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		<title>Fehler vs. Täuschung</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:21:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ein paar Tagen war zu lesen, dass wir immer noch Einzeller wären, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, Fehler zu machen. Hätten sich die Einzeller via Fortpflanzung exakt kopiert, wären sie immer noch Einzeller. So aber, mit der Möglichkeit, in die DNA auch ein paar Fehler einzuschleusen, wurden sie zu Zweizellern, Dreizellern usw. bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen war zu lesen, dass wir immer noch Einzeller wären, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, Fehler zu machen. Hätten sich die Einzeller via Fortpflanzung exakt kopiert, wären sie immer noch Einzeller. So aber, mit der Möglichkeit, in die DNA auch ein paar Fehler einzuschleusen, wurden sie zu Zweizellern, Dreizellern usw. bis sie zu jenen Milliarden-Billionen-Zellern wurden, die ein Ding im Kopf herumtragen, das von sich behauptet »Ich« zu sein, aber jeder Zeit in der Lage ist, dies zu bestreiten.<br />
Ganz klar also: Fehler können durchaus zu etwas Gutten…, ähh, Gutem führen.</p>
<p><span id="more-634"></span></p>
<p>Fehler könne aber auch dazu verleiten, stundenlang über deutsche Promotionsordnungen, die Berechtigung, einen akademischen Titel zu tragen – gehört zum Namen? Oder vielleicht doch nicht? –, wie viel ein deutscher Professor verdient (A13? Oder doch mehr?), ob alle Doktors Fälscher oder wenigstens Abschreiber sind und vieles mehr nachzudenken.<br />
Und gut, dass es das Internet gibt, Hort der Wahrung des Urheberrechts, denn dort hat man Erfahrung mit Kopieren, ohne zu fragen, wem das gehört, was man da kopiert.<br />
Also schnell selbst ein Wiki aufgesetzt, auf dem man mal alle Plagiate in Karl Theodor zu Guttenbergs Diss listet, man hat ja sonst nichts zu tun. Bald hat man zig, ach was, hunderte Plagiate in KTs Arbeit gefunden. Inzwischen ist schon klar,  dass Worte wie »der«, »die«, »das« oder »und« eindeutig Kopien aus anderen Texten sind – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist ja einzusehen, dass ein Wort wie »Gründungswillen« nicht jedem Gehirn einfallen kann, dazu muss man schon Jura studiert haben, und wer es verwendet, kann es nur seinem Urheber wegkopiert haben. Das Wort weist ja schließlich eine gewisse »Schöpfungshöhe« &#8211; ja, so reden sie, die Juristen – auf. Aber hätte unser Verteidigungsminister nicht selbst ein paar Worte erfinden können?<br />
Hat er nicht gemacht. Er hat noch nicht einmal gewusst, dass man in einer ansonsten zusammengeklauten Arbeit wenigstens die Einleitung selbst schreibt – denn wenn die Gutachter auch sonst nichts lesen, die Einleitung lesen sie allemal (vielleicht nicht gerade in Bayreuth). Es ist also ein wenig fraglich, ob diese Zellteilerei, damals bei den Einzellern, wirklich so erfolgreich war. Ist es ein sicherer Weg, Fehler zu machen, damit genug Zellen im Oberstübchen landen? Oder war die Evolution auf dem Holzweg, ausgerechnet das Konzept »Fehler« zum Motor des Forschritts zu machen? Ist der Mensch gegenüber dem Einzeller ein Fortschritt? Stellt der Jurist an sich einen weiteren Fortschritt oder einen Rückschritt dar?<br />
Und da stellen sich gleich weitere Fragen, deren Antworten wir nirgends kopieren können: Ist eine Täuschung oder ein Plagiat immer ein Fehler? Oder nur dann, wenn sie respektive es entdeckt wurde? Hätte die Evolution auch nur mit Täuschungen funktionieren können? Mit Fehlern funktioniert es zugegebenermaßen nun auch nicht so toll, aber man kommt ja klar. Kann der Zellhaufen unter der Schädeldecke verlauten lassen – und sogar eine Unterschrift veranlassen –, er werde nicht täuschen, wenn derselbe Zellhaufen schon längst beschlossen hat, dafür massenhaft »Fehler« zu machen? Ist nicht schon das eine Täuschung? Oder ist das ein Fehler? Oder vielleicht beides? Oder einfach – unser Zellhaufen zwischen den Ohren macht gerade, was er will – einfach nur: dumm (1)?<br />
Aber da türmen sich schon neue Fragen auf: Passt »dumm« besser zu »Fehler« oder besser zu »Täuschung«? Und wie passt das Wort dumm zu dem Wort »Verteidigungsminister«?</p>
<p>(1) Das Wort »dumm« wurde in diesem Fall entnommen: Tucholsky, Kurt: Kluge Leute können sich dumm stellen. Das Gegenteil ist schwieriger.</p>
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		<title>Internet Journalismus 2. Lektion – Material für die Kulisse</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/medien/internet-journalismus-2-lektion-%e2%80%93-material-fur-die-kulisse/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Dec 2010 09:07:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Heutzutage in einer Redaktion zu arbeiten, ist purer Stress: Meetings, Video-Konferenzen, Team-Sitzungen, Projektbesprechungen, Lenkungsausschuss und vieles Weiter mehr nagen am Zeitbudget, so dass für die eigentliche Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Geliefert werden muss trotzdem. Wohl dem, der in seiner Trickkiste genug Material für die Kulisse hat. Deshalb lernen Sie heute in unserem kleinen Kurs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heutzutage in einer Redaktion zu arbeiten, ist purer Stress: Meetings, Video-Konferenzen, Team-Sitzungen, Projektbesprechungen, Lenkungsausschuss und vieles Weiter mehr nagen am Zeitbudget, so dass für die eigentliche Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Geliefert werden muss trotzdem. Wohl dem, der in seiner Trickkiste genug Material für die Kulisse hat. Deshalb lernen Sie heute in unserem kleinen Kurs in Internet-Journalismus, wie man diese Kiste füllt. Auch Politiker, Chefs und alle anderen, die glauben, etwas zu sagen zu haben, können hier noch was lernen.</p>
<p><span id="more-627"></span></p>
<p>Kulissen nennt man die großen, auf Pappe gemalten Bilder, die im Theater bald hier, bald da hin gestellt werden. Benötigt ein Regisseur einen Wald, wird der eben auf Pappe gemalt und auf die Bühne verfrachtet. Diese Waldbilder kann man immer gebrauchen, egal, ob bei »Wilhelm Tell« oder beim »Freischütz«. Der versierte Internet-Journalist sollte mehrere Kulissen-Sätze und –Satzteile in seinem Besitz haben, auf jeden Fall sollte er sie erkennen können.<br />
»…Geld wurde in die Kassen gespült« &#8211; diese Kulisse sollten Sie kennen, sie wird jeden Tag mehrfach aufgestellt. Sie wird immer dann benutzt, wenn Sie nicht genau wissen, um welche Beträge es sich wirklich handelt, dem Leser oder Hörer aber unterschwellig verdeutlichen wollen, dass es sich in jedem Fall um unglaublich viel Geld handelt. Das Bild ist eindeutig: Geld ist etwas Flüssiges. Flüssiges – sagen wir: Wasser – läuft immer bergab, es sammelt sich immer da, wo sowieso schon viel Wasser ist – und da bleibt es. Wenn also Geld in die Kassen von – sagen wir: den vier Stromkonzernen – gespült wird, bedeutet dies, dass sie wieder etwas gemacht haben, dem Geld den Weg in ihren Geldsee zu bahnen. Bedeutet: Es wird aus Ihrer Kasse in die Kasse der Stromkonzerne umgeleitet. Das geht schnell. Wird ja auch gespült. Damit da auch ja kein Rest irgendwo hängen bleibt und nicht in den Geldsee will. Klar auch, dass in Ihre Kassen niemals Geld gespült wird. Ihre Kasse liegt einfach zu hoch. Im Grunde brauchen Sie keine Kasse: Falls da nämlich mal was reingespült werden würde, würde es sich schnurstracks weiter spülen lassen.<br />
»Aus meiner Sicht« &#8211; wenn Sie das hören, wissen Sie: Was dann folgt, stimmt, wird gemacht, ist Gottes Wort, keine Widerrede, Sie haben keine Ahnung. Auf den Blick scheint das nicht so zu sein, denn diese Satz-Einleitungs-Kulisse deutet ja erstmal an: </p>
<p>1. Ich bin bescheiden und weiß um meine Subjektivität.<br />
2. Der Tellerrand ist zu hoch, ich kann da nicht drüber hinweg sehen.<br />
3. Der Kirchturm ist zu niedrig.<br />
4. Ich habe keinen Überblick.<br />
5. Ich habe keinen Durchblick.<br />
6. Ich habe etwas Hartes vor dem Kopf, das nach Holz riecht und mir die Sicht versperrt.<br />
7. Ich bin blind.<br />
8. Können Sie mir helfen?</p>
<p>Aber Vorsicht: Die Satz-Einleitungs-Kulisse ist Stückwerk und muss von Ihnen, dem mit allen Wasser gewaschenen Internet-Journalisten als Halbsatz verstanden werden. Der unausgesprochene Teil des Satzes lautet nämlich: »…aber da ich hier das Sagen habe, wird alles so gemacht, wie ich es für richtig halte. Da können <strong>Sie</strong> noch so andere Sichten haben.«<br />
»Beste … aller Zeiten« &#8211; sehr praktisches Kulissen-Kleinteil, passt nämlich immer dann, wenn Sie im Kulturteil schreiben müssen, und nicht wissen, wie Sie ihr Wohlgefallen an einer CD, an einem Buch usw. kundtun können. Es suggeriert nämlich:</p>
<p>1. Ich kenne alle, aber wirklich alle CD (Bücher, Konzerte, Autos usw., setzen Sie ein, was immer Sie wollen).<br />
2. Ich habe schon immer gelebt und werde immer leben.<br />
3. Ich bin klug und weise, mir erzählt man nichts.<br />
4. Ich weiß alles, Du nix.</p>
<p>Der Satz, richtig gehandhabt, bringt ohne weiteres Nachdenken Honorar für mindestens eine Zeile. Ihre Aussage können Sie auch unangreifbar machen, wenn Sie ihn beispielsweise für eine CD anwenden, die man nicht irgendwo herunterladen kann, die es im nächsten CD-Laden schon gar nicht gibt, und nur bei Amazon über einen obskuren Händler angefordert werden kann, der die aber erst in den USA bestellen muss, was mindestens vier Wochen dauert.<br />
»Das war ein guter Tag für die Demokratie« &#8211; wird von Politkern in jüngerer Zeit beinahe regelmäßig angewendet, kann aber von Ihnen als Kommentator des Weltgeschehens natürlich auch eingesetzt werden. Dieser Kulissensatz ist allerdings mehrdeutig, denn er sagt nichts über Ihre wirkliche Meinung aus. Er wird beispielsweise von Politikern immer dann angewendet, wenn diese in einer parlamentarischen Demokratie, oft – aber nicht immer – demokratisch gewählten Politiker gerade von den Teilnehmern eines Runden Tischs, einer Schlichtung, eines Parteitags, einer Bundesvollversammlung oder eines germanischen Things abgewatscht wurden. Als Journalist können Sie ihn gebrauchen, falls das Votum Ihnen insgeheim gefällt, der Linie Ihres Mediums aber widerspricht. Falls das Votum der rund-geschlichteten Things aber die ohnehin vorherrschende Meinung bestätigt, stimmt er ja auch irgendwie. Er stimmt eigentlich immer. Komisch. Aber praktisch.</p>
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		<title>Internet-Journalismus 1. Lektion &#8211; Die Doch-Form</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Nov 2010 09:23:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor Jahren war der Ausbildungsweg eines Journalisten klar vorgezeichnet: Abitur machen oder auch nicht, Studium abbrechen – zu langweilig, das bringt mir nichts – und beim lokalen Blättchen ab und an einen selbst verfassten Text einreichen. Irgendwann platzte der Knoten und der eingereichte Text wurde auch gedruckt – fertig war der Journalist. Denn Journalist kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor Jahren war der Ausbildungsweg eines Journalisten klar vorgezeichnet: Abitur machen oder auch nicht, Studium abbrechen – zu langweilig, das bringt mir nichts – und beim lokalen Blättchen ab und an einen selbst verfassten Text einreichen. Irgendwann platzte der Knoten und der eingereichte Text wurde auch gedruckt – fertig war der Journalist. Denn Journalist kann sich jeder nennen. Nun haben die auf diese Weise erzeugten Journalisten einen schweren Nachteil – da sie »frei« sind, lassen sie sich kaum auf eine Sache verpflichten, schon gar nicht auf die politische Ausrichtung eines Verlegers. Was tun? Schule gründen, wo der journalistische Nachwuchs sein Handwerk lernt. Doch sehen Sie selbst.</p>
<p><span id="more-623"></span></p>
<p>Mittlerweile gibt es einige Journalistenschulen, fast durchweg von großen Verlagshäuser wie Springer und Gruner + Jahr gegründet. Für die Aufnahme in diese Schulen ist ein vorher absolviertes Studium, eventuell sogar noch mit Abschluss, hinderlich, denn diese Leute sind zu teuer, wissen zu viel, reden dauernd dagegen und überhaupt: Wer will das wissen? Denn Stellen gibt es vor allem bei den Online-Portalen der großen Zeitungen und Magazine, und da muss es anders zugehen, nämlich, genau: Schnell und einfach. Egal um was es sich handelt. Dort wird ruckzuck analysiert, dann erklärt, vielleicht noch ein »Forum« eröffnet und fertig.<br />
Natürlich müssen die Texte den Maßstäben des »internetgerechten Schreibens« gehorchen. Für den angehenden Online-Journalisten heißt das: Wortschatz reduzieren, kurze Sätze, am besten nur Hauptsätze, wenn Nebensätze erforderlich, weil, wenn doch, die dann falsch angeschlossen werden müssen. Und auf jeden Fall: Den Leser an die Seite binden.<br />
Für letzteres haben sich verschiedene Formen herausgebildet, deren virtuose Handhabung der hoffnungsfrohe Nachwuchs an den Journalisten-Schulen bimst, bis er nicht mehr darüber nachdenken muss. Und es folglich auch lässt.<br />
In der ersten Lektion der Blogmouse-Schule für Internet-Journalismus lernen Sie: Der Teaser</p>
<p>Wenn Sie nicht wissen, was ein Teaser ist, so besuchen Sie einfach die Web-Präsenz eines der großen Magazine Spiegel, Focus oder Stern. Was Sie dort sehen, ist eine Art Übersichtsseite, die ähnlich organisiert ist wie eine Tageszeitung, also nach Ressorts: Oben – weil wichtig – Politik – unten, für manch einen natürlich noch wichtiger – Auto und Reisen. In jedem der Ressorts gibt es ein, zwei oder drei kurze Texte zu Themen, von denen der zuständige Redakteur meint, dass Sie sich dafür interessieren sollen.<br />
Nun geht es in der Online-Ausgabe eines Magazins nicht darum, dass Sie dies oder jenes lesen sollen, damit es Ihnen etwas nützt, sondern es geht darum, Sie als Leser möglichst lange auf der Website zu halten und zu veranlassen, weitere Seiten »anzuklicken«.<br />
Für diesen Zweck muss der Teaser eine bestimmte Form haben. Die wichtigste Form eines Teasers ist die »Doch-Form«. Es gibt noch weitere Formen des Teasers, etwa die »Jedoch-Form«, die »Aber-Form« und die »Nur-Bindestrich-Form«, doch sind diese weniger bedeutsam und ihre geniale Handhabung erschließt sich Ihnen leicht, wenn Sie endlich die »Doch-Form« verstanden haben.<br />
Für die Handhabung der »Doch-Form« eines Teasers merken Sie sich folgende Merksätze:</p>
<blockquote><p>1. Nachricht bzw. Subjekt Ihres Darstellungswillens in zwei bis drei kurzen Sätzen beschreiben. Hier zählen Zuversicht und Optimismus.<br />
2. Dritten bzw. vierten Satz mit »Doch« einleiten.<br />
3. Mit drittem bzw. Vierten und mit »Doch« eingeleitetem Satz Sinn und Inhalt der vorangestellten Sätze in das Gegenteil verkehren. Hier zählen Bedenken-Tragen und Pessimismus.<br />
4. »Mehr«- oder »Weiter lesen«-Tag anbringen.</p></blockquote>
<p>Auf diese Weise machen Sie den Leser neugierig, erst recht, wenn er durch den letzten Satz des Teasers stark verunsichert wird, was er denn nun glauben soll.<br />
Nun kommt ihre große Stunde als Internet-Journalist: Sie sind durch die Konstruktion eines Teasers in der »Doch-Form« keineswegs daran gebunden, diese Erwartungen des Lesers zu erfüllen. Wäre ja noch schöner. Vielmehr haben Sie Ihre Pflicht erfüllt: Der Leser liest den ganzen Text, um nun doch noch zu erfahren, was denn mit dem »Doch« gemeint sein könnte, klickt also mindestens eine weitere Seite an und bleibt minutenlang. Google-Analytics wird Ihnen die Genialität Ihres Vorgehens zeigen.<br />
Für praktische Übungen empfehlen wir daher das exakte Lesen von Teasern, nur so können sie sich diese unverzichtbare Technik der Formulierungskunst aneignen und in Zukunft selbst im Vollrausch souverän anwenden. Als Material wählten wir einige Teaser in der »Doch«-Form, die bei Spiegel Online veröffentlicht wurden; es handelt sich um allerneuste Beispiele, keines älter als eine Woche.<br />
Wir lesen: </p>
<blockquote><p>Amerikas einflussreichste TV-Talkerin Oprah Winfrey machte einen Hausbesuch beim Jackson-Clan. Ihr Interview mit Mutter und Kindern des &#8220;King of Pop&#8221; soll demnächst ausgestrahlt werden. Doch ein Familienmitglied protestiert. </p></blockquote>
<p>Das ist die einfachste Variante der »Doch-Form« &#8211; einfach und wirkungsvoll, geradezu klassisch. Doch ist auch diesem Teaser eine gewisse Rafinesse zueigen: Der Jackson-Clan heißt deswegen Clan, weil Joe Jackson, Vater von Michael, zusammen mit seiner Frau nicht weniger als zehn Kinder aufzog; eines starb bei der Geburt. Sie als Leser könne sich nun der Zusatzaufgabe stellen, welches<br />
der Jackson-Kinder da protestierte.</p>
<p>Derartige klassische Beispiele der »Doch-Form« gibt es jeden Tag mehrere, ausreichend Material zum Lernen. Etwa: </p>
<blockquote><p>Der Andrang auf der Eicma in Mailand ist ungebrochen, und die Hersteller blicken wieder zuversichtlicher nach vorn. Sie zeigen Einsteiger-Maschinen, kraftvolle Powercruiser und futuristische Scooter. Doch die neuen Modelle werfen auch kritische Fragen und seltsame Kommentare von höchster Stelle auf.</p></blockquote>
<p>Kann ja nur der Liebe Gott sein, der da etwas gegen Ihre Ducati hat.</p>
<p>Oder: </p>
<blockquote><p>Eigentlich hatte Wolfgang Schäuble gute Nachrichten zu verkünden: Bei einer Pressekonferenz wollte der Finanzminister sein Milliardensteuerplus erläutern. Doch erst mal zoffte er sich mit seinem Sprecher und wies ihn vor laufenden Kameras mehrfach rüde zurecht. </p></blockquote>
<p>Hat sich nun zwar ausgezofft, obwohl sich auch Schäuble hier wie der Liebe Gott vorgekommen sein muss.</p>
<p>Ebenfalls ein sehr gutes Beispiel, zur Nachahmung empfohlen, weil das Klassische zugunsten einer gewissen, raffiniert erzeugten Vorahnungsmöglichkeit des Artikelinhalts partiell aufgegeben wurde:</p>
<blockquote><p>Die Anti-Atom-Demonstration mit Zehntausenden Teilnehmern im Wendland verlief bisher friedlich &#8211; doch die Kanzlerin fürchtet Blockade-Aktionen einiger Castor-Gegner. Schottersteine aus dem Gleisbett zu entfernen, sei ein Straftatbestand, warnte Angela Merkel.</p></blockquote>
<p>Klingt ein wenig wie »Ich hol’ meinen großen Bruder«, womit auf subtile Weise der Frau Bundeskanzler auch noch etwas gegen das Schienbein getreten sein soll. Diesen Kunstgriff wird natürlich längst nicht jeder Leser auf Anhieb kapieren.<br />
Manchmal gelingt die einwandfreie Umsetzung der »Doch-Form« nicht, wie dieses Beispiel zeigt:</p>
<blockquote><p>Die Wirtschaft boomt, doch nun erleidet die Industrie einen Dämpfer: Die Unternehmen mussten im September einen Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt aber immer noch ein dickes Plus.</p></blockquote>
<p>Was denn nun? Dämpfer oder dickes Plus? Völlig verkehrt konstruiert. Nach den obigen klassischen Regeln hätte dieser Teaser so formuliert werden müssen:</p>
<blockquote><p>In diesem Jahr spült die boomende Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr ein dickes Plus in die Kassen. Doch nun muss die Industrie einen dämpfenden Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen.
</p></blockquote>
<p>Hier sind Optimismus und Pessimismus in ausgewogenem Maße verteilt und der Autor dieses Teasers hat auch noch den »Kassen-Spül-Satz« einbringen können; die universale Nützlichkeit dieses Satzes bei Formulierungshemmungen werden wir in einer der nächsten Lektionen analysieren.</p>
<p>Die »Doch-Form« ist ebenfalls von universaler Nützlichkeit, wie Beispiele aus den Online-Ausgaben anderer Presseerzeugnisse beweisen.<br />
Hier ein Beispiel aus der ZEIT:</p>
<blockquote><p>Viele hatten den Cygnet nur für eine schräge Marketingidee von Aston Martin gehalten. Doch der Kleinwagen kommt – und zwar nicht nur als Dreingabe zum teuren One-77.</p></blockquote>
<p>Und hier eines von Focus-Online umwerfend gestaltetes Beispiel:</p>
<blockquote><p>Gut gemeint, muss nicht gut gemacht sein: Anti-Mobbing-Programme sollen eigentlich helfen den Teufelskreis zu durchbrechen – doch nicht immer sind sie sinnvoll.</p></blockquote>
<p> </p>
<p>Dachten wir uns schon.<br />
Auch kann die »Doch-Form« für jedes beliebige Thema völlig verschleißfrei angewendet werden, auch mehrmals am Tag, wie die folgenden Beispiele vom 9. November 2010 zeigen:</p>
<blockquote><p>Sie ist jung, feminin, erfolgreich. Familienministerin Kristina Schröder steht für eine Generation von Frauen, die in Männerdomänen Karriere machen. Doch statt souverän auf Kompetenz zu verweisen, verheddert sich die CDU-Politikerin in einer Feminismus-Debatte mit Alice Schwarzer &#8211; ausgerechnet.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ohrfeige für den britischen Promi-Koch Jamie Oliver. Für die zweite Staffel seiner Doku-Serie &#8220;Food Revolution&#8221;, mit der er bei Jugendlichen für gesunde Ernährung wirbt, wollte er unbedingt mit Schulen in Los Angeles kooperieren. Doch die Schulbehörde sagte Nein.</p></blockquote>
<p>Für die Blogmouse-Internet-Schreibschule gibt es glücklicherweise keine Behörde. Die hätte uns möglicherweise verboten, Ihnen hier die Geheimnisse erfolgreichen Internet-Schreibens nahezubringen, von wegen Herrschaftswissen.<br />
Deshalb geben wir Ihnen vier Wochen Zeit, um sich die Merksätze zu merken. In dieser Zeit werden wir Lektion Nr. 2 vorbereiten. Sie wird sich mit häufig gebrauchten, aber sinnfreien Kulissensätzen beschäftigen.</p>
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		<title>Kotze und Erlöser</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 18:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Falls Sie mal so richtig kotzen wollen, sehen Sie sich den Film »The Road« (2009; Regie: John Hillcoat) an. &#8212; Selten war es in einem Kino so still. &#8212; Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Cormac McCarthy. McCarthy veröffentlichte das Buch 2006 (deutsch 2007). Es ist ein hochmoralisches Buch. Nicht etwa: Du sollst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Falls Sie mal so richtig kotzen wollen, sehen Sie sich den Film »The Road« (2009; Regie: John Hillcoat) an. &#8212; Selten war es in einem Kino so still. &#8212; Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Cormac McCarthy. McCarthy veröffentlichte das Buch 2006 (deutsch 2007). Es ist ein hochmoralisches Buch. Nicht etwa: Du sollst nicht töten. Sondern: Du sollst nicht Deinesgleichen auffressen. Und: Der Mensch ist gut.</p>
<p><span id="more-613"></span></p>
<p>Der Inhalt des Buches: Erdweite Katastrophe, vollkommener Zusammenbruch der Zivilisation, ein ehedem gutbürgerlicher nordamerikanischer Vater bricht mit seinem kleinen Sohn auf, um an die Küste zu kommen. Von der er sich irgendwas erhofft – was, das bleibt unklar. Denn Erfüllung irgendeiner Hoffnung gibt es in diesem Buch nicht (doch, ein wenig: Am Schluss erzählt der Junge, dass er eine Forelle gefangen hat), gibt es in diesem Film also auch nicht (hier gibt es keine Forelle).<br />
Vermutlich entstand das Buch aus der Erkenntnis, dass man Kinder zu Soldaten – dann natürlich »Kindersoldaten« &#8211; abrichten kann, jeden beliebigen Menschen umzubringen, Grund ist nicht nötig. Das Kind in McCarthys Buch ist aber gut. Es steht moralisch selbst über seinem Vater – im Grunde aber nur, weil sein Vater es beschützt und es darauf baut.<br />
Der Vater bricht Tabus:<br />
Er ist bereit, Menschen umzubringen, wenn sie ihm, vor allem aber seinem Sohn, nach dem Leben trachten.<br />
Er bringt einen Menschen um.<br />
Er bringt später einen zweiten um.<br />
Notwehr.<br />
Er überlässt zwei weitere Menschen ihrem Schicksal – sie werden sterben.<br />
Er zeigt seinem Sohn, wie man sich mit einem Revolver umbringt.<br />
Es gibt nur ein Tabu: Man frisst einander nicht auf.<br />
Dieses Tabu haben andere längst gebrochen. Wenn Sie also kotzen wollen – jetzt wäre der richtige Zeitpunkt. Das Buch lässt nichts aus, der Film lässt nichts aus. Vergessen Sie Splatter-Filme – Kinderkram. Etwas Vorstellungsvermögen natürlich vorausgesetzt.</p>
<p>Dazu mal ein Wort an unsere Filmkritik: Der Film halte sich zu sehr an das Buch und pi und pa und po. Macht er tatsächlich zu 90 %, bis hin zu den Dialogen. Aber was hätten Sie denn gern? Dass der Film Vater und Sohn ein intaktes Ritz-Hotel samt weicher Daunenbetten, klaren Trinkwassers, zuvorkommender Kellner, funktionierender Heizung, mit Champagner und Kaviar gefüllten Kühlschranks usw. usf. finden lässt, in dem sie bis ans Ende aller Tage glücklich sind? Soll ein Regisseur dem Buch etwas hinzuerfinden, damit man als Kritiker (bruhaha) zufrieden ist?</p>
<p>Als Leser und Zuschauer frag man sich: Was hält diesen Vater und diesen Sohn eigentlich am Leben? Dem Vater ist der kleine Sohn Gott. Das ist richtig. Denn dieser Sohn hat Maßstäbe, die dem Vater allmählich abhanden kommen. Aber nur, weil er seinen Gott schützen will und muss – um selbst nicht zu verzweifeln. Der Sohn braucht den Vater, ohne ihn wäre er verloren. Gott braucht den Gläubigen wie der Gläubige Gott braucht.<br />
Das hört sich schwer nach Bibel, Altem Testament an. »The Road« ist aber eine Parabel auf das Neue Testament. Es gibt Hoffnung.<br />
McCarthy lässt Vater und Sohn eine vierköpfige Familie folgen, und der Vater dieser Familie gibt sich dem Jungen, kurz bevor der sich nach dem Tod seines Vaters mit der letzten Kugel des Revolvers umbringen will, zu erkennen – wie ein Erlöser. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Demokratie schafft sich ab</title>
		<link>http://www.blogmouse.de/politik/die-demokratie-schafft-sich-ab/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 18:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[eine Polemik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung
Als die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen, ihren »Arbeiter- und Bauernstaat« abzuschaffen, gründeten sie eine Vielzahl von politischen Gruppierungen, deren kleinster gemeinsamer Nenner so klein gar nicht war: nicht »die Mauer muss weg« stand im Zentrum all der Diskussionen, sondern »Demokratie muss her«. Das mit der Mauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>eine Polemik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung</em></p>
<p>Als die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen, ihren »Arbeiter- und Bauernstaat« abzuschaffen, gründeten sie eine Vielzahl von politischen Gruppierungen, deren kleinster gemeinsamer Nenner so klein gar nicht war: nicht »die Mauer muss weg« stand im Zentrum all der Diskussionen, sondern »Demokratie muss her«. Das mit der Mauer ergab sich daraus ganz von selbst.</p>
<p>Heute sind kaum noch die Namen dieser Gruppierungen bekannt (am ehesten vielleicht noch das Neue Forum), und  nur in wenigen Fällen die der Protagonisten. Die Revolution frisst ihre Kinder. Auf Angela Merkel hatte die Revolution wohl keinen Appetit, oder aber sie hatte den Verdacht, dass man ihr da ein Kuckucksei untergeschoben hat.</p>
<p><span id="more-588"></span></p>
<p>Schieben wir die Polemik erst mal beiseite und erinnern uns. Die Revolution frisst ihre Kinder am liebsten dann, wenn sie noch jung sind. Bärbel Bohley (»Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat«) bekam das Bundesverdienstkreuz, hat aber im wiedervereinigten Deutschland nie eine Rolle gespielt. Vera Lengsfeld bekam aus dem Westen viel Beifall für ihr Rosa-Luxemburg-Zitat »Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden«, das sie den DDR-Chefs mutig und mit Sinn für Effekt unter die Nase rieb. Als sie wenige Jahre später als Mitglied der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen ebenso extravagant ihre Ablehnung des ersten Golfkriegs zum Ausdruck brachte, empfahl man (= jemand aus Unionsfraktion) ihr, »sich untersuchen zu lassen«. Heute ist Frau Lengsfeld vor allem noch wegen ihrer privaten Tragödie, der Bespitzelung durch ihren Ehemann, bekannt; davon abgesehen ist sie längst CDU-Mitglied. Den Namen Jens Reich hatte ich fast vergessen, als er im Sommer kurz, aber wirklich nur ganz kurz, nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten als möglicher Kandidat genannt wurde. Aber egal, Herr Reich hat ganz bestimmt was Gescheites zu tun.</p>
<p>Das Neue Forum und nahestehende Gruppen, die sich für die erste und letzte freie Volkskammerwahl zum Bündnis 90 zusammengetan hatten, waren nach nur wenigen Monaten ihres Bestehens Geschichte. Sie mussten lernen, dass sie die Situation falsch eingeschätzt hatten. (Ich auch.) Das »Wir-sind-ein-Volk«-Volk gab der »Allianz für Deutschland« den Vorzug. Diese Allianz bestand aus der Blockpartei CDU (Ost), einer Partei namens DSU (rechts neben &#8230; ist immer noch Platz) und einer im Dezember 1989 gegründeten Gruppe namens »Demokratischer Aufbruch«. Demokratischer Aufbruch &#8212; klingt doch gut, oder? Einerseits Demokratie: kann man nix dagegen haben. Andererseits aber nicht so pieselig, grundsätzlich, intellektuell, sondern: Aufbruch = vorwärts immer &#8230;  (oder so). Zwar wurde der Vorsitzende dieser Partei (Wolfgang Schnur &#8212; wer kennt ihn noch?) wenige Tage vor der Wahl als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit geoutet, aber dem Volk war&#8217;s längst egal. Und Herr Schnur hat trotzdem Geschichte geschrieben, nämlich indem er Anfang 1990 eine etwas linkisch wirkende Pfarrerstochter als hauptamtliche Mitarbeiterin seiner Partei einstellte und sie zur Pressesprecherin machte.</p>
<p>Heute ist die Pfarrerstochter Kanzlerin aller Deutschen und <em>lässt</em> sprechen, ganz besonders auch die Presse. Wer heute staunt, mit welch unglaublichem Machtinstinkt Merkel die Propagandamaschine beherrscht und en passant ihre Gegner aus dem Weg räumt, sollte etwas weiter in die Geschichte zurück schauen als bis Kohl. »Kohls Mädel« hat man sie genannt, was aber nicht mal die halbe Wahrheit ist. Er hat sie gefördert, ja, aber sie wusste genau, wo sie stehen muss, um gefördert zu werden. Und ja, sie hat einige seiner Talente (z.B. das zum Aussitzen), aber darüber hinaus einige mehr. Sie macht nie wirklich einen Fehler, jedenfalls keinen, der ihrem Machterhalt schaden könnte. Sie wiegelt alle gegen sich auf, aber immer so geschickt, dass sich ihre Gegner gegenseitig erledigen. Sie versteht es, die Regeln der Demokratie ganz hervorragend für sich zu nutzen. Doch, kein Wunder, nach fünf Jahren Merkel wirkt die Demokratie irgendwie abgenutzt.</p>
<p>Beispielsweise die »Ernennung« des Bundespräsidenten durch die Kanzlerin. Natürlich war es keine Ernennung, Herr Wulff wurde ganz ordnungsgemäß demokratisch gewählt. Außerdem weiß ja jeder, dass der BP eh nix zu sagen hat, gebraucht wurde ein vorzeigbarer Grüß-August, der schwungvoll seinen Namen schreiben kann &#8212; was spricht also gegen Herrn Wulff? Frau Merkel ist da gar nichts vorzuwerfen, und deshalb bleibt der seltsame Geruch, den die Sache trotzdem hat, an der Demokratie selbst haften. </p>
<p>Die Wortschöpfung von der »Verbanklichung des Staates« kommt auch nicht von ungefähr. Überhaupt hat der Lobbyismus mit dieser Regierung eine Stufe erreicht, dass die Demokratie daneben zwangsläufig als lächerliches Landei erscheint. Von der Leyen darf zum Volke sprechen, als wären wir alle ein bisschen blöd, Westerwelle (»wer mich kritisiert, der gefährdet die Demokratie«) darf <span style="text-decoration: line-through;">gegen</span> Hartz-IV-Empfänger <span style="text-decoration: line-through;">hetzen </span>als römisch-dekadent bezeichnen, Rösler (der Kleine will doch nur spielen) darf den Elefanten im Porzellanladen namens »Gesundheitssystem« geben, die Familienministerin merkt immerhin so viel, dass sie von Familie keine Ahnung hat, und tut etwas, worauf sie sich versteht: Linksradikalismus bekämpfen. Usw. usw. Alles »demokratisch legitimiert«, denn <strong>wir</strong> haben <strong>die</strong> ja gewählt. Merkel und die Ihren bedienen sich demokratischer Mittel, um ihre (oder wessen?) Interessen durchzusetzen. Sie bedienen sich der Demokratie, anstatt ihr zu dienen.</p>
<p>Okay, jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Wenn&#8217;s nur das wäre! Wenn ich Foren wie das von Spiegel online lese, dann beschleicht mich ein viel schlimmeres Gefühl, nämlich dass diese Regierung so langsam das Volk bekommt, das sie verdient. Was da täglich an Neid, Häme, Gehässigkeit, Dummheit, Selbstgerechtigkeit und blankem Egoismus in hässliche Sätze gegossen wird, muss jeden <span style="text-decoration: line-through;">Demokraten</span>  zivilisierten Menschen beunruhigen. Auch im Spon Forum gibt es Aufrechte, die paroli bieten und sich geduldig anpöbeln lassen. Das ist gut so, immerhin. Aber ich fürchte, auch wenn diese Aufrechten einen rhetorischen Sieg davon tragen (sie haben die besseren Argumente und oft auch den besseren Stil), sie überzeugen niemanden und können die Verrohung nicht aufhalten. Das Image der Kirchen ist zu sehr ramponiert, als dass aus dieser Richtung noch jemand Gehör fände, und dann hat auch noch der Teufel persönlich Frau Käßmann den Autoschlüssel in die Hand gedrückt. Jetzt gibt es nur noch diese Pfarrerstochter, die versprochen hat, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.</p>
<p>Jede ordentliche deutsche Hausfrau müsste es eigentlich wissen: Dinge, die man schätzt und möglichst lange behalten will, die darf man nicht nur benutzen, die muss man auch pflegen.</p>
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		<title>Sie haben fertig, Frau Merkel</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 23:20:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundeskanzlerin Merkel feiert eine „Revolution“. Am vergangenen Wochenende hat man sich in der Koalition auf einen Energieplan geeinigt. Zu dem gäbe es eine Menge zu sagen. Wichtiger aber ist, dass sich die äußerst clevere Taktikerin Angela Merkel mit dem Energie-Dingsbums nun endgültig vertan hat.

Angela Merkel hat schon vielen gezeigt, wo der Hammer hängt: Merz, Oettinger, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bundeskanzlerin Merkel feiert eine „Revolution“. Am vergangenen Wochenende hat man sich in der Koalition auf einen Energieplan geeinigt. Zu dem gäbe es eine Menge zu sagen. Wichtiger aber ist, dass sich die äußerst clevere Taktikerin Angela Merkel mit dem Energie-Dingsbums nun endgültig vertan hat.</p>
<p><span id="more-584"></span></p>
<p>Angela Merkel hat schon vielen gezeigt, wo der Hammer hängt: Merz, Oettinger, Koch, Wulff – alle weg; ein paar andere auch, aber die wähnten sich ohnehin nur wichtig. Zurzeit erledigt sie Norbert Röttgen. Eventuell kann der ausweichen und Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen werden. Sicher ist das nicht.<br />
Was weit wichtiger ist: Über all die schlaue Taktiererei vergisst sie, dass es auch im „Volk“ (O-Ton Westewelle) Leute gibt, die nicht der „Intelligenz-Poliziei“ von Sarrazin unterliegen, sondern denken.<br />
Die denken z. B.: Es gibt diverse ältere und nicht ganz so ältere Atomkraftwerke in Deutschland. Die denken: Es gibt eigentlich nur vier „Strom-Anbieter“. Könnte man für Monopolisten halten. Die möchten die Atomkraftwerke gern länger am Netz halten, bringt ja viel Geld. Da kommt die Regierung und will eine „Brennelement-Steuer“ erheben. Ja, warum das denn? Fragen sich The Big Four. Ganz einfach: Weil die Regierung im Moment keine Steuern erhöhen kann: Der Staat ist überdimensional verschuldet, braucht also Geld. Die FDP möchte als „Steuersenkungspartei“ in die Geschichte eingehen. Derzeit kann diese Regierung also nicht etwa die Mehrwertsteuer erhöhen. Lohnsteuer/Einkommensteuer schon gar nicht – nebenbei: die Progression in der derzeitigen Form will sie natürlich auch nicht abschaffen -, aber Frau Merkel im Verein mit Herrn Schäuble ist viel zu gewitzt, als das sie nicht wüsste, wie man an Geld kommt; wird sich gleich zeigen, von wem das kommen soll.<br />
Also tut man was für die Umwelt. Verlängerung für Laufzeit der Atomkraftwerke gibt es nur, wenn die Brennelementsteuer akzeptiert wird. Gleichzeitig werden Windkraftwerke gefördert – von Löbejühn bis Magdeburg ist leider alles schon voll, der Horizont wird von Propellern geprägt –, aber es gibt in jeder Stadt einen Marktplatz, auf den man einen Propellerturm stellen kann, damit H &#038; M und Coca Cola und weiß Gott, wer, weiterhin 24 Stunden am Tag Leuchtreklame machen können, und Solaranlagen gefördert, auch wenn deren Energiebilanz – na, sagen wir – „Fragen aufwirft“. Und Elektroautos &#8211; die gibt es zwar eigentlich nicht, aber die fahren wenigstens mit Strom aus der Steckdose; weiß der Himmel, wie der da reinkommt.<br />
Gut, sagen The Big Four, so machen wir eine Revolution. Die Brennelementsteuer setzen wir einerseits von der Gesamtsteuer ab, und was übrig bleibt, wälzen wir auf die Kunden ab.<br />
Und Frau Merkel freut sich: Steuern hat sie nicht erhöht. Geld kommt trotzdem. Auf Umwegen zwar, aber – wen kümmert’s? Außer den Stromkunden natürlich. Dass die damit nicht einverstanden sind, ist eh klar, da brauchen wir doch gar keine Rücksicht drauf zu nehmen.<br />
Dieses Prinzip ist ausbaufähig, wie wir wohl bald lernen werden. Denn der Öffentlich-rechtliche Rundfunk will bezahlt sein, bitte nicht zu schlecht. Also wird das „Gebühren-Geschäftsmodell“ renoviert. Geht genau so wie beim Strom, nur noch etwas dreister: Jeder Haushalt muss bezahlen, egal, ob er Radio oder Fernsehgerät hat und Öffentlich-rechtliche Sender in Anspruch nimmt oder nicht. Haushaltsbezogen wird bezahlt. Kommt Ihnen wie eine Steuer vor? Nicht doch, bei den meisten Steuern wissen Sie wenigstens, warum und wofür Sie zahlen. Hier nicht. Mehr noch: Für den Gutachter der ÖR-Sender, Herrn Kirchhoff, ist klar: Alles ist Rundfunk. Wenn Sie also E-Mails schreiben oder bekommen, sind sie im Internet. Und Internet ist Rundfunk. Und dafür ist eine Gebühr fällig. Schwarz ist Weiß, blöd ist schlau und Recht ist, was die Mehrheit hat.<br />
So geht der Krug. Und geht, und geht. Bis zur nächsten Wahl. Dann werden Frau Merkel und Herr Westerwelle merken, dass sie mal wieder die „Leistungen der Regierung zu wenig kommuniziert haben“. Und dass das „Volk“ (O-Ton Westerwelle) sich zwar nicht exakt artikulieren kann, aber diffus gemerkt hat, dass es an der Hecke entlang gezogen werden soll. Und dann mal jemand anders wählt.<br />
Fraglich allerdings, ob The Fat Three Gabriel, Nahles und Künast das alles anders machen.</p>
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		<title>Demokratie ohne Demos</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 11:56:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun ist sie vorbei, die Wahl, die keine war (Der Spiegel). Im Nachhinein war es natürlich ein »guter Tag für die Demokratie«, so Claudia Rohth von den Grünen, Schulsprecherin der Nation, wenn auch »nicht besonders elegant«, wie Volker Kauder Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag, einräumte. Und leider ist ja nun nicht Herr Gauck »richtiger« Bundespräsident [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist sie vorbei, die Wahl, die keine war (Der Spiegel). Im Nachhinein war es natürlich ein »guter Tag für die Demokratie«, so Claudia Rohth von den Grünen, Schulsprecherin der Nation, wenn auch »nicht besonders elegant«, wie Volker Kauder Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag, einräumte. Und leider ist ja nun nicht Herr Gauck »richtiger« Bundespräsident geworden, sondern nur »Bundespräsident der Herzen«. Und es erheben sich die Stimmen, die da fordern, man möge den Bundespräsidenten doch direkt »vom Volk« wählen lassen. Aber – warum gerade den? Gäbe es da nicht Wichtigeres zu wählen?</p>
<p><span id="more-577"></span></p>
<p>Bei Licht betrachtet wird in der Bundesrepublik nämlich niemand vom Volk gewählt. Sondern fast alle – Bundespräsident, Bundestagspräsident, Bundesratspräsident, Minister, Abgeordnete – werden von Parteien in eigentümlichen »Wahlen« bestimmt und dann dem Wählervolk präsentiert.<br />
Das geht so:<br />
Sie müssen Mitglied in einer Partei sein. Nicht in irgendeiner, sondern in einer, die wenigstens den Hauch einer Chance hat, in ein Parlament zu kommen. Also bleiben nur CDU, SPD, FDP, Die Grünen und die Linken. Sie müssen bei einer dieser Parteien also richtig mitarbeiten, dann werden Sie vielleicht auf einen Listenplatz gesetzt. Denn: Die Hälfte der Sitze in unseren Parlamenten – Bundestag, Länderparlamente – werden nach Liste besetzt. Jede Partei macht also eine Art Hitparade, wer weit oben steht, hat später eher eine Chance, im jeweiligen Parlament zu sitzen, als der, der ganz unten auf der Liste steht. Glücklicherweise quatscht keiner aus dem Wählervolk dazwischen, wer auf die Liste kommt; das machen die Parteien ganz unter sich aus. Es gäbe natürlich noch die Alternative, sich direkt um einen Wahlkreis zu bemühen und sich dann tatsächlich vom Wählervolk wählen zu lassen. Sehr unsicher. Wagen nicht alle Parteimitglieder. Wäre auch nicht besonders schlau, in einem Wahlkreis anzutreten, wo der Gegner Angela Merkel oder Christian Ströbele heißt – die gewinnen immer das Direktmandat. Dann lieber Liste.<br />
Wenn Sie dann im Parlament sind – nur indirekt über Liste gewählt, kein Mensch im Wählervolk kennt Sie überhaupt -, finden Sie sich in einer Fraktion wieder. Chef der Fraktion ist einer, der nicht gewählt, sondern bestimmt wurde. Der sagt Ihnen als erstes, dass Sie jetzt zu wählen haben, was er Ihnen sagt. Zum Beispiel den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Der oder die wurde parteiintern gewählt. Das heißt: Er kandidierte zu einer Wahl, in der es nur einen Kandidaten oder eine Kandidatin gab. Wollen ausnahmsweise mal zwei kandidieren – schon ist es eine »Krise«. Manchmal wird dann vor der Wahl das Parteiwählervolk befragt. Dann wird der Kandidat gefunden und in der Regel mit über 90 % gewählt. Weiland in der DDR zum Beispiel waren derartige Wahlergebnisse natürlich schlecht. Bei den Parteien ist dasselbe aber gut. Wie der Kandidat überhaupt Kandidat wurde – das ist schwierig zu erklären und liegt manchmal im Dunkel.<br />
Nun, im Bundestag, steht dieser Kandidat, der nun keiner mehr ist, zur Wahl zum Bundeskanzler beziehungsweise Bundeskanzlerin. Die Opposition stellt einen Gegenkandidaten auf, wohl wissend, dass der oder die keine Chance hat. Gibt zum Glück ja den Fraktionszwang, siehe oben. Ist der Kanzler bzw. die Kanzerlin gewählt, bestimmt die ihre Minister – natürlich ohne Wahl, geht da nach diversen Vorgaben – Mann, Frau, evangelisch, katholisch, richtiges Bundesland, wie altgedient in der Partei usw. -, bestimmt auch gleich den Bundestagspräsidenten, und so geht es hurtig weiter. Letzten Endes ist keiner von denen, die nun gewählt sind, tatsächlich vom Volk gewählt.<br />
Dann hätten die Parteien nämlich möglicherweise nichts mehr zu sagen.<br />
Na, dann wenigstens den Bundespräsidenten vom Volk wählen lassen. Aber warum den, hat er doch nichts zu sagen. Köhler hat es ja schließlich auch gemerkt. Wäre auch interessant zu wissen, wer denn den vom Volk zuwählenden Bundespräsidenten-Kandidaten vorschlagen soll.<br />
Am besten die Parteien. Die haben damit Erfahrung.</p>
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		<title>Danaer-Geschenke von Frau Angela</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 18:15:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie erledigt man Gegner? In dem man sie wahrnimmt, dies aber nicht zeigt. Indem man sie beschenkt. Dass sie dann ein hohles Holzpferd in die Mauern ihrer Burgen ziehen, merken sie erst dann, wenn es zu spät ist.

Da gab es z.B. Günther Oettinger. Als er anlässlich des Begräbnisses von Hans Filbinger, Vorgänger im Amt (Baden-Württemberg), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie erledigt man Gegner? In dem man sie wahrnimmt, dies aber nicht zeigt. Indem man sie beschenkt. Dass sie dann ein hohles Holzpferd in die Mauern ihrer Burgen ziehen, merken sie erst dann, wenn es zu spät ist.</p>
<p><span id="more-575"></span></p>
<p>Da gab es z.B. Günther Oettinger. Als er anlässlich des Begräbnisses von Hans Filbinger, Vorgänger im Amt (Baden-Württemberg), einige merkwürdige Sätze von sich gab, durfte er bei Frau Angela antanzen. Danach hatte er Normalmaß. Er kann froh sein, sein Arbeitsenglisch nun als EU-Kommissar für Energie testen zu dürfen – vielleicht verstehen sie ihn ja da.<br />
Roland Koch, wie Oettinger Ministerpräsident eines Bundeslandes, hat nun selbst aufgegeben. Wie vor ihm Friedrich März, wie die Vorgenannten ebenfalls Mitglied des so genannten „Anden-Paktes“. Keine Lust mehr.<br />
Peter Müller steht einem völlig verarmten Bundesland vor, von dem man vier bräuchte, um die Einwohnerzahl von Berlin zu erreichen. Eines der großen Rätsel des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, warum dieser Mann immer in die Mikrofone sprechen darf, wenn man Bürgermeister von Berlin, München, Frankfurt, Hamburg nicht fragt. Ohne Länderfinanzausgleich gäbe es dieses Bundesland überhaupt nicht.<br />
Franz-Josef Jung. Auch nicht mehr da.<br />
Ole von Beust. Versucht in Hamburg den Henning Scherf zu geben. Kann nicht gelingen.<br />
Blieb Christian Wulff. Angeblich der Lieblingsschwiegersohn aller deutschen Frauen.<br />
Wie wird man den los?<br />
Man schenkt ihm das Amt des Bundespräsidenten.<br />
Mal klipp und klar gesagt: Der Bundespräsident hat in diesem Land nichts zu sagen. Er unterzeichnet die Gesetze, die Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Das kann er – gut begründet – auch mal verweigern. Sollte er aber nicht. Er ist nicht der König, als den ihn die Medien im Moment hinstellen.<br />
Wulff wird also nie Bundeskanzler. Merz auch nicht. Oettinger auch nicht. Jung sowieso nicht. Müller erst recht nicht. Koch nun ja auch nicht.<br />
Wer bleibt?<br />
Frau Angela.<br />
Nebenbei ein Lehrstück, das Männer-Netzwerke nichts taugen, und Frauen kein Netzwerk benötigen.</p>
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		<title>Die Griechen und die Kruzifixe</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 06:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goofy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern Abend fand Claus Kleber vom Zweiten Deutschen Fernsehen endlich einmal eine Minute Zeit, seinem Publikum zu erklären, wie das mit der finanziellen Hilfe für Griechenland eigentlich wirklich funktioniert. Wir von Blogmouse hoffen, dass vor allem die Mitarbeiter der Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Titel vor ihren Mattscheiben gesessen und gut aufgepasst haben. Allerdings hat Herr Kleber bei seiner Zuhörerschaft sehr auf gründliche Kenntnisse in der Prozentrechnung vertraut. Da haben wir hier bei Blogmouse einige Zweifel (PISA!) und werden Herrn Klebers Rede noch einmal kurz erklärend nachvollziehen. Und da wir gerade beim heutigen Journalismus sind, werden wir den auch nicht nur im Großen, sondern auch gleich im Kleinen bewerten. Rating muss sein.</p>
<p><span id="more-573"></span></p>
<p>Das mit dem vielen Geld für Griechenland geht so: Griechenland ist klamm. Geschwindelt haben sie auch und allen arglosen Mit-EU-Staaten griechischen Wein eingeschenkt. Bis zum Abwinken. Nun ist alles rausgekommen und keine Bank der Welt will denen noch Geld geben. Die fixen Mädchen und Jungs in den britischen Rating-Agenturen haben die Griechen erst einmal in den Keller geratet, woraufhin die international agierenden Großbanken die Zinsen für Kredite in für jeden Staat unerreichbare Höhen geschraubt haben. Wohl gemerkt: Rating-Agenturen sind nicht unabhängig.<br />
Kredite mit derartigen Zinsen kann also kein Land verkraften. Griechenland bekäme auf dem so genannten internationalen Geldmarkt Geld nur noch für 13 Prozent. 100 Euro bekommen, 113 zurückzahlen, innerhalb eines Jahres. Da wandten sich die Griechen nun an die EU. Zu der gehört auch Deutschland. Deutschland will helfen.<br />
Das geht so: Da Deutschland nicht in Grund und Boden geratet wurde, bekommt Deutschland auf demselben internationalen Geldmarkt Kredite für 3 % Zinsen. 100 Euro bekommen, nur 103 Euro zurückzahlen. Das Geld zu leihen, dazu wird die KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, ermächtig, auf dem internationalen Geldmarkt. Die KfW ist eine Bank, die nach 1945 eingerichtet wurde, damit die Gelder des Marshal-Planes ordentlich verwaltet werden konnten. Damals gab es nämlich Staaten, allen voran die USA, die den Deutschen Geld leihen wollten, damit diese aus dem selbst angerichteten Desaster wieder herauskommen. Hat ja auch geklappt. Obwohl es damals weit weniger Grund gab, den Deutschen zu helfen, als heute den Griechen.<br />
Aber wir schweifen ab.<br />
Nun leiht sich also die KfW Geld. Insgesamt 22, 4 Milliarden Euro. Das ist eine große Zahl, die wir hier wegen Platzmangel nicht aufschreiben können. Dieses Geld wird nun in drei große Teile geschnitten und in diesem Jahr bekommen die Griechen davon etwas über 8 Milliarden, im nächsten noch mal, im übernächsten den Rest. Das leihen wir großzügigen Deutschen den Griechen. Nicht für 13 %. Aber auch nicht für 3 %. Sondern für 5 %.  Die Griechen müssen der KfW also statt 100 Euro 105 zurückgeben. Das ist viel weniger als 113 Euro. Das sollte zu schaffen sein. Gut, wahre Freundschaft sieht anders aus, aber so lange kennen wir die Griechen ja nun auch wieder nicht. Außerdem heißen da zu viele Leute Odysseus.<br />
In diesem Jahr also rund gerechnet 8 Milliarden. Zu 5 %. Das sind allein in diesem Jahr 400 000 000 Euro, die wir von den Griechen bekommen. 240 Millionen davon gehen an den internationalen Geldmarkt zurück, Sie erinnern sich, die 3 %, den Rest sacken wir, die Deutschen, ein. Und die Griechen zahlen in diesem Jahr für 8 Milliarden Euro Kredit Zinsen, im nächsten für 16 und im dritten Jahr für eben diese 22,4 Milliarden. Hübsches Geschäft für uns. Sollte der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Griechen nicht zahlen, so wird man sich was Neues überlegen müssen. Aber niemand kann in die Zukunft sehen.<br />
Außer denen, die bei BILD und SPON und einigen anderen Medien schreiben dürfen. Dafür können die offensichtlich nicht rechnen. Bei Prozentrechnung gefehlt.<br />
Oder hingen da etwa zu viele Kruzifixe in den Klassenzimmern? Da hat die neue Sozialministerin von Niedersachsen, Frau Aygül Özkan, ja furchtlos drauf hingewiesen. Worauf die Großbuchstaben-Schreiber gleich über sie hergefallen sind, Frau Özkans Chef gleich mit. Wir von Blogmouse erst einmal nicht. Denn wir fragten uns: Hängen denn so viele Kruzifixe in niedersächsischen Klassenzimmern, dass das Lernen der Prozentrechnung verhindert wird? Glücklicherweise haben wir einen Niedersachsen in unserer Redaktion. In vier niedersächsischen Schulen gestählt.<br />
Er berichtet aus den 1960er- und 1970er-Jahren (also noch ein wenig finsterste Adenauer-Zeit!): Zuerst eine katholische Volksschule besucht. In jedem Klassenzimmer ein (1) Kruzifix. Gut, wenn nicht in einer katholischen Grundschule, wo dann. Danach hat unser niedersächsischer Gewährsmann trotzdem die Aufnahmeprüfung eines staatlichen Gymnasiums geschafft. Dort gab es keine Kruzifixe. Auch an den Wänden der anderen beiden  staatlichen Gymnasien, die unser Niedersachse besuchte – und er tat das über viele Jahre gründlich, musterte die nackten Wände zahlloser Klassenzimmer über einen ungebührlich langen Zeitraum -, fanden sich keine Kruzifixe. Offenbar waren Sinn und Zweck von Kruzifixen – von wegen Werte des christlichen Abendlandes &#8211; unbekannt, sonst hätten sie ja eins aufgehängt. Eins in jedem Klassenzimmer.<br />
Unser Niedersachse war schon lange nicht mehr in einem niedersächsischen Schulgebäude. Und keine zehn Pferde werden ihn dahin je zurückbringen.<br />
Aber könnte nicht mal Frau Özkan, vielleicht mit Herrn Wulff gemeinsam, die eine oder andere Schule in Niedersachsen besuchen, um nach den Kruzifixen zu schauen? Sie könnten ja auch ein paar Journalisten mitnehmen. Die müssten dann nicht von selbst darauf kommen, Gerede von der Realität unterscheiden zu lernen.</p>
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		<title>Asche auf mein Haupt</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 08:15:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann beißt Hund]]></category>

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		<description><![CDATA[Heut morgen hab ich mich ganz besonders gefreut, die Sonne wiederzusehn, denn es war ja zu befürchten, dass die isländische Aschewolke den schönen blauen Himmel über L.E. verdeckt. Aber nix da. 
Heiter gestimmt ging ich also zum Bäcker. Als aber mein Blick auf die dort ausliegenden Printmedien fiel, schlug meine Stimmung schlagartig um. Zuerst dachte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heut morgen hab ich mich ganz besonders gefreut, die Sonne wiederzusehn, denn es war ja zu befürchten, dass die isländische Aschewolke den schönen blauen Himmel über L.E. verdeckt. Aber nix da. <span id="more-554"></span></p>
<p>Heiter gestimmt ging ich also zum Bäcker. Als aber mein Blick auf die dort ausliegenden Printmedien fiel, schlug meine Stimmung schlagartig um. Zuerst dachte ich »Igitt« &#8212; die Bildzeitung war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Im nächsten Moment dachte ich »Ohgott«, denn mir wurde bewusst, dass ich in meiner gestrigen Auflistung der maßgeblichen Pressestimmen zum <a href="http://www.blogmouse.de/mann-beist-hund/theres-no-island-like-island/" target="_self">Island-Vulkan-Asche-Flugverkehr-Chaos </a>unser wichtigstes Leitmedium, die Bildzeitung, zu erwähnen vergaß. Was für ein Lapsus! Nochmals: Asche auf mein Haupt.</p>
<p>Denn die Bildzeitung beweist auch mit ihrer Aschemeldung, dass sie nicht einfach einer unter vielen Chorsängern ist. Die Schlagzeile der Bildzeitung zeigt echte Größe verbunden mit ergreifender Schlichtheit und wird somit der Monstrosität des Ereignisses in einer Weise gerecht, dass man mal wieder nur staunen kann:</p>
<blockquote><p><strong>Das Aschemonster!</strong></p></blockquote>
<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_557" class="wp-caption image left" style="width: 200px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-557" style="border 1px solid black;" title="Troll" src="http://www.blogmouse.de/wp-content/uploads/2010/04/forest-troll.jpg" alt="Theodor Kittelsen" width="200" height="288" /></dt>
<h5>Forest Troll? Aschemonster? Hirngespinst?</h5>
</dl>
</div>
<p>Wem da nicht ein Schauer den Rücken runterläuft, dem ist nicht mehr zu helfen. Und weil die Bildzeitung (wohl zu recht) davon ausgeht, dass nicht alle Leser ausreichend fantasiebegabt sind, um sich die Verheerungen des in Europa umgehenden Aschemonsters ausmalen zu können, haben sie ihre Titelseite mit so einer Art Staubimitat überdrucken lassen. Ich Einfaltspinsel habe das für echten Staub gehalten, aber wie man sieht: man darf der Bildzeitung nicht alles glauben.</p>
<p>Da ich vor lauter Igitt und Ohgott nicht näher hingeschaut habe, weiß ich nun nicht, was genau die Bildzeitung mit dem Aschemonster meint &#8212; die Aschewolke oder den Vulkan. Mir gefällt ja die Vorstellung, dass der Vulkan (der die meiste Zeit über nichts anderes ist als ein Berg) als Monster durch die Lande zieht. Ganz langsam oder wenn grad keiner hinguckt. Etwa so wie der »Forest Troll« (das Bild hier), den Theodor Kittelsen (kein Isländer, sonder Norweger) schon vor mehr als 100 Jahren gemalt hat.</p>
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