22 Nov 2009

Gerechtigkeit am Sonntag

Abgelegt 15:36 unter Politik, Wirtschaft

Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer.

Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist.
Die Erfolgreichen müssen den Nicht-so-Erfolgreichen vermitteln, dass das System fair und gerecht ist

Große Worte, gesprochen vom Finanzminister. In einem Interview mit der Bild am Sonntag spricht Wolfgang Schäuble von seinem Eindruck, dass die Banken (manche jedenfalls — es gibt ja überall schwarze Schafe) wenig aus der Finanzkrise gelernt hätten:

Nicht alle haben begriffen, was da schiefgelaufen ist und dass man so nicht weitermachen kann. Da haben viele den Unterschied zwischen einem gesunden Egoismus und Gier nicht verstanden. Diese Raffgier zerstört alles, und mich stimmt sehr nachdenklich, dass sie schon wieder um sich greift.

Darauf wäre der normale Bürger sicher auch allein gekommen. Aber dann kommt der Salto Mortale, dessen Beherrschung den Erfolgreichen vom Nicht-ganz-so-Erfolgreichen unterscheidet: Schäuble appelliert an die Banken, doch bitte die staatlichen Bankenrettungsfonds in Anspruch zu nehmen. Kreditklemme und so. Pfff…

Richtig staunen kann man, als das Gespräch auf die längst wieder maßlosen Boni kommt. Denn virtuos beherrscht Schäuble auch den circulus vitiosus: Wer Erfolg hat, bekommt dicke Boni. Wer dicke Boni bekommt ist ein Erfolgreicher (klar doch). Und dann die Nummer mit der Verantwortung:

Aber die Erfolgreichen haben auch eine besondere Verantwortung den Nicht-so-Erfolgreichen gegenüber: Sie müssen vermitteln, dass dieses System fair und gerecht ist.

Es kommt also nicht darauf an, ein gerechtes und faires System zu haben, sondern lediglich zu vermitteln, dass es so sei. Warum nicht, es ist ja letzten Endes auch egal, ob ich tatsächlich frei bin oder mich nur(?) frei fühle. Anrüchig wird die Sache allerdings, wenn die Vermittler ausgerechnet jene sind, die über einen »gesunden Egoismus« hinaus von diesem System profitieren. Was heißt anrüchig — mir stinkt’s.

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