ist sie eigentlich immer, aber viele Jahre ging es nur darum, noch eine Computerzeitschrift auf den Markt zu werfen, noch eine Tageszeitung umzugestalten – Mehr Farbe! Mehr Rat geben! – und noch ein Magazin für Frauen zu lancieren, bis jede noch so kleine Zielgruppe bedacht ist – 14jährige Mädchen mit Zahnspange und Pferdeallergie bekommen ja schließlich auch Taschengeld. Aber das ist hier nicht gemeint. Es sind auch nicht die Zeitungsverleger vom Schlage Alfred Neven DuMonts gemeint, die irgendwie den Staat mit »ins Boot holen« wollen – das ist hier kein Zitat, denn so sagt das DuMont natürlich nicht.

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01 Dez 2009

Am Sonntag gehört Vati … ja, wem eigentlich?

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Konsumtempel mit Gleisanschluss: Der Leipziger Hauptbahnhof in der Adventszeit
Konsumtempel mit Gleisanschluss: Der Leipziger Hauptbahnhof in der Adventszeit

Es war einmal – da musste die Hausfrau, wenn ihr denn am Sonnabend Abend oder am Sonntag Mittag etwas Zucker, Salz oder Mehl fehlte, zur Nachbarin gehen und fragen – haben Sie, könnten Sie? Das ging immer gut – wenn die eine nicht konnte oder wollte, dann wollte oder konnte die andere. Heute ist das anders. Ob besser, werden wir noch sehen.
Denn heute sind die Läden auch am Sonnabend bis wenigstens 20 Uhr geöffnet. Ausreden wie »Leider kann ich keine Eierpfannkuchen machen, Salz, Mehl und Eier sind alle« gelten nicht mehr. Hier und da, etwa im Bahnhof Leipzig, kann man auch am Sonntag Nachmittag Lebensmittel aller erdenklichen Art kaufen. Immer. Das ganze Jahr hindurch.
Heißt dann allerdings nicht Lebensmittel. Sondern Reisebedarf.

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22 Nov 2009

Gerechtigkeit am Sonntag

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Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer.

Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist.
Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist

Große Worte, gesprochen vom Finanzminister. In einem Interview mit der Bild am Sonntag spricht Wolfgang Schäuble von seinem Eindruck, dass die Banken (manche jedenfalls — es gibt ja überall schwarze Schafe) wenig aus der Finanzkrise gelernt hätten:

Nicht alle haben begriffen, was da schiefgelaufen ist und dass man so nicht weitermachen kann. Da haben viele den Unterschied zwischen einem gesunden Egoismus und Gier nicht verstanden. Diese Raffgier zerstört alles, und mich stimmt sehr nachdenklich, dass sie schon wieder um sich greift.

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12 Nov 2009

Schuld und Sühne

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Leider noch nicht fertig: das Paulinum
Leider noch nicht fertig: das Paulinum in Leipzig

Wer als Nicht-Leipziger und unbelastet von Vorwissen die viel gerühmte und tatsächlich schöne Leipziger Innenstadt vom Augustusplatz her betreten will, wird sich irritiert fragen: Was ist das denn? Was will das sein? Wuchtig und raumgreifend steht er da, der am heftigsten umstrittene Neubau Leipzigs seit der Wiedervereinigung. Das »Paulinum« ist ein Mehrzweckbau der besonderen Art: Kirche, Aula, Konzerthalle — all in one. Leider nicht ganz fertig geworden bis zum Festakt, mit dem die Universität Leipzig in diesem Herbst ihr 600-jähriges Bestehen begeht. Schuld ist (mal wieder) die Krise, die den beauftragten Architekten in die Pleite gestürzt hat.

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