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	<title>Blogmouse &#187; Wissen</title>
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	<description>Unabhängig. Parteiisch. So frech wie nötig</description>
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		<title>Fehler vs. Täuschung</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:21:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ein paar Tagen war zu lesen, dass wir immer noch Einzeller wären, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, Fehler zu machen. Hätten sich die Einzeller via Fortpflanzung exakt kopiert, wären sie immer noch Einzeller. So aber, mit der Möglichkeit, in die DNA auch ein paar Fehler einzuschleusen, wurden sie zu Zweizellern, Dreizellern usw. bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen war zu lesen, dass wir immer noch Einzeller wären, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, Fehler zu machen. Hätten sich die Einzeller via Fortpflanzung exakt kopiert, wären sie immer noch Einzeller. So aber, mit der Möglichkeit, in die DNA auch ein paar Fehler einzuschleusen, wurden sie zu Zweizellern, Dreizellern usw. bis sie zu jenen Milliarden-Billionen-Zellern wurden, die ein Ding im Kopf herumtragen, das von sich behauptet »Ich« zu sein, aber jeder Zeit in der Lage ist, dies zu bestreiten.<br />
Ganz klar also: Fehler können durchaus zu etwas Gutten…, ähh, Gutem führen.</p>
<p><span id="more-634"></span></p>
<p>Fehler könne aber auch dazu verleiten, stundenlang über deutsche Promotionsordnungen, die Berechtigung, einen akademischen Titel zu tragen – gehört zum Namen? Oder vielleicht doch nicht? –, wie viel ein deutscher Professor verdient (A13? Oder doch mehr?), ob alle Doktors Fälscher oder wenigstens Abschreiber sind und vieles mehr nachzudenken.<br />
Und gut, dass es das Internet gibt, Hort der Wahrung des Urheberrechts, denn dort hat man Erfahrung mit Kopieren, ohne zu fragen, wem das gehört, was man da kopiert.<br />
Also schnell selbst ein Wiki aufgesetzt, auf dem man mal alle Plagiate in Karl Theodor zu Guttenbergs Diss listet, man hat ja sonst nichts zu tun. Bald hat man zig, ach was, hunderte Plagiate in KTs Arbeit gefunden. Inzwischen ist schon klar,  dass Worte wie »der«, »die«, »das« oder »und« eindeutig Kopien aus anderen Texten sind – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist ja einzusehen, dass ein Wort wie »Gründungswillen« nicht jedem Gehirn einfallen kann, dazu muss man schon Jura studiert haben, und wer es verwendet, kann es nur seinem Urheber wegkopiert haben. Das Wort weist ja schließlich eine gewisse »Schöpfungshöhe« &#8211; ja, so reden sie, die Juristen – auf. Aber hätte unser Verteidigungsminister nicht selbst ein paar Worte erfinden können?<br />
Hat er nicht gemacht. Er hat noch nicht einmal gewusst, dass man in einer ansonsten zusammengeklauten Arbeit wenigstens die Einleitung selbst schreibt – denn wenn die Gutachter auch sonst nichts lesen, die Einleitung lesen sie allemal (vielleicht nicht gerade in Bayreuth). Es ist also ein wenig fraglich, ob diese Zellteilerei, damals bei den Einzellern, wirklich so erfolgreich war. Ist es ein sicherer Weg, Fehler zu machen, damit genug Zellen im Oberstübchen landen? Oder war die Evolution auf dem Holzweg, ausgerechnet das Konzept »Fehler« zum Motor des Forschritts zu machen? Ist der Mensch gegenüber dem Einzeller ein Fortschritt? Stellt der Jurist an sich einen weiteren Fortschritt oder einen Rückschritt dar?<br />
Und da stellen sich gleich weitere Fragen, deren Antworten wir nirgends kopieren können: Ist eine Täuschung oder ein Plagiat immer ein Fehler? Oder nur dann, wenn sie respektive es entdeckt wurde? Hätte die Evolution auch nur mit Täuschungen funktionieren können? Mit Fehlern funktioniert es zugegebenermaßen nun auch nicht so toll, aber man kommt ja klar. Kann der Zellhaufen unter der Schädeldecke verlauten lassen – und sogar eine Unterschrift veranlassen –, er werde nicht täuschen, wenn derselbe Zellhaufen schon längst beschlossen hat, dafür massenhaft »Fehler« zu machen? Ist nicht schon das eine Täuschung? Oder ist das ein Fehler? Oder vielleicht beides? Oder einfach – unser Zellhaufen zwischen den Ohren macht gerade, was er will – einfach nur: dumm (1)?<br />
Aber da türmen sich schon neue Fragen auf: Passt »dumm« besser zu »Fehler« oder besser zu »Täuschung«? Und wie passt das Wort dumm zu dem Wort »Verteidigungsminister«?</p>
<p>(1) Das Wort »dumm« wurde in diesem Fall entnommen: Tucholsky, Kurt: Kluge Leute können sich dumm stellen. Das Gegenteil ist schwieriger.</p>
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		<title>Endlich: Medizinstudium für alle</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/wissen/endlich-medizinstudium-fur-alle/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 10:52:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jahrzehntelang war die Sache klar: Landete man als Gymnasiast mit seiner Abiturnote zwischen 1 und 2, musste man Medizin studieren. Ansonsten wäre man für blöd erklärt worden, Zweifel an der Berechtigung der Abiturnote inbegriffen. Nun hat man bei Schwarz-Gelb herausgefunden, dass man auch mit einer Abiturnote 2 oder 3 ein Mensch sein … ähh, ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jahrzehntelang war die Sache klar: Landete man als Gymnasiast mit seiner Abiturnote zwischen 1 und 2, musste man Medizin studieren. Ansonsten wäre man für blöd erklärt worden, Zweifel an der Berechtigung der Abiturnote inbegriffen. Nun hat man bei Schwarz-Gelb herausgefunden, dass man auch mit einer Abiturnote 2 oder 3 ein Mensch sein … ähh, ein guter Arzt werden kann. Man könnte die üble Beurteilung ja durch eine vorgeschaltete Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Rettungssänitäter ausgleichen oder auch durch ein absolviertes Studium (Note egal) in Biologie oder Philosophie. Im Gegenzug müsste der Studierwillige bereit sein, zunächst als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten.<br />
Wir bei Blogmouse haben uns Gedanken gemacht, wie dies alles in nützlichen Einklang gebracht werden kann. </p>
<p><span id="more-524"></span></p>
<p>Es ist klar, dass eine Abiturnote von 1, dazu eine Rettungssanitäterausbildung und ein Biologiestudium nicht in, sagen wir: Güstrow (Meck-Pomm) enden können. Umgekehrt darf man sich mit Abi 3, abgebrochener Sanitäterausbildung und ohne Philosophiestudium keine Hoffnung auf eine Orthopädische Praxis in Berlin-Dahlem machen. Aber eine sinnvolle Kombination der Ausbildungsgänge kann direkt zum gewünschten Aufenthaltsort führen. Hier der erste Versuch einer Entscheidungstabelle für Gymnasiasten 11. und 12. Klasse &#8211; danach ist eh alles zu spät, dann muss man sich eben an den Aufenthaltsort gewöhnen, den die Vorleistungen erlauben.</p>
<p><BR></BR></p>
<p>Abi 1+Bundeswehr+Rettungssanitäter (Rotes Kreuz)+Biologie = Berlin-Dahlem<br />
Abi 1+Bundeswehr+Rettungssanitäter = Berlin Charlottenburg, Hamburg-Blankenese, München-Grünewald<br />
Abi 1+Bundeswehr = Berlin Weißensee<br />
Abi 1 = Frankfurt, Stuttgart, Berlin (Märkisches Viertel)<br />
Abi 2+Bundeswehr+Rettungssanitäter (Rotes Kreuz)+Biologie = Freiburg<br />
Abi 2+Bundeswehr+Rettungssanitäter = Bielefeld<br />
Abi 2+Bundeswehr = Dresden, Leipzig<br />
Abi 2 = Pforzheim, Jena<br />
Abi 3+Bundeswehr+Rettungssanitäter (Rotes Kreuz) = Braunschweig, Erfurt<br />
Abi 3+Bundeswehr+Rettungssanitäter = Schweinfurt, Rottweil, Gera<br />
Abi 3+Bundeswehr = Wilhelmshaven, Greifswald<br />
Abi 3 = Parchim, Zeitz, Pförtner Charité<br />
Abi 4 = Unbezahlter Statist (vier Wochen) bei „In aller Freundschaft“, alternativ Praktikant (drei Jahre) bei Herrn Minister Dr. Rösler</p>
<p><BR></BR></p>
<p>Weibliche Bewerber lesen statt Bundeswehr bitte Freiwilliges Soziales Jahr und für Rettungssanitäter Krankenschwester oder Altenpflegerin.<br />
Blogmouse wird weiter an dieser Entscheidungshilfe arbeiten, um die Frage, wieso ein Ärztemangel befürchtet wird, auf dem platten Lande sogar schon Realität ist, gleichzeitig aber im Fach Medizin vier Bewerber zu nur einem Ausbildungsplatz drängeln, zu einer überflüsssigen zu machen.</p>
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		<title>Alle Schwäne sind grau. Oder rot.</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/wissen/alle-schwane-sind-grau-oder-rot/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 09:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen lud der Zeitschriftenverleger Dr. Hubert Burda (Focus, Mein schöner Garten, Freizeit Revue) zu seiner jährlich stattfindenden Konferenz »Digital, Life, Design« ein. Da treffen sich immer Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler und Internetpioniere, um über die großen Zukunftsthemen zu sprechen. Dieses Mal war auch Internetpionier Jimmy Wales mit dabei, der der »Süddeutschen Zeitung« ein Interview [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Vor einigen Tagen lud der Zeitschriftenverleger Dr. Hubert Burda (Focus, Mein schöner Garten, Freizeit Revue) zu seiner jährlich stattfindenden Konferenz »Digital, Life, Design« ein. Da treffen sich immer Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler und Internetpioniere, um über die großen Zukunftsthemen zu sprechen. Dieses Mal war auch Internetpionier Jimmy Wales mit dabei, der der »Süddeutschen Zeitung« ein Interview gab. Er wurde zu diesem und jenem gefragt, nutzte aber wie immer die Gelegenheit, sein Baby, die Wikipedia, ins rechte Licht zu rücken. Das muss man sich genauer ansehen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Natürlich weiß er genau, worum es bei Enzyklopädien geht:</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Wir wollen die verschiedenen Blickwinkel ausbalancieren.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Auf den Einwand des Interviewers, dass es gerade im Netz</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Für jede Ideologie einen Ort [gäbe], an dem diese als objektiv oder neutral verkauft wird</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Bringt Wales ein interessantes Beispiel, wie dies alles zu verstehen sei:</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Gruppen, deren Mitglieder kulturell und ideologisch ähnlich ticken, werden häufig Fehler machen. Sie haben einen blinden Fleck. 1920 kämpften Polen und Litauen an der Memel gegeneinander. Die Wikipedia-Einträge in den beiden Sprachen zeigten für dieses Ereignis komplett entgegengesetzte Perspektiven. Das Faszinierende: Durch den englischsprachigen Artikel, der beide Sichtweisen diskutiert, wurden auch die Einträge in der polnischen und litauischen Wikipedia besser, weil die Autoren den jeweils anderen Standpunkt kennen lernten. Die Verfasser der ursprünglichen Artikel wollten keine Geschichtsklitterung betreiben – sie hatten ihr Wissen einfach in der Schule gelernt.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Lassen wir beiseite, dass wir unseren jeweiligen nationalen Schulen also nicht trauen können. Lassen wir mal beiseite, dass ein polnischer oder litauischer Wikipedia-Autor sein Wissen offensichtlich nur über eine Schwester-Wikipedia wie die englische bezieht; oder beziehen sollte – oder was meint Wales hier? Betreibt die Wikipedia – gleichgültig welcher Nation &#8211; »neutrale« Forschung, was immer das sein könnte? Oder woher haben die englischen Wikipedia-Autoren ihre Weisheit? Eventuell aus der Britannica abgeschrieben?</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Und was bedeutet das für den Wikipedia-Benutzer? Will der beispielsweise etwas über den Vietnam-Krieg erfahren, sollte er tunlichst die amerikanische und die vietnamesische Wikipedia meiden? Kann man über bestimmte Dinge so lange und so breit disktuieren, bis eine Art »Konsens« gefunden wurde, der fortan als »wahr« anzusehen ist?</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Bei Wales liest sich das so:</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Eines der spannendsten Dinge an Wikipedia ist, dass es ein Treffpunkt ist: Kleine Gruppen debattieren ein Thema mit dem Ziel, sich darüber zu einigen, was Neutralität ist. Deshalb sind manchmal Diskussionen interessanter als der Eintrag selbst.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Noch viel interessanter wäre die Frage, wie sich diese kleinen Gruppen zusammensetzen. Sind das Leute, die da nur mitreden wollen, oder sind da auch Leute, die tatsächlich mitreden können? Kann man über jedes Thema diskutieren? Kann man die Frage, ob sich die Sonne um die Erde dreht, oder ob es vielleicht doch umgekehrt ist, in einer kleinen Gruppe diskutieren, bis ein Konsens gefunden ist? Hat die Wikipedia überhaupt die Möglichkeit, Erkenntnisse zu gewinnen – oder ist es nicht viel mehr ein Ort, wo gesicherte und nachprüfbare Erkenntnisse gesammelt werden – wie bei jeder andern, jeder professionellen Enzyklopädie. Ein Enzyklopädie hat grundsätzlich nicht die Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen – sie hat den wissenschaftliche Stand zu dokumentieren.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Ein einfaches – und zugegebenermaßen: polemisches – Beispiel dazu.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Ein Autor der Wikipedia behauptet, alle Schwäne seien weiß. Ein anderer sagt, dass alle Schwäne schwarz seien. Beide pochen auf ihre Erfahrung. Der eine hat tatsächlich noch nie einen weißen, der andere noch nie einen schwarzen Schwan gesehen. Augenzeugen. Für sich genommen haben beide Recht. Der Artikel wird in einer kleinen Gruppe diskutiert. Alle Gruppenmitglieder haben sich – wie in den Wikipedias üblich – ein Pseudonym gegeben. Über ihre Fachkenntnisse müssen die Mitglieder der Gruppe keine Auskunft geben. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten für das Ziel der Neutralität:</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">1. Es gibt tatsächlich nur weiße Schwäne</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">2. Es gibt tatsächlich nur schwarze Schwäne</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">3. Es gibt schwarze und weiße Schwäne</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">4. Es gibt nur graue Schwäne</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Ein Witzbold versichert ernsthaft und glaubwürdig, er habe schon rote Schwäne gesehen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Die Diskussionsteilnehmer einigen sich darauf, dass es nur graue Schwäne gibt, diese allerdings in sehr unterschiedlichen Schattierungen und außerdem sind hier und da auch rote Schwäne anzutreffen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Offensichtlich, dass das kompletter Blödsinn ist. So werden wissenschaftliche Kenntnisse nicht gewonnen. Aber es gibt natürlich sehr viele Themen, bei denen das genau so passiert.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Die Administratoren der Wikipedia haben versucht, diesem zu begegnen: Es gibt mittlerweile kaum noch einen Artikel in der deutschen wie der englischen Wikipedia, dem nicht die Mahnung vorangestellt ist, doch bitte für Quellen zu sorgen. Die Administratoren sind da also schon weiter als Wales: Sie trauen der Diskussion in der kleinen Gruppe schon lange nicht mehr. Anders gesagt: Du kannst in der Wikipedia behaupten und schreiben, was du willst, so lange du einen Gewährsmann (Quelle) hast – Dir, lieber Freund, glauben wir nicht.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">So werden Quellen angegeben: Der zugegebenermaßen sehr lange Artikel über die britische Rockband Pink Floyd hat fast 300 Quellenangaben; der deutsche knapp 60. Quellenkritik – das A und O der Geisteswissenschafen – findet allerdings nicht statt: Ein großer Teil der Quellenangaben in der englischen Wikipedia bezieht sich auf ein Buch des Schlagzeugers von Pink Floyd; andere Bandmitglieder kommen im Quellenverzeichnis nicht vor. Neutral? Hätte man in Wales obigem Beispiel nur die Ansicht der Litauer bzw. der Polen gelten lassen können? Noch anders in der deutschen Wikipedia: Hier wird z. B. auch auf das bekannte Rock-Lexikon des Rowohlt Verlages verwiesen. Die Autoren dieses Lexikons benutzen aber selbst die Wikipedia als eine ihrer Quellen. Klar gesagt: Im Sinne eines Erreichens von »Neutralität« oder gar »Objektivität« sind derartige Quellen wertlos. Objektivität ist dem Menschen unmöglich, Neutralität ein unerfüllbarer Wunschtraum.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">Was erreichbar ist, ist Konsens. Auf diesem Weg ist die Wikipedia allerdings schon sehr weit vorangekommen. Hieß es früher »Steht im Brockhaus«, so muss heute die Wikipedia ins Kalkül gezogen werden: Sie können als Individuum durchaus etwas ganz genau wissen – durchsetzen müssen Sie es inzwischen in einer kleinen Diskussionsgruppe in der Wikipedia. Die Anpassung des Wissens an die Vorgaben der Wikipedia ist im Internet übrigens schon sichtbar.</div>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow-x: hidden; overflow-y: hidden;">So kann es tatsächlich eines Tages geklärt sein, ob die beiden Känguruhs von Noahs Arche schwimmend oder über das Wasser springend nach Australien gekommen sind – vielleicht haben sie auch einfach eines der Rettungsboote benutzt. Können wir alles diskutieren, findet sich bestimmt ein neutraler, objektiver Standpunkt.</div>
<p>Vor einigen Tagen lud der Zeitschriftenverleger Dr. Hubert Burda (Focus, Mein schöner Garten, Freizeit Revue) zu seiner jährlich stattfindenden Konferenz »Digital, Life, Design« ein. Da treffen sich immer Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler und Internetpioniere, um über die großen Zukunftsthemen zu sprechen. Dieses Mal war auch Internetpionier Jimmy Wales mit dabei, der der »Süddeutschen Zeitung« ein Interview gab. Er wurde zu diesem und jenem gefragt, nutzte aber wie immer die Gelegenheit, sein Baby, die Wikipedia, ins rechte Licht zu rücken. Das muss man sich genauer ansehen.</p>
<p><span id="more-485"></span></p>
<p>Natürlich weiß er genau, worum es bei Enzyklopädien geht:</p>
<blockquote><p>Wir wollen die verschiedenen Blickwinkel ausbalancieren.</p></blockquote>
<p>Auf den Einwand des Interviewers, dass es gerade im Netz</p>
<blockquote><p>für jede Ideologie einen Ort [gäbe], an dem diese als objektiv oder neutral verkauft wird</p></blockquote>
<p>bringt Wales ein interessantes Beispiel, wie dies alles zu verstehen sei:</p>
<blockquote><p>Gruppen, deren Mitglieder kulturell und ideologisch ähnlich ticken, werden häufig Fehler machen. Sie haben einen blinden Fleck. 1920 kämpften Polen und Litauen an der Memel gegeneinander. Die Wikipedia-Einträge in den beiden Sprachen zeigten für dieses Ereignis komplett entgegengesetzte Perspektiven. Das Faszinierende: Durch den englischsprachigen Artikel, der beide Sichtweisen diskutiert, wurden auch die Einträge in der polnischen und litauischen Wikipedia besser, weil die Autoren den jeweils anderen Standpunkt kennen lernten. Die Verfasser der ursprünglichen Artikel wollten keine Geschichtsklitterung betreiben – sie hatten ihr Wissen einfach in der Schule gelernt.</p></blockquote>
<p>Lassen wir beiseite, dass wir unseren jeweiligen nationalen Schulen also nicht trauen können. Lassen wir mal beiseite, dass ein polnischer oder litauischer Wikipedia-Autor sein Wissen offensichtlich nur über eine Schwester-Wikipedia wie die englische bezieht; oder beziehen sollte – oder was meint Wales hier? Betreibt die Wikipedia – gleichgültig welcher Nation &#8211; »neutrale« Forschung, was immer das sein könnte? Oder woher haben die englischen Wikipedia-Autoren ihre Weisheit? Eventuell aus der Britannica abgeschrieben?</p>
<p>Und was bedeutet das für den Wikipedia-Benutzer? Will der beispielsweise etwas über den Vietnam-Krieg erfahren, sollte er tunlichst die amerikanische und die vietnamesische Wikipedia meiden? Kann man über bestimmte Dinge so lange und so breit disktuieren, bis eine Art »Konsens« gefunden wurde, der fortan als »wahr« anzusehen ist?</p>
<p>Bei Wales liest sich das so:</p>
<blockquote><p>Eines der spannendsten Dinge an Wikipedia ist, dass es ein Treffpunkt ist: Kleine Gruppen debattieren ein Thema mit dem Ziel, sich darüber zu einigen, was Neutralität ist. Deshalb sind manchmal Diskussionen interessanter als der Eintrag selbst.</p></blockquote>
<p>Noch viel interessanter wäre die Frage, wie sich diese kleinen Gruppen zusammensetzen. Sind das Leute, die da nur mitreden wollen, oder sind da auch Leute, die tatsächlich mitreden können? Kann man über jedes Thema diskutieren? Kann man die Frage, ob sich die Sonne um die Erde dreht, oder ob es vielleicht doch umgekehrt ist, in einer kleinen Gruppe diskutieren, bis ein Konsens gefunden ist? Hat die Wikipedia überhaupt die Möglichkeit, Erkenntnisse zu gewinnen – oder ist es nicht viel mehr ein Ort, wo gesicherte und nachprüfbare Erkenntnisse gesammelt werden – wie bei jeder andern, jeder professionellen Enzyklopädie. Ein Enzyklopädie hat grundsätzlich nicht die Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen – sie hat den wissenschaftliche Stand zu dokumentieren.</p>
<p>Ein einfaches – und zugegebenermaßen: polemisches – Beispiel dazu.</p>
<p>Ein Autor der Wikipedia behauptet, alle Schwäne seien weiß. Ein anderer sagt, dass alle Schwäne schwarz seien. Beide pochen auf ihre Erfahrung. Der eine hat tatsächlich noch nie einen weißen, der andere noch nie einen schwarzen Schwan gesehen. Augenzeugen. Für sich genommen haben beide Recht. Der Artikel wird in einer kleinen Gruppe diskutiert. Alle Gruppenmitglieder haben sich – wie in den Wikipedias üblich – ein Pseudonym gegeben. Über ihre Fachkenntnisse müssen die Mitglieder der Gruppe keine Auskunft geben. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten für das Ziel der Neutralität:</p>
<p>1. Es gibt tatsächlich nur weiße Schwäne</p>
<p>2. Es gibt tatsächlich nur schwarze Schwäne</p>
<p>3. Es gibt schwarze und weiße Schwäne</p>
<p>4. Es gibt nur graue Schwäne</p>
<p>Ein Witzbold versichert ernsthaft und glaubwürdig, er habe schon rote Schwäne gesehen.</p>
<p>Die Diskussionsteilnehmer einigen sich darauf, dass es nur graue Schwäne gibt, diese allerdings in sehr unterschiedlichen Schattierungen und außerdem sind hier und da auch rote Schwäne anzutreffen.</p>
<p>Offensichtlich, dass das kompletter Blödsinn ist. So werden wissenschaftliche Kenntnisse nicht gewonnen. Aber es gibt natürlich sehr viele Themen, bei denen das genau so passiert.</p>
<p>Die Administratoren der Wikipedia haben versucht, diesem zu begegnen: Es gibt mittlerweile kaum noch einen Artikel in der deutschen wie der englischen Wikipedia, dem nicht die Mahnung vorangestellt ist, doch bitte für Quellen zu sorgen. Die Administratoren sind da also schon weiter als Wales: Sie trauen der Diskussion in der kleinen Gruppe schon lange nicht mehr. Anders gesagt: Du kannst in der Wikipedia behaupten und schreiben, was du willst, so lange du einen Gewährsmann (Quelle) hast – Dir, lieber Freund, glauben wir nicht.</p>
<p>So werden Quellen angegeben: Der zugegebenermaßen sehr lange Artikel über die britische Rockband <a href="http://www.roxikon.de/rock/rock-formationen/pink-floyd/" target="_blank">Pink Floyd</a> hat fast 300 Quellenangaben; der deutsche knapp 60. Quellenkritik – das A und O der Geisteswissenschafen – findet allerdings nicht statt: Ein großer Teil der Quellenangaben in der englischen Wikipedia bezieht sich auf ein Buch des Schlagzeugers von Pink Floyd; andere Bandmitglieder kommen im Quellenverzeichnis nicht vor. Neutral? Hätte man in Wales obigem Beispiel nur die Ansicht der Litauer bzw. der Polen gelten lassen können? Noch anders in der deutschen Wikipedia: Hier wird z. B. auch auf das bekannte Rock-Lexikon des Rowohlt Verlages verwiesen. Die Autoren dieses Lexikons benutzen aber selbst die Wikipedia als eine ihrer Quellen. Klar gesagt: Im Sinne eines Erreichens von »Neutralität« oder gar »Objektivität« sind derartige Quellen wertlos. Objektivität ist dem Menschen unmöglich, Neutralität ein unerfüllbarer Wunschtraum.</p>
<p>Was erreichbar ist, ist Konsens. Auf diesem Weg ist die Wikipedia allerdings schon sehr weit vorangekommen. Hieß es früher »Steht im Brockhaus«, so muss heute die Wikipedia ins Kalkül gezogen werden: Sie können als Individuum durchaus etwas ganz genau wissen – durchsetzen müssen Sie es inzwischen in einer kleinen Diskussionsgruppe in der Wikipedia. Die Anpassung des Wissens an die Vorgaben der Wikipedia ist im Internet übrigens schon sichtbar.</p>
<p>So kann es tatsächlich eines Tages geklärt sein, ob die beiden Känguruhs von Noahs Arche schwimmend oder über das Wasser springend nach Australien gekommen sind – vielleicht haben sie auch einfach eines der Rettungsboote benutzt. Können wir alles diskutieren, findet sich bestimmt ein neutraler, objektiver Standpunkt.</p>
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		<title>Im Reformhaus nichts Neues</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/wissen/im-reformhaus-nichts-neues/</link>
		<comments>http://www.blogmouse.de/wissen/im-reformhaus-nichts-neues/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 19:01:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[


Nur im Reformhaus: Geschichte Klasse 5


Mein jüngerer Sohn besucht die fünfte Klasse eines Gymnasiums in Leipzig. Sein großer Bruder hat vor drei Jahren an dieser Schule sein Abitur gemacht. Damals war die Schule auf dem besten Weg, sich den Ruf einer Skandalschule zuzulegen &#8212; von der »Nazischule« war gar die Rede. Ich war mir ziemlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp">
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-396" style="border 1px solid black;" title="anno" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/12/anno.jpg" alt="Nur im Reformhaus: Geschichte Klasse 5" width="245" height="225" /></dt>
<h5>Nur im Reformhaus: Geschichte Klasse 5</h5>
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</div>
<p>Mein jüngerer Sohn besucht die fünfte Klasse eines Gymnasiums in Leipzig. Sein großer Bruder hat vor drei Jahren an dieser Schule sein Abitur gemacht. Damals war die Schule auf dem besten Weg, sich den Ruf einer Skandalschule zuzulegen &#8212; von der »Nazischule« war gar die Rede. Ich war mir ziemlich sicher, den Jüngeren später einmal nicht auf diese Schule zu schicken.</p>
<p><span id="more-387"></span>Letztes Jahr am Tag der offenen Tür habe ich meine Meinung geändert. Die Schule ist jetzt eine Ganztagsschule, man feilt am vertieften wirtschaftlichen Profil und erteilt Unterricht in Blöcken von 1½ Stunden. Die ehemalige, skandalöse Schulleiterin ist verschwunden. Der neue Schulleiter stellte seine Schule auf eine Weise vor, dass man meinte, gar keinen Lehrer vor sich zu haben. Es hätte mich allerdings stutzig machen müssen, wie stark der eloquente Mann immer wieder die notwendige Unterstützung durch die Eltern betonte. Nun ja, erfahrene Erziehungsberechtigte wissen, was man von ihnen erwartet: Zimmer renovieren, Feiern organisieren und für unerschwingliche Extras (wie Turnhallen) spenden. Wohl deshalb habe ich mir nicht viel dabei gedacht.</p>
<p>Inzwischen investiere ich jede Woche mehrere Stunden, um mit meinem Sohn Hausaufgaben zu machen. Andere mögen das normal finden, ich nicht. Zu meiner Schulzeit gab es Lehrer, die eine (Haus-)Arbeit glatt mit 5 (in der DDR die schlechteste Note) bewertet haben, wenn die »Unterstützung« durch Mutter oder Vater allzu offensichtlich war. Mein Sohn dagegen wäre schon mehrmals mit unerledigten Hausaufgaben in der Schule erschienen, wenn ich ihn nicht »unterstützen« würde. Ich tue das, aber ich tue es zähneknirschend und am Sinn zweifelnd: Warum stellen Lehrer Hausaufgaben, von denen sie wissen (müssen!), dass sie nicht von den Kindern allein gemacht werden können? Was die Kinder damit vor allem lernen ist: Niemand erwartet ernsthaft von mir, dass ich die offiziell gestellte Aufgabe tatsächlich erledige. Gefragt sind »Softskills«: Wie stelle ich es am besten an, dass jemand anderes meine Arbeit macht? Wie simuliere ich Engagement, ohne mich wirklich engagieren zu müssen? Was muss ich tun, um mit minimalem Aufwand wenigstens nicht negativ aufzufallen? Tolles Konzept für eine Schule, die in ihrer Selbstdarstellung ihr wirtschaftliches Profil betont.</p>
<p>Ansonsten blieb vieles beim Alten: Stundenausfall schon bei den Kleinen (die dann sich selbst überlassen sind), eine Schulkantine, die nur die Abgebrühtesten nicht vom Essen abschreckt, kein Geld für &lt;whatever you need&gt; &#8230;<br />
Warum sollte es auch ausgerechnet bei diesem Gymnasium anders sein als allgemein im deutschen Bildungssystem: Wer will, dass die wirklich wesentlichen Dinge konstant bleiben, erreicht dies am sichersten durch permanente Reformen.</p>
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		<title>Wie die Dampfmaschine der Bildung ausgemustert wurde</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 18:19:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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Mal ganz geballt: Das Wissen der Welt


Lexikon [griech. Lexikón (biblión) »das Wort betreffend(es Buch) «, zu lexis »Rede«, »Wort« ], das, -s/&#8230;ka und &#8230;ken,
1) allg.: alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk für alle Wissensgebiete oder ein bestimmtes Sachgebiet.
Alles klar?

Präludium
Unter Buchhändlern und Verlagsleuten hieß es viele Jahrzehnte lang: Wenn die Deutschen auch sonst kein Buch kaufen, ein Lexikon kaufen [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-233" style="border 1px solid black;" title="WderW" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/WderW-300x225.jpg" alt="Mal ganz geballt: Das Wissen der Welt" width="300" height="225" /></dt>
<h5>Mal ganz geballt: Das Wissen der Welt</h5>
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<p>Lexikon [griech. Lexikón (biblión) »das Wort betreffend(es Buch) «, zu lexis »Rede«, »Wort« ], das, -s/&#8230;ka und &#8230;ken,<br />
1) allg.: alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk für alle Wissensgebiete oder ein bestimmtes Sachgebiet.</p>
<p>Alles klar?</p>
<p><span id="more-229"></span></p>
<h3>Präludium</h3>
<p>Unter Buchhändlern und Verlagsleuten hieß es viele Jahrzehnte lang: Wenn die Deutschen auch sonst kein Buch kaufen, ein Lexikon kaufen sie immer. Dem konnte man kaum widersprechen. Ausgeklügelte Direktvertriebsmodelle – das böse Wort »Drückerkolonne« kommt uns dabei nicht in den Sinn -, Buchclubs und ein interessierter Buchhandel sorgten dafür, dass neben den Likörgläsern auf Pfanne aus getriebenem Kupfer und dem Hochzeitsfoto mit Büttenschnitt auch ein Lexikon im Wohnzimmerschrank stand – gebrauchen konnte man es ja immer. Meistens ging es ja ohnehin nur darum, zu sehen, wie ein Wort geschrieben wird.<br />
Da konnte man sich auf Brockhaus verlassen.<br />
Oder es ging darum, etwas über eine Sache zu erfahren, von der man nun buchstäblich keine Ahnung hatte. Beispiel?<br />
Vielleicht kochen Sie gelegentlich mit Ingwer. Das sind eigentlich die Wurzeln der Ingwerpflanze, ganz alltäglich in etwas besser sortierten Gemüsegeschäften. Aber wie sieht die Pflanze selbst aus?<br />
Brockhaus Enzyklopädie 21. Auflage, Ingwer nachgeschlagen, Band 13, Seite 297. Zeichnung, Photo der Blüte einer Ingwer-Zierpflanze – man muss nicht alles immer gleich essen – kurzer, aber extrem destillierter und deshalb informativer Text, den Sie in zehn Minuten auswendig lernen  könnten. Falls Sie keinen Brockhaus haben, können Sie auch den Text der deutschen Wikipedia auswendig lernen. Das allerdings dürfte dauern.<br />
Also sagen wir es mit Loriot: „Ein Leben ohne Brockhaus ist möglich, aber nicht sinnvoll“ – es kostet einfach zuviel Zeit.</p>
<h3>Allemande</h3>
<p>Das „Wissen der Welt“ – wir werden noch sehen, was es damit auf sich hat – zwischen zwei Buchdeckel zu pressen und zu verkaufen, ist keine deutsche Idee, wenn es auch manchmal so aussieht, vor allem aus der Perspektive eines deutschen Lexikografen. Wir haben dem Wissen etwas preussische Disziplin beigebracht und deshalb in Artikel, Hierarchien und Klassifikationen gezwängt, Personenartikel, Sachartikel, Stadt, Land, Fluss und was nicht alles. Natürlich ist der Brockhaus national-zentristisch, selbst noch in der 21. Auflage und nach Deutschland kommen Österreich und die Schweiz und dann erst mal gar nichts und dann Großbritannien und dann erst Frankreich, immerhin ist die Britannica unser genuiner Gegner &#8211; obwohl nur Leute, die weder die Britannica noch den Brockhaus kennen – beide miteinander vergleichen &#8211; und nicht etwa ein Buch des Landes, in dem die Enzyklopädie erfunden wurde, dann Europa und  &#8211; war da noch was?  &#8211; der Rest der Welt. Wollten wir „den Rest der Welt“ genauso berücksichtigen wie Deutschland, hätte die 21. Auflage des „Großen Brockhaus“ 100 Bände, wenn nicht mehr. Die konzentrische Betrachtung des Welt aus dem Land heraus, in dem die Enzyklopädie geschrieben wird, ist also in Ordnung. Es geht nicht anders.<br />
Es ging aber auch so nicht. Fragen Sie, wen Sie wollen, jeder schwärmt vom Brockhaus, mag die Haptik des dicken Buches, den Duft des Halblederrückens, den Goldschnitt, das Brockhaus-Rot, das gute Papier, die Texte, die Bilder und Grafiken und hätte dieses Messbuch der bürgerliche Bildung gern – bloß bezahlen möchte er es nicht. Nüchtern betrachtet ist der Brockhaus eines der billigsten Bücher am Markt, die meisten Taschenbücher sind um einiges teurer. Und manche riechen wirklich komisch.<br />
Aber fast 3000 Euro dafür ausgeben? Die stecken wir doch lieber in 200 ccm mehr Hubraum.</p>
<h3>Corrente</h3>
<p>Man kann dem Brockhaus und seinem vermeintlich hohen Preis nämlich entkommen, laufen ist dazu gar nicht notwendig. Ein Computer und die Kenntnis der Internet-Adresse www.wikipedia de. Genügen. Zum Beispiel. Das ist die deutsche Ausgabe der Enzyklopädie, die von Freiwilligen geschrieben wird, in vielen Ländern, in vielen Sprachen. Die Wikipedia ist gratis, sie kostet keinen Pfennig. Die Wikipedia ist extrem erfolgreich.<br />
Die schnelle Entwicklung der Wikipedia hat verschiedene Konsequenzen. Die auffälligste ist die, dass die gedruckten Lexika – und damit auch der Brockhaus – verschwinden. Das ist etwa so bedauerlich wie das Verschwinden der Dampflokomotiven. Natürlich sehen wir uns Dampflokomotiven gern an – aber wollen wir damit noch fahren? Bei dem läppischen Wirkungsgrad, bei der grauenhaften Energiebilanz, bei der Langsamkeit, bei dem Qualm, bei den Arbeitsbedingungen für das Personal?<br />
Das ist die Wikipedia genau richtig. Mehr Artikel, längere Artikel, auch Themen, die in keinem gedruckten Lexikon der Welt eine Chance hätten. Doch, doch – Britney Spears steht im Brockhaus. Aber wollen Sie wirklich im Brockhaus lesen, was »Symphonic Black Metal« ist? Der Hauptvorteil der Wikipedia ist aber, dass sie umsonst ist. Und – da hat sich nichts geändert – einem geschenkten Gaul schaut man nichts Maul.<br />
Womit nicht gesagt sein soll, dass die Wikipedia voller Fehler ist. Das ist sie nicht. Dass ihr die rechte Organisation fehlt, ist klar, immerhin sind es lexikografische Amateure, die sie schreibend. Es gibt keinen Plan, was die Wikipedia eigentlich werden soll, auch kein Wissen, was sie jetzt ist. Der gegenwärtige Streit innerhalb der Wikipedia-Sekte, um Relevanz und Irrelevanz zwischen »Exkludisten« und »Inkludisten« zeigt, dass der fehlende Plan endlich aufgefallen ist. Wahrscheinlich zu spät. Denn die Wikipedianer sind gerade dabei, das positive Image – nicht ganz zu Recht erworben – ihrer Textansammlung zu zerstören. Ach: Wo ist eigentlich der Herr Schindler abgeblieben?</p>
<h3>Menuett I</h3>
<p>Der Geburtsfehler der Wikipedia ist, dass sie sich für innovativ hielt – und hält -, allein schon, weil sie ein »modernes Medium« wie das Internet nutzt. Lassen wir diesen Umstand mal beiseite, in diesem Fall ist das nur eine Zugangsform und ob ein Lexikon im Internet wirklich unbegrenzt Platz hat, wird sich noch herausstellen.<br />
Die Wikipedia orientiert sich in ihrer ganzen Machart an ABC-Lexika, wie es die Lexika aus dem Hause F.A. Brockhaus und anderen waren – oder sind, falls wissenmedia/Bertelsmann es jemals auf die Reihe bekommt, da weiter zu machen, wo die Langenscheidts und Brockhaus keine Lust mehr hatten. Diese Idee ist im Grunde veraltet und funktioniert schon seit Jahrzehnten eher schlecht als recht. Sie basiert darauf, dass die Erkenntnis der Welt in Stücke zerlegt wird und diese Stücke alphabetisch angeordnet werden. Vorausgesetzt wird dabei, dass der Leser – Benutzer des Lexikons – über eine bestimmte grundsätzliche Bildung verfügt. Ein Beispiel mag die Notwendigkeit dieser stillschweigenden Voraussetzung erklären: Nehmen wir an, Sie haben überhaupt keine Kenntnisse von Musiktheorie. Sie hören gern Musik, wissen, wer Britney Spears ist und können unter der Dusche »Hey Jude« singen. Da lesen Sie eines Tages das Wort »Dreiklang«. Aufgeschlossen, wie Sie sind, wollen Sie das nun aber doch mal wissen. Im Brockhaus nachgeschlagen, BE 21, Band 7, Seite 271 finden Sie den Artikel, 30 Zeilen und diverse Tonbeispiele in der mitgelieferten Audiothek. Sie lesen den Artikel und verstehen kein Wort. Sie müssten weiter nachschlagen: Zusammenklang, Grundton, Terzton, Quintton, große Terz, kleine Terz, Dur, Moll – kurz: Sie müssten eine Vielzahl weiterer Artikel lesen, um diesen einen zu verstehen. Sie wollten aber bloß wissen, was ein Dreiklang ist.<br />
Man kann daraus schließen: Ein Lexikon dient nicht der Vermittlung von Bildung – oder Wissen -, sondern ihrer Überprüfung und Vergewisserung, dass man über Bildung verfügt. Wer ein Lexikon wie den Brockhaus gewinnbringend nutzen will, muss über Wissen verfügen, muss gebildet sein – er wird es nicht durch den Brockhaus.<br />
Wie macht nun die Wikipedia das? Genau so. Sie kupferte in dieser Hinsicht einfach bestehende Lexika ab. Der Artikel »Dreiklang« ist kürzer als der im Brockhaus und grafisch aufbereitet, er lässt dem Ahnungslosen aber seine Ahnungslosigkeit genau so, wie es der Brockhaus tut.<br />
Was also wirklich fehlt, ist eine Idee, wie man vermeintlich einfache Fragen so beantwortet, dass eine kurze Antwort möglich ist. Im Einzelfall kann das unmöglich sein. Und das ist eben auch nicht neu. In dieser Hinsicht ist der Brockhaus – das sei nebenbei gesagt – der Wikipedia sogar überlegen: Ein langer Artikel über eine bestimmte Sache oder Person mag schließlich »vollständig« sein, verfehlt aber möglicherweise die Aufmerksamkeit seines Lesers, der es so genau gar nicht wissen wollte.</p>
<h3>Menuett II</h3>
<p>Lexikografen kennen mehrere Reizwörter, »Relevanz« ist nur eines davon – die Wikipedianer stehen gerade ratlos davor. Vielleicht ist diese Diskussion auch Ausdruck des zu schnellen Wachstums – ständig werden neue Server gebraucht, ständig wird zu Spenden aufgerufen, um diese kaufen und betreiben zu können. Das Kategoriesystem der Wikipedia erfüllt, wild gewachsen, wie es ist, seinen Zweck nicht und ist völlig desolat. Weniger Artikel wären also zur Zeit ein wahrer Segen. Harte Relevanzkriterien, von einer gesichts- und namenlosen Instanz angefertigt und durchgesetzt, könnten da Abhilfe schaffen.<br />
Ein anderes Reizwort ist »Objektivität«. Wenn es um Wissen und Bildung geht, ist immer umstritten, was »objektiv« ist. Allerdings lernt jeder Publizistikstudent schon im ersten Semester, was es mit dem Begriff auf sich hat: nichts. Objektivität ist eine Fiktion und oft geben sich gerade diejenigen als »objektiv« aus, die handfeste Interessen haben. Es könnte doch gerade in der heutigen Zeit notwendig sein, Orientierung zu geben, also eben nicht objektiv zu sein, dies aber auch klar herauszustellen. Könnte denn jemand allen Ernstes behaupten, über z. B. Michael Jackson oder Herbert von Karajan objektiv schreiben zu können? Oder über Karl den Großen? Objektivität setzt das völlige Fehlen von Zweifel voraus und das gibt es in der menschlichen Gesellschaft nicht. Wäre auch nicht wissenschaftlich.</p>
<h3>Gigue</h3>
<p>Was die Wikipedianer unter Freiheit verstehen, können Sie <a href="http://www.blogmouse.de/medien/freiheit-gleichheit-bruderlichkeit-alles-fur-umsonst/" target="_self">hier</a> nachlesen. Was das »Ehrenamtliche« angeht, so treibt das seltsame Blüten, etwa, wenn ein Professor den für den »Besten Artikel« ausgelobten Preis erhält – ihm aber offensichtlich nicht klar ist, dass seine »ehrenamtliche« Tätigkeit ein kräftiger Schlag in die Fresse seiner Studenten ist, denn sie erfahren auf diese Weise, dass ihre Arbeit, ihr Studium nichts wert ist. Dass man jedenfalls nicht davon leben kann.<br />
Ein Blick in das Autorenverzeichnis der Brockhaus Enzyklopädie 21 weist eine große Zahl von Autoren auf, die studiert haben, ihr Studium abgeschlossen und es im Einzelfall in ihrem jeweiligen Fach bis zum Professor gebracht haben. Für ihre Arbeit haben sie Honorar erhalten, ob genug oder zu wenig, sei mal dahin gestellt. Als Verdienstquelle scheiden gedruckte Lexika in Zukunft aus – die Professoren werden es verschmerzen können. Aber was erzählen sie ihren Studenten? »Ihr alle sollt Professoren werden«? Nur mal als Beispiel: Allein in Berlin schließen jedes Jahr mehr Musikwissenschaftler ihr Studium ab, als in ganz Deutschland gebraucht werden.<br />
Aber das alles kann man nicht Jimmy Wales anlasten, »Erfinder« der Wikipedia, der lediglich ein paar alte Ideen ins Internet geschleppt hat. Man kann ihm auch nicht anlasten, dass Brockhaus seine Redaktion abgeschafft hat. Brockhaus hatte Zeit genug, sich zu überlegen, wie das mit den Lexika weitergehen soll. Aber die Verleger der Britannica haben das auch nicht gemacht.</p>
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		<title>Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: alles für umsonst?</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 21:52:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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Gedrucktes Wörterbuch, um 2003


Und schon ist es wieder so weit. Bald nach vier wird es dunkel, Glühweingeruch hängt in der Luft und die Menschen sind geneigt, für wohltätige Zwecke zu spenden. Das weiß auch Jimmy Wales, der mit dem verklärten Blick eines Erleuchteten von der Spendenaufruf-Seite der Wikipedia schaut. 14 Mio Artikel sind nicht genug, [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-94" style="border: 1px solid black;" title="Liberte" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2009/11/anderes8.jpg" alt="Liberte " width="239" height="373" /></dt>
<h5>Gedrucktes Wörterbuch, um 2003</h5>
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<p>Und schon ist es wieder so weit. Bald nach vier wird es dunkel, Glühweingeruch hängt in der Luft und die Menschen sind geneigt, für wohltätige Zwecke zu spenden. Das weiß auch Jimmy Wales, der mit dem verklärten Blick eines Erleuchteten von der Spendenaufruf-Seite der Wikipedia schaut. 14 Mio Artikel sind nicht genug, es sollen 25 Mio werden. 330 Mio Leser sind nicht genug, es sollen 500 Mio werden. 0,7 Mio gespendete US-Dollar sind auf keinen Fall genug, es sollen 7,5 Mio werden.<br />
Letztes Jahr zur selben Zeit hieß es visionsschwanger:</p>
<blockquote><p><em>Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch auf der Erde freien Zugang zu lexikalischem Wissen hat!</em></p>
</blockquote>
<p>Darüber habe ich mich seinerzeit <a href="http://www.habenichtse.de/myfiction/utopia-00/" target="_blank">an anderer Stelle</a> ein bisschen lustig gemacht. Im Krisenjahr 2009 ist der Aufruf weniger verträumt, <span id="more-92"></span>sondern eher handfest (und man ist inzwischen halbwegs beim Du):</p>
<blockquote><p><em>Stärke Wikipedia für die Zukunft!</em> <small>Spenden Sie jetzt</small></p>
</blockquote>
<p>An anderer Stelle ist zu lesen »Wikipedia ist da, wenn Sie sie brauchen &#8212; jetzt werden Sie gebraucht«. Irgendwoher kenne ich diesen Ton, und ich mag ihn nicht. Ganz besonders dann nicht, wenn er wie im Falle Wikipedia die Freiheit als Kronzeugin für die eigene Rechtschaffenheit aufruft. Okay, die Freiheit, die sie meinen, ist klar definiert (und das ist ja schon mal was): »freie Inhalte« bedeutet, dass die Texte einer bestimmten Lizenz unterliegen, die an die GNU-Lizenz für Open-Source-Software angelehnt ist. Das ist im Detail alles recht kompliziert, aber im Grunde interessiert den Nutzer/Leser nur eins: das hier ist umsonst. Wäre dem nicht so, hätte die Wikipedia niemals ihre heutige Größe und Verbreitung erreicht. Dies zu sagen, schmälert nicht die Leistung derer, die Artikel für die Wikipedia geschrieben haben.</p>
<p>Das Problem ist nur, <em>dass</em> es keiner sagt, sondern dass stattdessen von Visionen und Weltverbesserung die Rede ist. Ich bezahle keinen Cent (wie auch sonst nirgends im Internet), wenn ich mich auf Wikipedia für die Hausaufgabe meines Sohnes über die Unterschiede zwischen Froschlurchen und Schwanzlurchen informiere. Ohne Wikipedia hätte ich mir das selbst im Internet zusammengesucht, und ohne Internet hätte ich geschaut, was das Bücherregal oder die Schulbibliothek hergibt. Dank Wikipedia geht es bequemer &#8211; aber rechtfertigt das den Gebrauch des sehr bedeutenden Wörtchens »frei«? Frei ist die Wikipedia ganz sicher auch nicht im Sinne eines freien, offenen Gedankenaustauschs. Dazu müsste man nämlich Meinungen zulassen. Doch »neutral« sollen die Artikel sein, was beim Satz des Pythagoras in der Natur des Objektes liegt und auch bei den Frosch- und Schwanzlurchen noch leicht machbar ist. Aber was ist mit Atomkraftwerken, Fußballvereinen, Gentechnik, Parteien, Regisseuren, Rockbands oder der Sozialgesetzgebung? Und vor allem: Wer legt fest, welches die neutrale Position ist? Natürlich ein Administrator.</p>
<p>Stichwort Gleichheit. Nach allem, was über die Motivation von Wikipedianern zu lesen war, spielt für viele eine Rolle, innerhalb der Wikipedia einer Gemeinschaft anzugehören. Eine Gemeinschaft von Gleichen kann dies aber höchstens ganz am Anfang gewesen sein. Längst ist die Wikipedia-Gemeinde ein erschreckend hierarchisches Gebilde, in dem lösch- und regulierungswütige Administratoren Neulinge eher verprellen als ermutigen. Große Wellen hat in den vergangenen Monaten die Diskussion um Relevanzkriterien in der deutschen Wikipedia geschlagen. Um zu sehen, wie lächerlich dies ist, muss man gar keine Fallbeispiele bemühen. Als die Diskussion losbrach, umfasste die deutsche Wikipedia knapp 1 Mio Artikel. Kann man konsensfähige Relevanzkriterien aufstellen, nach denen 1 Mio Artikel mehrheitlich relevant sind? Finden sich Menschen, die diese Regeln auf den Bestand anwenden und Irrelevantes aussortieren? (Möchte man solche Menschen gern kennen?) Wer kontrolliert die Kontrolleure und welchen Sinn hat das alles? Gleichheit produziert die Wikipedia in ganz anderem Sinne: Was die Frosch- und Schwanzlurche betrifft, haben sicher auch andere Eltern in die Wikipedia geschaut. Wenn 15 Kinder eine identische Aussage über Lurche von sich geben, ist diese dann relevanter oder gar wahrer als die »abweichenden« Aussagen der 9 anderen Kinder? Welche Quelle benutzt der Lehrer?</p>
<p>Und Brüderlichkeit? Schaut man sich die eine oder andere Diskussionsseite an, sieht man, dass es bei der Wikipedia schon mal ruppig zugehen kann. Da ich mich aber selbst mit meinem Bruder oft übel gezankt und sogar geprügelt habe, würde ich das nicht überbewerten. Nur: Wir haben damit aufgehört, als ich 12 und er 13 war.</p>
<p>Fazit: Liebe Wikipedianer, was ihr geschaffen habt, ist zuweilen gut und nützlich. Wenn ihr euch mal ein bisschen locker macht, könnt ihr die Wikipedia sicher noch verbessern. Was ihr auf diese Weise aber nicht verbessern könnt, ist die Welt. (Trost: auf andere Weise wahrscheinlich auch nicht.) Mag sein, dass die Wikipedia eine Enzyklopädie ist, aber sie ist ganz sicher keine Religion. Ihr braucht keine Propheten. Wenn ihr euch fragt »Warum mache ich das eigentlich?«, dann müsst ihr die Antwort schon in euch selbst suchen. Findet ihr dort nichts, dann lasst es bleiben. Und wenn doch: Have a lot of fun!</p>
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