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	<title>Blogmouse &#187; Politik</title>
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	<description>Unabhängig. Parteiisch. So frech wie nötig</description>
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		<title>Die Demokratie schafft sich ab</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 18:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[eine Polemik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung
Als die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen, ihren »Arbeiter- und Bauernstaat« abzuschaffen, gründeten sie eine Vielzahl von politischen Gruppierungen, deren kleinster gemeinsamer Nenner so klein gar nicht war: nicht »die Mauer muss weg« stand im Zentrum all der Diskussionen, sondern »Demokratie muss her«. Das mit der Mauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>eine Polemik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung</em></p>
<p>Als die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen, ihren »Arbeiter- und Bauernstaat« abzuschaffen, gründeten sie eine Vielzahl von politischen Gruppierungen, deren kleinster gemeinsamer Nenner so klein gar nicht war: nicht »die Mauer muss weg« stand im Zentrum all der Diskussionen, sondern »Demokratie muss her«. Das mit der Mauer ergab sich daraus ganz von selbst.</p>
<p>Heute sind kaum noch die Namen dieser Gruppierungen bekannt (am ehesten vielleicht noch das Neue Forum), und  nur in wenigen Fällen die der Protagonisten. Die Revolution frisst ihre Kinder. Auf Angela Merkel hatte die Revolution wohl keinen Appetit, oder aber sie hatte den Verdacht, dass man ihr da ein Kuckucksei untergeschoben hat.</p>
<p><span id="more-588"></span></p>
<p>Schieben wir die Polemik erst mal beiseite und erinnern uns. Die Revolution frisst ihre Kinder am liebsten dann, wenn sie noch jung sind. Bärbel Bohley (»Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat«) bekam das Bundesverdienstkreuz, hat aber im wiedervereinigten Deutschland nie eine Rolle gespielt. Vera Lengsfeld bekam aus dem Westen viel Beifall für ihr Rosa-Luxemburg-Zitat »Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden«, das sie den DDR-Chefs mutig und mit Sinn für Effekt unter die Nase rieb. Als sie wenige Jahre später als Mitglied der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen ebenso extravagant ihre Ablehnung des ersten Golfkriegs zum Ausdruck brachte, empfahl man (= jemand aus Unionsfraktion) ihr, »sich untersuchen zu lassen«. Heute ist Frau Lengsfeld vor allem noch wegen ihrer privaten Tragödie, der Bespitzelung durch ihren Ehemann, bekannt; davon abgesehen ist sie längst CDU-Mitglied. Den Namen Jens Reich hatte ich fast vergessen, als er im Sommer kurz, aber wirklich nur ganz kurz, nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten als möglicher Kandidat genannt wurde. Aber egal, Herr Reich hat ganz bestimmt was Gescheites zu tun.</p>
<p>Das Neue Forum und nahestehende Gruppen, die sich für die erste und letzte freie Volkskammerwahl zum Bündnis 90 zusammengetan hatten, waren nach nur wenigen Monaten ihres Bestehens Geschichte. Sie mussten lernen, dass sie die Situation falsch eingeschätzt hatten. (Ich auch.) Das »Wir-sind-ein-Volk«-Volk gab der »Allianz für Deutschland« den Vorzug. Diese Allianz bestand aus der Blockpartei CDU (Ost), einer Partei namens DSU (rechts neben &#8230; ist immer noch Platz) und einer im Dezember 1989 gegründeten Gruppe namens »Demokratischer Aufbruch«. Demokratischer Aufbruch &#8212; klingt doch gut, oder? Einerseits Demokratie: kann man nix dagegen haben. Andererseits aber nicht so pieselig, grundsätzlich, intellektuell, sondern: Aufbruch = vorwärts immer &#8230;  (oder so). Zwar wurde der Vorsitzende dieser Partei (Wolfgang Schnur &#8212; wer kennt ihn noch?) wenige Tage vor der Wahl als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit geoutet, aber dem Volk war&#8217;s längst egal. Und Herr Schnur hat trotzdem Geschichte geschrieben, nämlich indem er Anfang 1990 eine etwas linkisch wirkende Pfarrerstochter als hauptamtliche Mitarbeiterin seiner Partei einstellte und sie zur Pressesprecherin machte.</p>
<p>Heute ist die Pfarrerstochter Kanzlerin aller Deutschen und <em>lässt</em> sprechen, ganz besonders auch die Presse. Wer heute staunt, mit welch unglaublichem Machtinstinkt Merkel die Propagandamaschine beherrscht und en passant ihre Gegner aus dem Weg räumt, sollte etwas weiter in die Geschichte zurück schauen als bis Kohl. »Kohls Mädel« hat man sie genannt, was aber nicht mal die halbe Wahrheit ist. Er hat sie gefördert, ja, aber sie wusste genau, wo sie stehen muss, um gefördert zu werden. Und ja, sie hat einige seiner Talente (z.B. das zum Aussitzen), aber darüber hinaus einige mehr. Sie macht nie wirklich einen Fehler, jedenfalls keinen, der ihrem Machterhalt schaden könnte. Sie wiegelt alle gegen sich auf, aber immer so geschickt, dass sich ihre Gegner gegenseitig erledigen. Sie versteht es, die Regeln der Demokratie ganz hervorragend für sich zu nutzen. Doch, kein Wunder, nach fünf Jahren Merkel wirkt die Demokratie irgendwie abgenutzt.</p>
<p>Beispielsweise die »Ernennung« des Bundespräsidenten durch die Kanzlerin. Natürlich war es keine Ernennung, Herr Wulff wurde ganz ordnungsgemäß demokratisch gewählt. Außerdem weiß ja jeder, dass der BP eh nix zu sagen hat, gebraucht wurde ein vorzeigbarer Grüß-August, der schwungvoll seinen Namen schreiben kann &#8212; was spricht also gegen Herrn Wulff? Frau Merkel ist da gar nichts vorzuwerfen, und deshalb bleibt der seltsame Geruch, den die Sache trotzdem hat, an der Demokratie selbst haften. </p>
<p>Die Wortschöpfung von der »Verbanklichung des Staates« kommt auch nicht von ungefähr. Überhaupt hat der Lobbyismus mit dieser Regierung eine Stufe erreicht, dass die Demokratie daneben zwangsläufig als lächerliches Landei erscheint. Von der Leyen darf zum Volke sprechen, als wären wir alle ein bisschen blöd, Westerwelle (»wer mich kritisiert, der gefährdet die Demokratie«) darf <span style="text-decoration: line-through;">gegen</span> Hartz-IV-Empfänger <span style="text-decoration: line-through;">hetzen </span>als römisch-dekadent bezeichnen, Rösler (der Kleine will doch nur spielen) darf den Elefanten im Porzellanladen namens »Gesundheitssystem« geben, die Familienministerin merkt immerhin so viel, dass sie von Familie keine Ahnung hat, und tut etwas, worauf sie sich versteht: Linksradikalismus bekämpfen. Usw. usw. Alles »demokratisch legitimiert«, denn <strong>wir</strong> haben <strong>die</strong> ja gewählt. Merkel und die Ihren bedienen sich demokratischer Mittel, um ihre (oder wessen?) Interessen durchzusetzen. Sie bedienen sich der Demokratie, anstatt ihr zu dienen.</p>
<p>Okay, jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Wenn&#8217;s nur das wäre! Wenn ich Foren wie das von Spiegel online lese, dann beschleicht mich ein viel schlimmeres Gefühl, nämlich dass diese Regierung so langsam das Volk bekommt, das sie verdient. Was da täglich an Neid, Häme, Gehässigkeit, Dummheit, Selbstgerechtigkeit und blankem Egoismus in hässliche Sätze gegossen wird, muss jeden <span style="text-decoration: line-through;">Demokraten</span>  zivilisierten Menschen beunruhigen. Auch im Spon Forum gibt es Aufrechte, die paroli bieten und sich geduldig anpöbeln lassen. Das ist gut so, immerhin. Aber ich fürchte, auch wenn diese Aufrechten einen rhetorischen Sieg davon tragen (sie haben die besseren Argumente und oft auch den besseren Stil), sie überzeugen niemanden und können die Verrohung nicht aufhalten. Das Image der Kirchen ist zu sehr ramponiert, als dass aus dieser Richtung noch jemand Gehör fände, und dann hat auch noch der Teufel persönlich Frau Käßmann den Autoschlüssel in die Hand gedrückt. Jetzt gibt es nur noch diese Pfarrerstochter, die versprochen hat, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.</p>
<p>Jede ordentliche deutsche Hausfrau müsste es eigentlich wissen: Dinge, die man schätzt und möglichst lange behalten will, die darf man nicht nur benutzen, die muss man auch pflegen.</p>
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		<title>Sie haben fertig, Frau Merkel</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 23:20:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundeskanzlerin Merkel feiert eine „Revolution“. Am vergangenen Wochenende hat man sich in der Koalition auf einen Energieplan geeinigt. Zu dem gäbe es eine Menge zu sagen. Wichtiger aber ist, dass sich die äußerst clevere Taktikerin Angela Merkel mit dem Energie-Dingsbums nun endgültig vertan hat.

Angela Merkel hat schon vielen gezeigt, wo der Hammer hängt: Merz, Oettinger, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bundeskanzlerin Merkel feiert eine „Revolution“. Am vergangenen Wochenende hat man sich in der Koalition auf einen Energieplan geeinigt. Zu dem gäbe es eine Menge zu sagen. Wichtiger aber ist, dass sich die äußerst clevere Taktikerin Angela Merkel mit dem Energie-Dingsbums nun endgültig vertan hat.</p>
<p><span id="more-584"></span></p>
<p>Angela Merkel hat schon vielen gezeigt, wo der Hammer hängt: Merz, Oettinger, Koch, Wulff – alle weg; ein paar andere auch, aber die wähnten sich ohnehin nur wichtig. Zurzeit erledigt sie Norbert Röttgen. Eventuell kann der ausweichen und Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen werden. Sicher ist das nicht.<br />
Was weit wichtiger ist: Über all die schlaue Taktiererei vergisst sie, dass es auch im „Volk“ (O-Ton Westewelle) Leute gibt, die nicht der „Intelligenz-Poliziei“ von Sarrazin unterliegen, sondern denken.<br />
Die denken z. B.: Es gibt diverse ältere und nicht ganz so ältere Atomkraftwerke in Deutschland. Die denken: Es gibt eigentlich nur vier „Strom-Anbieter“. Könnte man für Monopolisten halten. Die möchten die Atomkraftwerke gern länger am Netz halten, bringt ja viel Geld. Da kommt die Regierung und will eine „Brennelement-Steuer“ erheben. Ja, warum das denn? Fragen sich The Big Four. Ganz einfach: Weil die Regierung im Moment keine Steuern erhöhen kann: Der Staat ist überdimensional verschuldet, braucht also Geld. Die FDP möchte als „Steuersenkungspartei“ in die Geschichte eingehen. Derzeit kann diese Regierung also nicht etwa die Mehrwertsteuer erhöhen. Lohnsteuer/Einkommensteuer schon gar nicht – nebenbei: die Progression in der derzeitigen Form will sie natürlich auch nicht abschaffen -, aber Frau Merkel im Verein mit Herrn Schäuble ist viel zu gewitzt, als das sie nicht wüsste, wie man an Geld kommt; wird sich gleich zeigen, von wem das kommen soll.<br />
Also tut man was für die Umwelt. Verlängerung für Laufzeit der Atomkraftwerke gibt es nur, wenn die Brennelementsteuer akzeptiert wird. Gleichzeitig werden Windkraftwerke gefördert – von Löbejühn bis Magdeburg ist leider alles schon voll, der Horizont wird von Propellern geprägt –, aber es gibt in jeder Stadt einen Marktplatz, auf den man einen Propellerturm stellen kann, damit H &#038; M und Coca Cola und weiß Gott, wer, weiterhin 24 Stunden am Tag Leuchtreklame machen können, und Solaranlagen gefördert, auch wenn deren Energiebilanz – na, sagen wir – „Fragen aufwirft“. Und Elektroautos &#8211; die gibt es zwar eigentlich nicht, aber die fahren wenigstens mit Strom aus der Steckdose; weiß der Himmel, wie der da reinkommt.<br />
Gut, sagen The Big Four, so machen wir eine Revolution. Die Brennelementsteuer setzen wir einerseits von der Gesamtsteuer ab, und was übrig bleibt, wälzen wir auf die Kunden ab.<br />
Und Frau Merkel freut sich: Steuern hat sie nicht erhöht. Geld kommt trotzdem. Auf Umwegen zwar, aber – wen kümmert’s? Außer den Stromkunden natürlich. Dass die damit nicht einverstanden sind, ist eh klar, da brauchen wir doch gar keine Rücksicht drauf zu nehmen.<br />
Dieses Prinzip ist ausbaufähig, wie wir wohl bald lernen werden. Denn der Öffentlich-rechtliche Rundfunk will bezahlt sein, bitte nicht zu schlecht. Also wird das „Gebühren-Geschäftsmodell“ renoviert. Geht genau so wie beim Strom, nur noch etwas dreister: Jeder Haushalt muss bezahlen, egal, ob er Radio oder Fernsehgerät hat und Öffentlich-rechtliche Sender in Anspruch nimmt oder nicht. Haushaltsbezogen wird bezahlt. Kommt Ihnen wie eine Steuer vor? Nicht doch, bei den meisten Steuern wissen Sie wenigstens, warum und wofür Sie zahlen. Hier nicht. Mehr noch: Für den Gutachter der ÖR-Sender, Herrn Kirchhoff, ist klar: Alles ist Rundfunk. Wenn Sie also E-Mails schreiben oder bekommen, sind sie im Internet. Und Internet ist Rundfunk. Und dafür ist eine Gebühr fällig. Schwarz ist Weiß, blöd ist schlau und Recht ist, was die Mehrheit hat.<br />
So geht der Krug. Und geht, und geht. Bis zur nächsten Wahl. Dann werden Frau Merkel und Herr Westerwelle merken, dass sie mal wieder die „Leistungen der Regierung zu wenig kommuniziert haben“. Und dass das „Volk“ (O-Ton Westerwelle) sich zwar nicht exakt artikulieren kann, aber diffus gemerkt hat, dass es an der Hecke entlang gezogen werden soll. Und dann mal jemand anders wählt.<br />
Fraglich allerdings, ob The Fat Three Gabriel, Nahles und Künast das alles anders machen.</p>
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		<title>Demokratie ohne Demos</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 11:56:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun ist sie vorbei, die Wahl, die keine war (Der Spiegel). Im Nachhinein war es natürlich ein »guter Tag für die Demokratie«, so Claudia Rohth von den Grünen, Schulsprecherin der Nation, wenn auch »nicht besonders elegant«, wie Volker Kauder Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag, einräumte. Und leider ist ja nun nicht Herr Gauck »richtiger« Bundespräsident [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist sie vorbei, die Wahl, die keine war (Der Spiegel). Im Nachhinein war es natürlich ein »guter Tag für die Demokratie«, so Claudia Rohth von den Grünen, Schulsprecherin der Nation, wenn auch »nicht besonders elegant«, wie Volker Kauder Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag, einräumte. Und leider ist ja nun nicht Herr Gauck »richtiger« Bundespräsident geworden, sondern nur »Bundespräsident der Herzen«. Und es erheben sich die Stimmen, die da fordern, man möge den Bundespräsidenten doch direkt »vom Volk« wählen lassen. Aber – warum gerade den? Gäbe es da nicht Wichtigeres zu wählen?</p>
<p><span id="more-577"></span></p>
<p>Bei Licht betrachtet wird in der Bundesrepublik nämlich niemand vom Volk gewählt. Sondern fast alle – Bundespräsident, Bundestagspräsident, Bundesratspräsident, Minister, Abgeordnete – werden von Parteien in eigentümlichen »Wahlen« bestimmt und dann dem Wählervolk präsentiert.<br />
Das geht so:<br />
Sie müssen Mitglied in einer Partei sein. Nicht in irgendeiner, sondern in einer, die wenigstens den Hauch einer Chance hat, in ein Parlament zu kommen. Also bleiben nur CDU, SPD, FDP, Die Grünen und die Linken. Sie müssen bei einer dieser Parteien also richtig mitarbeiten, dann werden Sie vielleicht auf einen Listenplatz gesetzt. Denn: Die Hälfte der Sitze in unseren Parlamenten – Bundestag, Länderparlamente – werden nach Liste besetzt. Jede Partei macht also eine Art Hitparade, wer weit oben steht, hat später eher eine Chance, im jeweiligen Parlament zu sitzen, als der, der ganz unten auf der Liste steht. Glücklicherweise quatscht keiner aus dem Wählervolk dazwischen, wer auf die Liste kommt; das machen die Parteien ganz unter sich aus. Es gäbe natürlich noch die Alternative, sich direkt um einen Wahlkreis zu bemühen und sich dann tatsächlich vom Wählervolk wählen zu lassen. Sehr unsicher. Wagen nicht alle Parteimitglieder. Wäre auch nicht besonders schlau, in einem Wahlkreis anzutreten, wo der Gegner Angela Merkel oder Christian Ströbele heißt – die gewinnen immer das Direktmandat. Dann lieber Liste.<br />
Wenn Sie dann im Parlament sind – nur indirekt über Liste gewählt, kein Mensch im Wählervolk kennt Sie überhaupt -, finden Sie sich in einer Fraktion wieder. Chef der Fraktion ist einer, der nicht gewählt, sondern bestimmt wurde. Der sagt Ihnen als erstes, dass Sie jetzt zu wählen haben, was er Ihnen sagt. Zum Beispiel den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Der oder die wurde parteiintern gewählt. Das heißt: Er kandidierte zu einer Wahl, in der es nur einen Kandidaten oder eine Kandidatin gab. Wollen ausnahmsweise mal zwei kandidieren – schon ist es eine »Krise«. Manchmal wird dann vor der Wahl das Parteiwählervolk befragt. Dann wird der Kandidat gefunden und in der Regel mit über 90 % gewählt. Weiland in der DDR zum Beispiel waren derartige Wahlergebnisse natürlich schlecht. Bei den Parteien ist dasselbe aber gut. Wie der Kandidat überhaupt Kandidat wurde – das ist schwierig zu erklären und liegt manchmal im Dunkel.<br />
Nun, im Bundestag, steht dieser Kandidat, der nun keiner mehr ist, zur Wahl zum Bundeskanzler beziehungsweise Bundeskanzlerin. Die Opposition stellt einen Gegenkandidaten auf, wohl wissend, dass der oder die keine Chance hat. Gibt zum Glück ja den Fraktionszwang, siehe oben. Ist der Kanzler bzw. die Kanzerlin gewählt, bestimmt die ihre Minister – natürlich ohne Wahl, geht da nach diversen Vorgaben – Mann, Frau, evangelisch, katholisch, richtiges Bundesland, wie altgedient in der Partei usw. -, bestimmt auch gleich den Bundestagspräsidenten, und so geht es hurtig weiter. Letzten Endes ist keiner von denen, die nun gewählt sind, tatsächlich vom Volk gewählt.<br />
Dann hätten die Parteien nämlich möglicherweise nichts mehr zu sagen.<br />
Na, dann wenigstens den Bundespräsidenten vom Volk wählen lassen. Aber warum den, hat er doch nichts zu sagen. Köhler hat es ja schließlich auch gemerkt. Wäre auch interessant zu wissen, wer denn den vom Volk zuwählenden Bundespräsidenten-Kandidaten vorschlagen soll.<br />
Am besten die Parteien. Die haben damit Erfahrung.</p>
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		<title>Danaer-Geschenke von Frau Angela</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 18:15:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie erledigt man Gegner? In dem man sie wahrnimmt, dies aber nicht zeigt. Indem man sie beschenkt. Dass sie dann ein hohles Holzpferd in die Mauern ihrer Burgen ziehen, merken sie erst dann, wenn es zu spät ist.

Da gab es z.B. Günther Oettinger. Als er anlässlich des Begräbnisses von Hans Filbinger, Vorgänger im Amt (Baden-Württemberg), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie erledigt man Gegner? In dem man sie wahrnimmt, dies aber nicht zeigt. Indem man sie beschenkt. Dass sie dann ein hohles Holzpferd in die Mauern ihrer Burgen ziehen, merken sie erst dann, wenn es zu spät ist.</p>
<p><span id="more-575"></span></p>
<p>Da gab es z.B. Günther Oettinger. Als er anlässlich des Begräbnisses von Hans Filbinger, Vorgänger im Amt (Baden-Württemberg), einige merkwürdige Sätze von sich gab, durfte er bei Frau Angela antanzen. Danach hatte er Normalmaß. Er kann froh sein, sein Arbeitsenglisch nun als EU-Kommissar für Energie testen zu dürfen – vielleicht verstehen sie ihn ja da.<br />
Roland Koch, wie Oettinger Ministerpräsident eines Bundeslandes, hat nun selbst aufgegeben. Wie vor ihm Friedrich März, wie die Vorgenannten ebenfalls Mitglied des so genannten „Anden-Paktes“. Keine Lust mehr.<br />
Peter Müller steht einem völlig verarmten Bundesland vor, von dem man vier bräuchte, um die Einwohnerzahl von Berlin zu erreichen. Eines der großen Rätsel des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, warum dieser Mann immer in die Mikrofone sprechen darf, wenn man Bürgermeister von Berlin, München, Frankfurt, Hamburg nicht fragt. Ohne Länderfinanzausgleich gäbe es dieses Bundesland überhaupt nicht.<br />
Franz-Josef Jung. Auch nicht mehr da.<br />
Ole von Beust. Versucht in Hamburg den Henning Scherf zu geben. Kann nicht gelingen.<br />
Blieb Christian Wulff. Angeblich der Lieblingsschwiegersohn aller deutschen Frauen.<br />
Wie wird man den los?<br />
Man schenkt ihm das Amt des Bundespräsidenten.<br />
Mal klipp und klar gesagt: Der Bundespräsident hat in diesem Land nichts zu sagen. Er unterzeichnet die Gesetze, die Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Das kann er – gut begründet – auch mal verweigern. Sollte er aber nicht. Er ist nicht der König, als den ihn die Medien im Moment hinstellen.<br />
Wulff wird also nie Bundeskanzler. Merz auch nicht. Oettinger auch nicht. Jung sowieso nicht. Müller erst recht nicht. Koch nun ja auch nicht.<br />
Wer bleibt?<br />
Frau Angela.<br />
Nebenbei ein Lehrstück, das Männer-Netzwerke nichts taugen, und Frauen kein Netzwerk benötigen.</p>
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		<title>Die Griechen und die Kruzifixe</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 06:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. Allerdings hat Herr Kleber bei seiner Zuhörerschaft sehr auf gründliche Kenntnisse in der Prozentrechnung vertraut. Da haben wir hier bei Blogmouse einige Zweifel (PISA!) und werden Herrn Klebers Rede noch einmal kurz erklärend nachvollziehen. Und da wir gerade beim heutigen Journalismus sind, werden wir den auch nicht nur im Großen, sondern auch gleich im Kleinen bewerten. Rating muss sein.</p>
<p><span id="more-573"></span></p>
<p>Das mit dem vielen Geld für Griechenland geht so: Griechenland ist klamm. Geschwindelt haben sie auch und allen arglosen Mit-EU-Staaten griechischen Wein eingeschenkt. Bis zum Abwinken. Nun ist alles rausgekommen und keine Bank der Welt will denen noch Geld geben. Die fixen Mädchen und Jungs in den britischen Rating-Agenturen haben die Griechen erst einmal in den Keller geratet, woraufhin die international agierenden Großbanken die Zinsen für Kredite in für jeden Staat unerreichbare Höhen geschraubt haben. Wohl gemerkt: Rating-Agenturen sind nicht unabhängig.<br />
Kredite mit derartigen Zinsen kann also kein Land verkraften. Griechenland bekäme auf dem so genannten internationalen Geldmarkt Geld nur noch für 13 Prozent. 100 Euro bekommen, 113 zurückzahlen, innerhalb eines Jahres. Da wandten sich die Griechen nun an die EU. Zu der gehört auch Deutschland. Deutschland will helfen.<br />
Das geht so: Da Deutschland nicht in Grund und Boden geratet wurde, bekommt Deutschland auf demselben internationalen Geldmarkt Kredite für 3 % Zinsen. 100 Euro bekommen, nur 103 Euro zurückzahlen. Das Geld zu leihen, dazu wird die KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, ermächtig, auf dem internationalen Geldmarkt. Die KfW ist eine Bank, die nach 1945 eingerichtet wurde, damit die Gelder des Marshal-Planes ordentlich verwaltet werden konnten. Damals gab es nämlich Staaten, allen voran die USA, die den Deutschen Geld leihen wollten, damit diese aus dem selbst angerichteten Desaster wieder herauskommen. Hat ja auch geklappt. Obwohl es damals weit weniger Grund gab, den Deutschen zu helfen, als heute den Griechen.<br />
Aber wir schweifen ab.<br />
Nun leiht sich also die KfW Geld. Insgesamt 22, 4 Milliarden Euro. Das ist eine große Zahl, die wir hier wegen Platzmangel nicht aufschreiben können. Dieses Geld wird nun in drei große Teile geschnitten und in diesem Jahr bekommen die Griechen davon etwas über 8 Milliarden, im nächsten noch mal, im übernächsten den Rest. Das leihen wir großzügigen Deutschen den Griechen. Nicht für 13 %. Aber auch nicht für 3 %. Sondern für 5 %.  Die Griechen müssen der KfW also statt 100 Euro 105 zurückgeben. Das ist viel weniger als 113 Euro. Das sollte zu schaffen sein. Gut, wahre Freundschaft sieht anders aus, aber so lange kennen wir die Griechen ja nun auch wieder nicht. Außerdem heißen da zu viele Leute Odysseus.<br />
In diesem Jahr also rund gerechnet 8 Milliarden. Zu 5 %. Das sind allein in diesem Jahr 400 000 000 Euro, die wir von den Griechen bekommen. 240 Millionen davon gehen an den internationalen Geldmarkt zurück, Sie erinnern sich, die 3 %, den Rest sacken wir, die Deutschen, ein. Und die Griechen zahlen in diesem Jahr für 8 Milliarden Euro Kredit Zinsen, im nächsten für 16 und im dritten Jahr für eben diese 22,4 Milliarden. Hübsches Geschäft für uns. Sollte der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Griechen nicht zahlen, so wird man sich was Neues überlegen müssen. Aber niemand kann in die Zukunft sehen.<br />
Außer denen, die bei BILD und SPON und einigen anderen Medien schreiben dürfen. Dafür können die offensichtlich nicht rechnen. Bei Prozentrechnung gefehlt.<br />
Oder hingen da etwa zu viele Kruzifixe in den Klassenzimmern? Da hat die neue Sozialministerin von Niedersachsen, Frau Aygül Özkan, ja furchtlos drauf hingewiesen. Worauf die Großbuchstaben-Schreiber gleich über sie hergefallen sind, Frau Özkans Chef gleich mit. Wir von Blogmouse erst einmal nicht. Denn wir fragten uns: Hängen denn so viele Kruzifixe in niedersächsischen Klassenzimmern, dass das Lernen der Prozentrechnung verhindert wird? Glücklicherweise haben wir einen Niedersachsen in unserer Redaktion. In vier niedersächsischen Schulen gestählt.<br />
Er berichtet aus den 1960er- und 1970er-Jahren (also noch ein wenig finsterste Adenauer-Zeit!): Zuerst eine katholische Volksschule besucht. In jedem Klassenzimmer ein (1) Kruzifix. Gut, wenn nicht in einer katholischen Grundschule, wo dann. Danach hat unser niedersächsischer Gewährsmann trotzdem die Aufnahmeprüfung eines staatlichen Gymnasiums geschafft. Dort gab es keine Kruzifixe. Auch an den Wänden der anderen beiden  staatlichen Gymnasien, die unser Niedersachse besuchte – und er tat das über viele Jahre gründlich, musterte die nackten Wände zahlloser Klassenzimmer über einen ungebührlich langen Zeitraum -, fanden sich keine Kruzifixe. Offenbar waren Sinn und Zweck von Kruzifixen – von wegen Werte des christlichen Abendlandes &#8211; unbekannt, sonst hätten sie ja eins aufgehängt. Eins in jedem Klassenzimmer.<br />
Unser Niedersachse war schon lange nicht mehr in einem niedersächsischen Schulgebäude. Und keine zehn Pferde werden ihn dahin je zurückbringen.<br />
Aber könnte nicht mal Frau Özkan, vielleicht mit Herrn Wulff gemeinsam, die eine oder andere Schule in Niedersachsen besuchen, um nach den Kruzifixen zu schauen? Sie könnten ja auch ein paar Journalisten mitnehmen. Die müssten dann nicht von selbst darauf kommen, Gerede von der Realität unterscheiden zu lernen.</p>
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		<title>Liebes Schnitzel!</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/politik/liebes-schnitzel/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 14:12:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.


Die Medienlandschaft ist in Bewegung. Das ist sie eigentlich immer, aber viele Jahre ging es nur darum, noch eine Computerzeitschrift auf den Markt zu werfen, noch eine Tageszeitung umzugestalten – Mehr Farbe! Mehr Rat geben! – und noch ein Magazin für Frauen zu lancieren, bis jede noch so [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-369 " style="border: 1px solid black;" title="PrintShow" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/12/PrintShow-300x224.jpg" alt="Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen." width="300" height="224" /></dt>
<h5>Informations-Pool: So viel Sie wollen, was Sie wollen.</h5>
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<p>Die Medienlandschaft ist in Bewegung. Das ist sie eigentlich immer, aber viele Jahre ging es nur darum, noch eine Computerzeitschrift auf den Markt zu werfen, noch eine Tageszeitung umzugestalten – Mehr Farbe! Mehr Rat geben! – und noch ein Magazin für Frauen zu lancieren, bis jede noch so kleine Zielgruppe bedacht ist – 14jährige Mädchen mit Zahnspange und Pferdeallergie bekommen ja schließlich auch Taschengeld. Aber das ist hier nicht gemeint. Es sind auch nicht die Zeitungsverleger vom Schlage Alfred Neven DuMonts gemeint, die irgendwie den Staat mit »ins Boot holen« wollen – das ist hier kein Zitat, denn so sagt das DuMont natürlich nicht.</p>
<p><span id="more-362"></span></p>
<p>Er möchte viel mehr sein Zeitungsimperium behalten, obwohl das längst nicht mehr das einbringt, was es jahrelang einbrachte. Das »unten« sparen, also bei Redakteuren und freien Mitarbeitern, bringt nicht genug, Zentralredaktionen und »Schreiber-Pools« hin oder her, kaufen und lesen will das Zeug wohl auch niemand mehr, und Anzeigen schalten lohnt sich ohnehin nicht. Da soll gefälligst der Staat einspringen. Etwa: Mehrwertsteuer für Zeitungen runter. Schon seltsam, wenn hier ein Unternehmer, dessen »Geschäftsmodell« nicht mehr in seinen Ansprüchen genügender Weise funktioniert, nun weniger Umsatzsteuer zahlen will, der Staat also verzichten soll, was dann andere Unternehmer, die weiterhin für ihre Produkte den vollen Mehrwertsteuersatz nehmen müssen, ausgleichen dürfen. Dass die Verbraucher wegen der hohen Mehrwertsteuer schreien, ist klar, da hört kein Finanzminister hin. Aber warum schreien eigentlich die Unternehmer, deren Produkte weiterhin mit 19 % Umsatzsteuer belegt werden, nicht laut, wenn andere Unternehmer sich bevorzugt behandelt wissen wollen? Wer sitzt hier eigentlich mit wem »im Boot«? Die Unternehmer offensichtlich in zwei Booten.</p>
<p>Aber auch das ist hier nicht mit Bewegung in den Medien gemeint.</p>
<p>Eines Tages bekam man in der Leitung des Montagsmagazins DER SPIEGEL mit, dass es da so eine neue Sache namens Internet gibt. Nach einigen Schreckjahren machte DER SPIEGEL mit SPIEGEL Online – kurz SPON – auch  mit. Man nahm ein paar junge Leute, die man für »Internet-affin« hielt und ließ diese ein an das gedruckte Magazin angelehntes Online-Portal basteln. Geld verdiente man damit zwar nicht, aber irgendwie war das wichtig, so etwas zu haben. Und während die Print-Ausgabe in den Zeitschriftenläden von den wenigen Käufern wegen des auf den Heften liegenden Staubes immer erst kräftig abgepustet werden musste, wurde SPON bekannter und beliebter, bis die Site endlich zu den meist-besuchten deutschen Sites im Netz gehörte und sogar Geld einbrachte. SPON sah nun aber ganz anders aus, als wohl mal beabsichtigt: Während das Print-Magazin nichts mehr darstellt – man erinnere sich: da fand mal richtiger Journalismus statt, Neue Heimat oder HS30 -, versucht SPON, die noch BILD-mäßigere BILD-Zeitung zu sein. Die Zutaten kennt man, sie lassen sich mit ein paar Worten beschreiben: Klamauk, Halbwahres, Nicht-Verstandenes und ein bisschen Sextaner-Erotik. Dazwischen natürlich wichtige Leute wie Boris Becker und Megan Fox.</p>
<p>Und wie lautet die Antwort der BILD Zeitung? Neín, falsch. Nicht dasselbe, bloß noch abgeflachter. Sondern – wie der SPIEGEL in alten Tagen – Aufdeckung von Skandalen auf höchster Ebene. Eine Sache wie die Bomberei in Kundus hätte früher der SPIEGEL aufgedeckt, vielleicht auch der STERN (Wo ist der eigentlich? Liest man da etwa gerade wieder Tagebücher?). Aber das macht heute die BILD Zeitung, dort findet der investigative Journalismus der Neuzeit statt. Vielleicht – Blogmouse weiß das nicht &#8211; wird die Redaktion aus dem Bundesverteidigungsministerium ein bisschen mit »Geschichten« versorgt. Und die kommen jetzt scheibchenweise ans Licht, BILD will ja jeden Tag verkauft werden.</p>
<p>Und was treiben die bürgerlichen Medien? Etwa die ZEIT? Die bringt für Sachsen nunmehr einen ständigen Teil. Hat nur Sachsen. Weil die Sachsen so schlau sind? Weil die Sachsen so blöd sind? Oder warum? Natürlich kann man dahin heikle Themen aus dem Fokus der Bundesausgabe der ZEIT wegschieben. Wie beispielsweise einen Artikel über das neue <a href="http://www.blogmouse.de/politik/schuld-und-suhne/" target="_self">Man-könnte-es-Kitsch-nennen-Paulinum</a> in Leipzig. Ist eine lange Geschichte. Aber die will die ZEIT nicht allen Bürgern der Republik zumuten. Da schickt sie lieber zwei Mitarbeiter zu Tom Waits, Interview. Das liest sich wie ein Satire, die Waits sich selbst ausgedacht hat. Etwa so:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;">Frage: Ihre Songs sind ja dicht bevölkert mit den seltsamsten Figuren, wie man sie im Alltag nicht oft trifft. Ziehen sie auch mal hinaus in die Welt der Geschundenen, um Songs mit Ihren Beobachtungen zu füllen?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Waits: Jemand, der tatsächlich unter einer Brücke lebt, ist nicht unbedingt imstande, einen Song darüber zu schreiben.</p>
</blockquote>
<p>Okay, wir Leser haben kapiert. Die beiden Interviewer nicht, fragen dann nämlich:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;">Aber Sie können sich in die Leute unter der Brücke hineinversetzen?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Waits: Ich verstehe sogar, was Mord ist. Dafür muss ich niemanden umbringen.</p>
</blockquote>
<p>In diesem Moment war er wohl nahe dran. Eigentlich hätten die beiden nun gesenkten Hauptes davonschleichen müssen. Aber sie quatschen weiterhin dummes Zeug (»Eine Ihrer wichtigsten Entscheidungen betraf den Alkohol.«) .</p>
<p>Ja, der Journalismus hat sich auch verändert. Gut, dass Herr DuMont demnächst einen Schreiber-Pool aufmachen will.</p>
<p>Ach so: Falls Sie demnächst wissen wollen, wie man ein Schnitzel brät – fragen Sie nicht das Schnitzel.</p>
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		<title>Am Sonntag gehört Vati &#8230; ja, wem eigentlich?</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 21:55:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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Konsumtempel mit Gleisanschluss: Der Leipziger Hauptbahnhof in der Adventszeit


Es war einmal – da musste die Hausfrau, wenn ihr denn am Sonnabend Abend oder am Sonntag Mittag etwas Zucker, Salz oder Mehl fehlte, zur Nachbarin gehen und fragen – haben Sie, könnten Sie? Das ging immer gut – wenn die eine nicht konnte oder wollte, dann [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-299" style="border: 1px solid black;" title="LeipzigBahnhof" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/12/LeipzigBahnhof-225x300.jpg" alt="Konsumtempel mit Gleisanschluss: Der Leipziger Hauptbahnhof in der Adventszeit" width="225" height="300" /></dt>
<h5>Konsumtempel mit Gleisanschluss: Der Leipziger Hauptbahnhof in der Adventszeit</h5>
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<p>Es war einmal – da musste die Hausfrau, wenn ihr denn am Sonnabend Abend oder am Sonntag Mittag etwas Zucker, Salz oder Mehl fehlte, zur Nachbarin gehen und fragen – haben Sie, könnten Sie? Das ging immer gut – wenn die eine nicht konnte oder wollte, dann wollte oder konnte die andere. Heute ist das anders. Ob besser, werden wir noch sehen.<br />
Denn heute sind die Läden auch am Sonnabend bis wenigstens 20 Uhr geöffnet. Ausreden wie »Leider kann ich keine Eierpfannkuchen machen, Salz, Mehl und Eier sind alle« gelten nicht mehr. Hier und da, etwa im Bahnhof Leipzig, kann man auch am Sonntag Nachmittag Lebensmittel aller erdenklichen Art kaufen. Immer. Das ganze Jahr hindurch.<br />
Heißt dann allerdings nicht Lebensmittel. Sondern Reisebedarf.</p>
<p><span id="more-293"></span></p>
<p>Das treibt seltsame Blüten: Falls Ihnen Sonnabend Nachmittag einfällt, dringend eine USB-Festplatte zu benötigen – kein Problem. Sie marschieren um 19 Uhr 30 bei Saturn ein, und wenige Minuten später können Sie den Laden mit einer Festplatte gewünschter Größe wieder verlassen. Sie wissen sonntags um 14 Uhr 30 nicht, was Sie abends auftischen wollen? Kein Problem: Sie gehen zu Rewe und kaufen 1,2,3 Fertigpizzen. Ist immer noch billiger als der Pizza-Service.<br />
Ob der Einzelhandel wirklich nur überleben kann, weil es diese Möglichkeiten gibt? Dazu hat er nie was gesagt.<br />
Dem munteren Treiben hat das Bundesverfassungsgericht heute, 1. Dezember 2009, einen winzigen Riegel vorgeschoben: Berlin darf in Zukunft seine Läden nicht mehr an allen vier Adventssonntagen geöffnet halten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat denn auch gleich die Befürchtung, dass nun die Leute ihre Fertigpizza nicht mehr in Berlin, sondern in New York oder London kaufen werden. Na, dann muss Berlin eben noch etwas länger quietschen, also sparen, um diesen Verlust auszugleichen. Und das ist auch gut so.<br />
Denn – Wowereit weiß davon nichts – es gibt zwar nicht mehr viele Familien, die sich sonntags um den Adventskranz versammeln wollen. Aber: Dass es sie nicht gibt – könnte es nicht unter anderem daran liegen, weil eben das halbe Wochenende Vati nicht da ist, und die andere Hälfte Mutti nicht da ist, weil sie der »Wirtschaft« zur Verfügung stehen müssen? Klar, es gibt Berufe, da gehört Arbeit Tag und Nacht, Sonnabend und Sonntag dazu: Feuerwehrmann, Arzt, Krankenschwester. Aber muss man am Sonnabend Abend eine Festplatte oder einen LCD-Fernseher kaufen können? Muss man am Sonntag Nachmittag die Möglichkeit haben, eine Flasche Weichspüler, einen Sechser-Träger Bier und zwei Pizzen kaufen zu können?<br />
Könnte natürlich sein, dass der Vati A nur dann Zeit hat, wenn Mutti A zufällig auch Zeit hat, beide also am Sonnabend um 16 Uhr 30 zu Saturn (Media Markt usw.) gehen können, wenn Mutti B gerade dort arbeitet, während Vati B zur selben Zeit bei Obi Spanplatten sägt und deshalb Sprössling B bei Oma B geparkt wurde, damit Vati und Mutti A eine Festplatte kaufen können, denn am nächsten Sonnabend muss Vati A auf der Feuerwache sitzen, während Mutti A bei Bijou Brigitte, 40 Meter von Saturn entfernt, äußerst exklusiven Plastikschmuck an elektrogebräunte Teenager verkaufen muss – oder aufpassen, dass die den nicht klauen -, deshalb  erst am Sonntag Lebensmittel einkaufen kann, denn Vati A kommt erst Sonntag morgens um 6 Uhr von der Arbeit, muss sich dann um die Maulkörbe im Verein für Friedfertige Pitbulls e. V. kümmern, während man sich zur gleichen Zeit im Berliner Abgeordnetenhaus den Kopf darüber zerbricht, wie man dieses Urteil des »ewiggestrigen« BuVerfaGer möglichst raffiniert und gleichzeitig kirchenfreundlich &#8211; »Erhebung der Seele«, bruhaha &#8211;  umgehen kann, liegt Vati B mit Mutti B im Bett, ist aber sehr müde, weil er gerade an seine ab 10 Uhr anzutretende Tätigkeit als Aushilfswachmann bei Bijou Brigitte denkt, wird dabei aber von Sprössling B gestört, der nach Aufenthalt bei Oma B einige Fragen bezüglich Altersarmut hat…<br />
Mit anderen Worten: Wir haben alle zu tun. In Berlin ist das jetzt an vier Sonntagen im Dezember nicht mehr erlaubt. Jedenfalls nicht jedem.<br />
Kaufen wir unsere Festplatte und unsere Pizza eben in New York. Und schicken Herrn Wowereit eine Ansichtskarte von Bloomingdale&#8217;s.</p>
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		<title>Gerechtigkeit am Sonntag</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 14:36:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer.



Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist


Große Worte, gesprochen vom Finanzminister. In einem Interview mit der Bild am Sonntag spricht Wolfgang Schäuble von seinem Eindruck, dass die Banken (manche jedenfalls &#8212; es gibt ja überall schwarze Schafe) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer.</em></p></blockquote>
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<dl id="attachment_249" class="wp-caption image left" style="width: 306px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-249" style="border 1px solid black;" title="WderW" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/sponge-bob-monopoly.jpg" alt="Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist." width="300" height="225" /></dt>
<h5>Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist</h5>
</dl>
</div>
<p>Große Worte, gesprochen vom Finanzminister. In einem Interview mit der Bild am Sonntag spricht Wolfgang Schäuble von seinem Eindruck, dass die Banken (manche jedenfalls &#8212; es gibt ja überall schwarze Schafe) wenig aus der Finanzkrise gelernt hätten:</p>
<blockquote><p><em>Nicht alle haben begriffen, was da schiefgelaufen ist und dass man so nicht weitermachen kann. Da haben viele den Unterschied zwischen einem gesunden Egoismus und Gier nicht verstanden. Diese Raffgier zerstört alles, und mich stimmt sehr nachdenklich, dass sie schon wieder um sich greift.</em></p></blockquote>
<p><span id="more-237"></span>Darauf wäre der normale Bürger sicher auch allein gekommen. Aber dann kommt der Salto Mortale, dessen Beherrschung den Erfolgreichen vom Nicht-ganz-so-Erfolgreichen unterscheidet: Schäuble appelliert an die Banken, doch bitte die staatlichen Bankenrettungsfonds in Anspruch zu nehmen. Kreditklemme und so. Pfff&#8230;</p>
<p>Richtig staunen kann man, als das Gespräch auf die längst wieder maßlosen Boni kommt. Denn virtuos beherrscht Schäuble auch den circulus vitiosus<strong>:</strong> Wer Erfolg hat, bekommt dicke Boni. Wer dicke Boni bekommt ist ein Erfolgreicher (klar doch). Und dann die Nummer mit der Verantwortung:</p>
<blockquote><p><em>Aber die Erfolgreichen haben auch eine besondere Verantwortung den Nicht-so-Erfolgreichen gegenüber: Sie müssen vermitteln, dass dieses System fair und gerecht ist.</em></p></blockquote>
<p>Es kommt also nicht darauf an, ein gerechtes und faires System zu <em>haben</em>, sondern lediglich zu <em>vermitteln</em>, dass es so sei. Warum nicht, es ist ja letzten Endes auch egal, ob ich tatsächlich frei bin oder mich nur(?) frei fühle. Anrüchig wird die Sache allerdings, wenn die Vermittler ausgerechnet jene sind, die über einen »gesunden Egoismus« hinaus von diesem System profitieren. Was heißt anrüchig &#8212; mir stinkt&#8217;s.</p>
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		<title>Schuld und Sühne</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 20:08:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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Leider noch nicht fertig: das Paulinum in Leipzig


Wer als Nicht-Leipziger und unbelastet von Vorwissen die viel gerühmte und tatsächlich schöne Leipziger Innenstadt vom Augustusplatz her betreten will, wird sich irritiert fragen: Was ist das denn? Was will das sein? Wuchtig und raumgreifend steht er da, der am heftigsten umstrittene Neubau Leipzigs seit der Wiedervereinigung. Das [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-67" style="border: 1px solid black;" title="Paulinum7" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/Paulinum7-224x300.jpg" alt="Leider noch nicht fertig: das Paulinum " width="224" height="300" /></dt>
<h5>Leider noch nicht fertig: das Paulinum in Leipzig</h5>
</dl>
</div>
<p>Wer als Nicht-Leipziger und unbelastet von Vorwissen die viel gerühmte und tatsächlich schöne Leipziger Innenstadt vom Augustusplatz her betreten will, wird sich irritiert fragen: Was ist <em>das</em> denn? Was will das sein? Wuchtig und raumgreifend steht er da, der am heftigsten umstrittene Neubau Leipzigs seit der Wiedervereinigung. Das »Paulinum« ist ein Mehrzweckbau der besonderen Art: Kirche, Aula, Konzerthalle &#8212; all in one. Leider nicht ganz fertig geworden bis zum Festakt, mit dem die Universität Leipzig in diesem Herbst ihr 600-jähriges Bestehen begeht. Schuld ist (mal wieder) die Krise, die den beauftragten Architekten in die Pleite gestürzt hat.</p>
<p>Apropos Schuld. <span id="more-3"></span>Dass das Gebäude überhaupt errichtet wurde, hat mit Schuld zu tun. Um nicht zu sagen mit Sühne. An eben dieser Stelle &#8212; zwischen Augustusplatz und Innenstadt &#8212; wurde am 30. Mai 1968 die Paulinerkirche in die Luft gesprengt, ebenso das daran angrenzende Augusteum, das ehemalige Hauptgebäude der Universität. Man brauchte Platz für neue Universitätsbauten, in denen junge Menschen zu nützlichen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft herangebildet werden sollten. »Das Ding muss weg«, soll Walter Ulbricht gesagt haben, als er von der benachbarten Oper aus Studenten aus der Paulinerkirche strömen sah.</p>
<p>Das Ding kam weg. Die Forderung nach dem Wiederaufbau folgte auf dem Fuß. Lange Zeit dürfte die Empörung weit größer gewesen sein als die Hoffnung. Und ja: öffentliche Empörung erforderte anfangs Mut; Hoffnung zu haben, grenzte an ein Wunder. Auch nach der Wende war es keine ausgemachte Sache, den Akt der Barbarei durch einen Neubau zu sühnen. Von Januar 1990 bis Juli 1998 hatte ich als junge Wissenschaftlerin mein Büro in jenem hässlichen Flachbau, der an der Stelle des Augusteums errichtet worden war und der im neuen Jahrtausend &#8212; Auge um Auge, Stein um Stein &#8212; abgerissen wurde, um seinerseits Platz zu machen für etwas Neues.</p>
<p>Und jetzt steht sie da, die Paulinerkirche &#8230; Universitätskirche? Oder wie? Nein, eine Kirche ist es nicht, was da nach so viel Streit am Augustusplatz entstanden ist. Dass das neue Ding nach außen hin so tut, macht die Sache erst schlimm. Die »gotische« Betonhülle beherbergt einen Andachtsraum und die Aula, beides sauber getrennt durch eine Glaswand. Ein Kompromiss also, der trennt anstatt zu verbinden. Ein Gottesdienst wird hier nie stattfinden, trotzdem &#8212; oder gerade deshalb &#8212; steht die Frage im Raum, was das neue Ding in einer Stadt mit mehrheitlich nichtchristlicher Bevölkerung eigentlich soll. Von einem »Erinnerungsort« sprechen die einen, von einem »Sühnebau« die anderen. Beide Gruppen werden nie zueinander finden, und das liegt nicht an der Glaswand.</p>
<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_97" class="wp-caption image left" style="width: 234px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-97" style="border: 1px solid black;" title="Trümmerberg" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/pauli.jpg" alt="Holzstele am Stadtrand " width="224" height="300" /></dt>
<h5>Holzstele am Stadrand. Letztes Jahr gab es noch eine Messingtafel, hinzugekommen ist seitdem das »Graffitti«. In Höhe des I&#8217;s ist noch die Jahreszahl 1968 zu erkennen.</h5>
</dl>
</div>
<p>Wie erinnert man an vergangenes Unrecht auf angemessene, das heißt respektvolle und zugleich eindringliche Weise? Auch ich weiß nicht, wie das geht, im Allgemeinen. Aber im Falle der Paulinerkirche weiß ich, wo der wahre Erinnerungsort liegt. Es ist ein unscheinbares Hügelchen am Stadtrand von Leipzig, ganz in der Nähe eines anderen, kolossal missglückten Erinnerungsbaus. Das Hügelchen war nicht immer da, erst seit 1968. Inzwischen üppig bewachsen ist es das, was nach der Sprengung von der Paulinerkirche übrig blieb. Über die Sache wächst kein Gras, aber auf dem Hügelchen wachsen Brombeeren.</p>
<p>51° 18.505&#8242; N<br />
12° 25.512&#8242; E</p>
<p><strong>Zur Geschichte der Paulinerkirche<br />
</strong></p>
<p><strong>Um 1230</strong> siedelten sich in Leipzig Dominikanermönche an. Die Dominikaner gehörten zu den Bettelorden; sie fühlten sich einem Leben in Armut verpflichtet und bestritten ihren Lebensunterhalt durch Arbeit, Schenkungen und eben Betteln. Für die Klosterkirche St. Pauli (»Paulinerkirche«) wurde ihnen von der Stadt ein Bauplatz dicht an der Stadtmauer, nahe des Grimmaschen Tors, zur Verfügung gestellt. Die Kirchweihe erfolgte 1240.</p>
<p><strong>Im Jahr 1409</strong> wurde die Universität Leipzig gegründet, deren Geschichte seither eng mit der der Paulinerkirche verknüpft ist. Über mehrere Jahrhunderte hinweg fanden dort bedeutende Universitätsangehörige ihre letzte Ruhestätte.</p>
<p><strong>1539</strong> wurde im Zuge der Reformation der Dominikanerkonvent aufgelöst. Gegen den Einspruch der Stadt Leipzig übereignete Herzog Moritz von Sachsen der Universität die gesamte Klosteranlage.</p>
<p><strong>1545</strong> wurde die Paulinerkirche von Martin Luther als evangelische Universitätskirche geweiht. Seitdem wurde die Kirche sowohl für  Gottesdienste als auch für akademische Festakte genutzt.</p>
<p><strong>1710</strong> erhielt die Paulinerkirche die Erlaubnisse öffentliche Gottesdienste abzuhalten.</p>
<p><strong>1813, </strong>während der Völkerschlacht, diente die Kirche als Lazarett und Gefangenenlager.</p>
<p><strong>1836</strong> wurde das Augusteum fertiggestellt, das Hauptgebäude der Universität, das sich links an die Paulinerkirche anschloss und mit dieser bis zur Sprengung beider Gebäude ein harmonisches Ensemble bildete.</p>
<p>Am <strong>4. Dezember 1943</strong> erlebte Leipzig den schwersten Bombenangriff. Die Paulinerkirche wurde im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden am Augustusplatz nur leicht beschädigt.</p>
<p>Seit <strong>Mitte der 1950er-Jahre</strong> existierten Pläne einer sozialistischen Umgestaltung des Platzes vor der Paulinerkirche. Kirche und Augusteum passten nicht in diese Pläne.</p>
<p>Am <strong>20. Mai 1968</strong> wurden Kirche und Augusteum gesprengt.</p>
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