30 Dez 2009
Deutschland trotzt der Schweinekrise
Sozialer Abstieg extrem: Vom Glücksbringer zum Seuchenherd. Schweine müssen raus, Galeria Kaufhof, Leipzig
Fest etabliert im nachweihnachtlichen Brauchtum sind mittlerweile die großangelegten Umtausch- und Rückgabeaktionen, die den Geschäften auch in der Zeit »zwischen den Jahren« volle Häuser bescheren. Da werden Kleidungsstücke umgetauscht, die nicht passen, Schmuckstücke retourniert, die nicht gefallen, oder Bücher, die bereits vorhanden. Oder man hat einfach festgestellt, dass man einen angeschafften Gegenstand eben doch nicht braucht. Hand auf’s Herz — wer hätte sich nicht schon einmal verkauft? Und gerade in Zeiten der Krise hat doch keiner Lust, auf solcher Ware sitzen zu bleiben! Schon gar nicht die hochverschuldeten Bundesländer.
Die haben schon im Sommer angefangen, für ihre Landeskinder Impfdosen zum Schutz gegen die Schweinegrippe zu bestellen. Irgendwie war die Schweinegrippe aber — emotional wie epidemiologisch — ein Rohrkrepierer, wenn man es mal mit Rinderwahn oder Vogelgrippe vergleicht. Sei es, weil die Seuche selbst sich eher zahm verhielt oder weil die Angstrezeptoren der Landeskinder bereits anderweitig besetzt waren oder weil das Schwein als Tier und die Grippe als Krankheit zu gewöhnlich schienen — jedenfalls war die Impfbereitschaft sozusagen unter aller Sau. Wie SPon meldet, haben sich bisher nur 5 bis 6 Prozent aller Bürger impfen lassen. Und so wurde aus der angekündigten Schweinegrippe eine Schweinekrise, die auf die vielen anderen Krisen des Jahres 2009 noch oben drauf kommt. Verständlich, dass die Bundesländer die unnütze Anschaffung nun gereut und sie den Kaufvertrag mit dem Hersteller GlaxoSmithKline gern stornieren möchten. Blogmouse ist gespannt, ob das gelingt.
Falls der Staat bzw. die Länder auf der gutgemeinten, aber sinnlosen Anschaffung sitzen bleiben, zahlt das am Ende der Steuerzahler. Blogmouse zahlt Steuern. Hätten sich die Bürger wie gedacht impfen lassen, hätten die Krankenkassen für die Kosten aufkommen müssen. Also die Beitragszahler. Blogmouse zahlt nicht nur Steuern sondern auch fleißig Beiträge in eine gesetzliche Krankenversicherung und ist deshalb in der persönlichen Impfentscheidung völlig frei von finanziellen Erwägungen. Am besten wäre es natürlich, wenn jemand ganz anderes das Zeug bezahlen würde. Beispielsweise Moldawier, Mazedonier, Kosovoer, Albanier, Mongolen oder Ukrainer. Die haben bereits ein gewisses Interesse an den deutschen Impfstoffreserven gezeigt, wollen diese aber am liebsten als Entwicklungshilfe, also vermutlich geschenkt. Ja wie? Haben die noch nicht gemerkt, das wir hier Krise haben?
Bleibt wohl nur die Hoffnung, dass sich GlaxoSmithKline kulant zeigt. Vielleicht kann man ja den Schweinegrippe-Impfstoff gegen etwas Brauchbareres umtauschen? Oder chemisch umwandeln und bis zur nächsten Seuche einlagern? Oder etwas gegen die eigentlichen Volkskrankheiten tun, wie Angst, Depression und Demenz. Wie gesagt, Blogmouse ist gespannt, ob das gelingt.
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