21 Nov 2009

Drei und eine halbe Säule

Abgelegt 00:17 unter Medien

Eine der Säulen, hier der Fuß
Eine der Säulen, hier der Fuß

Die drei  diese Gesellschaft tragenden Säulen sind bekannt: Legislative, Exekutive und Judikative – die Legislative beschließt per Mehrheit Gesetze, deren Einhaltung die Exekutive überwacht und die Legislative sieht dann zu, wie diejenigen zu behandeln sind, die sich nicht an die Gesetze halten wollen.
Und dann gibt es noch eine Säule,  die »vierte Gewalt« – die Zeitungen und die Zeitschriften, der Rundfunk, das Fernsehen und auch das Internet -, die Journalisten. Sie beobachten, was Legislative, Exekutive und Judikative so treiben. Und kritisieren dies dann auch mal. Es ist also ein verantwortungsvoller Beruf, der Beruf des Journalisten.

Aber ist das eigentlich ein Beruf? In der Bundesrepublik Deutschland kann sich jeder Journalist nennen. Das machen Studienabbrecher wie Professoren. Während ein Auto nicht repariert werden kann, ohne dass ein Meister für das Ergebnis die Verantwortung übernimmt, kann ein Journalist sich zu jedem Thema äußern, ohne irgendwelche Sachkenntnisse vorweisen zu müssen. Natürlich gibt es Journalistenschulen – sie »produzieren« Journalisten direkt für den Markt. Sie sind deshalb meist direkt an Medienkonzerne angebunden. Viele der Absolventen können nicht schreiben, nicht richtig sprechen und können sich auch nicht vor der Kamera bewegen – aber das wollen sie oft auch gar nicht. Sie wollen und sollen in die Führungsetagen. Dort sind sie inzwischen angekommen und schreiben denen, die die eigentliche journalistische Arbeit machen vor, wie sie diese zu machen haben.
Dann gibt es an staatlichen Universitäten einschlägige Studiengänge, Journalistik, Publizistik, Zeitungswissenschaften und weitere mehr. Da kann es dem angehenden Journalisten passieren, dass vor ihm ein Dozent – bis hin zum Professor – steht, der selbst vielleicht nie in dem Beruf gearbeitet hat, aber wenigstens ein sechswöchiges Praktikum z. B. bei der »Süddeutschen Zeitung« vorweisen kann.
Mit Einführung des Privat-Fernsehens in den 1980er-Jahren wurde eine Heerschar von Journalisten gebraucht. Allerdings nicht solche, die etwa bei Zeitungen ein Volontariat gemacht hatten und in der jeweiligen Redaktion eine bestimmte Aufgabe übernommen hatten. Junge Leute mit schnellem Mundwerk wurden gebraucht. Bald zogen die öffentlich rechtlichen Sender nach und spätestens nach 2000 war klar, dass es den Journalismus alter Prägung nicht mehr gab: Es gab jetzt die Medienmanager einerseits und ein Fußvolk von »liefernden« Mitarbeitern, inzwischen wenige feste und viele freie, andererseits. Während die einen zu Stars werden, sich zwar immer noch »Journalist« nennen, aber überhaupt nicht journalistisch arbeiten, arbeiten die anderen journalistisch, können davon aber nicht leben.
Also nehmen sie was kommt. Schreiben, was immer gewünscht wird. Für jeden. Das war schon immer so: Wer über Bücher schreibt, macht notgedrungen Reklame dafür. Wer über Musik schreibt, tut das auch schon mal für eine Plattenfirma oder einen Konzertveranstalter. Das ist nicht weiter schlimm. Man kann ja Bücher, die verrissen wurden, erst recht kaufen und lesen. Und CDs, die sehr gelobt wurden, einfach nicht kaufen und nicht hören.
Vielleicht ist es auch nicht schlimm, wenn der Journalismus als Ganzes verschwindet. Einfach komplett die Seiten wechseln würde. Das hieße also nicht, dass Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen verschwinden würden. Aber es würde vor jedem Artikel, vor jeder Sendung, vor jeder Regierungserklärung klar gestellt werden: »Der folgende Beitrag stammt in wesentliche Teilen aus den Public-Relation-Abteilungen von Daimler Benz®, der Bertelsmann-Stiftung®, Aldi Nord® und Playmobil®«.
Wäre nicht schön. Aber ehrlich.

Keine Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.

SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline